Allianz gegen Google:Here vermisst die Welt neu

Grundlage der neuen Here-Datenplattform ist eine Neuvermessung der Welt. In etwa 200 Ländern wird der Verkehrsraum komplett neu kartografiert. 50 000 Kilometer legen die Messfahrzeuge pro Woche zurück, um die Welt dreidimensional in bis zu 30 Meter Höhe zu erfassen. Pro Sekunde trägt jedes dieser "True Cars" 700 000 Datenpunkte zentimetergenau in ein cloud-basiertes 3-D-Koordinatensystem ein. Damit gehören die Messfahrzeuge zu den größten Nutzern des Mobilfunknetzes. Rotierende Lidar-Geräte auf ihren Dächern und ein spezielles GPS-System mit militärischer Präzision sorgen dafür, dass die Referenzpunkte passen. Denn Roboterfahrzeuge brauchen viel genauere Karten, als sie heute üblich sind.

Wie dynamisch der Verkehr ist, merken die Autopiloten spätestens an dicht befahrenen Kreisverkehren. Autonome Testwagen scheitern dort regelmäßig, weil sie auf größere Lücken zum Einfädeln warten. Auch hier gilt wie so oft: Wer bremst, verliert. Die vorsichtigen Maschinen brauchen Fahrprofile als Blaupause, um sich so flüssig zu bewegen wie ein menschlicher Chauffeur.

Die Autos liefern die Live-Daten

Solche Expertensysteme bilden die zweite Ebene der HD Live Maps. Wirklich zuverlässig sind solche 3-D-Karten aber nur, wenn sie im Minutentakt aktualisiert werden. Das ist mit speziellen Messfahrzeugen allein nicht zu leisten. Deshalb wird eine dritte Schicht von dynamischen Informationen über die digitalen Fixpunkte gelegt.

Diese Live-Daten zu Baustellen, Unfällen, Rettungseinsätzen oder Witterungseinflüssen werden in erster Linie von den Fahrzeugsensoren der teilnehmenden Autohersteller generiert. "Kein IT-Unternehmen ist imstande, eine solche Menge an hochgenauen Daten zu erzeugen wie wir Autohersteller", sagt Peter Steiner. Im Prinzip seien Autos fahrende Messstationen, die zum Beispiel Eiswarnungen mit nachfolgenden Fahrzeugen teilen können, so der Geschäftsführer der Audi Electronics Venture GmbH.

Here braucht einen strategischen Partner aus der IT-Branche

Peter Steiner gehört zu den Leuten, die sich schon länger mit dem hochautomatisierten Fahren beschäftigen. Das hat er mit Christoph Grote, dem heutigen BMW-Entwicklungschef Elektrik / Elektronik gemein. Auch Herbert Kohler, der frühere Leiter Mercedes-Konzernforschung, hat mit der Bertha-Benz-Fahrt 2013 ein seriennahes autonomes Auto auf die Straße gestellt. Alle drei zusammen brachten den Here-Deal ab 2014 über die Bühne - und überwanden damit das Wettbewerbsdenken der deutschen Autohersteller.

Die Datenmengen der 3-D-Echtzeitkarten sind so groß, dass Here künftig einen strategischen Partner aus der IT-Branche braucht. Edzard Overbeek will bis zum Ende dieses Jahres einen der weltweit größten Cloud-Anbieter als Teilhaber gewinnen. "Für mich ist das Dreieck zwischen dem Fahrzeug, der Cloud und zu Hause entscheidend. Wenn wir das geklärt haben, können wir das Geschäftsmodell mit weiteren Automobilherstellern skalieren."

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