Alfa Romeo 147 GTA Die Wiederentdeckung des offenen Seitenfensters

Der Alfa 147 GTA schlägt Haken wie ein Hase, spricht unterwegs mit dem Fahrer und ist nichts für Vernunftbetonte.

Von Michael Harnischfeger

(SZ vom 12. 3. 2003) - Wenn Autofahren als sinnliches Vergnügen verstanden werden will, ist Alfa Romeo seit jeher eine gute Adresse. Denn die heißblütigen Mitglieder der Fiat-Familie konnten ihren Fahrern schon immer Glücksmomente schenken - was anderen auf Vernunft gedrillten Massenvehikeln nicht gegeben war.

Take it or leave it: Mit Vernunft hat dieses Auto wenig zu tun.

(Foto: Foto: Alfa Romeo)

So hielten viele Alfisti der Marke auch in jenen schweren Zeiten die Treue, als sogar das Design zu wünschen übrig ließ und diese Liebe der Fans nicht einmal mit zentralen Grundtugenden wie etwa Zuverlässigkeit erwidert wurde.

Der Kauf eines Alfa Romeo ist in der Regel eine weniger rationale Angelegenheit als die Entscheidung für einen, sagen wir: Volkswagen. Man erhofft sich vom neuen Auto emotionale Ansprache, die über den Besitzerstolz hinausgeht. Zwiesprache halten mit der Technik, sich an ihrer spontanen Reaktion erfreuen, ins Auto hineinhorchen, als habe es Lungen und Stimmbänder - das alles ist Alfa-Fahren. Und beim GTA, der nun die kleine Baureihe 147 krönt, gibt es sehr viel zu fühlen und zu horchen.

Kein Kostverächter

Wie beim 156 GTA sitzt zwischen den Vorderrädern ein 3,2 Liter großer Sechszylinder, der mit 184 kW (250 PS) und 300 Newtonmetern Drehmoment gut in einer Oberklasselimousine Dienst tun könnte. Im kompakten 147 GTA, dem relativ dezente Karosserieanbauten und breite 17-Zoll-Räder den kraftvollen Auftritt eines mit Augenmaß agierenden Bodybuilders verleihen, ist er große Oper: Abgesehen vom sparsamen Umgang mit Treibstoff - Normverbrauch 12,1, Stadtverbrauch 18,1 Liter Super - gibt es nichts, was dieser V6 nicht kann.

Er erfüllt, anders als im 156 GTA, die Euro-4-Abgasnorm, folgt bei jeder Drehzahl freudig auch der kleinsten Bewegung des Gasfußes, dreht ganz locker mehr als 6.500 Touren und unterlegt diese Solo-Partien mit herzergreifenden Tönen. Da schnauft und braust es, da faucht und brabbelt es - der Reiz des geöffneten Seitenfensters wird neu entdeckt und man kann sich vorstellen, den Wochenenden mit der Suche nach dem längsten Tunnel Europas einen neuen Sinn zu geben.

Fast banal zu betonen, dass der 147 GTA geht, wie er klingt: 6,2 Sekunden reichen aus dem Stand bis 100 km/h; bei Tempo 246 im sechsten Gang des wunderbar schaltbaren Getriebes ist Schluss.

Direkt und ungeschminkt

Wenn ein Fronttriebler so viel Leistung sicher beherrschen soll, darf er natürlich kein Softie sein. Das kleine Alfa-Tier ist hart gefedert und gibt Straßenzustandsberichte, die an Eindeutigkeit kaum zu wünschen übrig lassen. Querfugen, nachlässig aufgebrachte Teerflicken oder gar Schlaglöcher melden sich kaum gefiltert, und beim starken Beschleunigen läuft das Auto jeder kleinen Spurrille nach. Ist da der Grundpreis von 30.800 Euro, spendable Serienausstattung hin oder her, gerechtfertigt?

Wer so fragt, versteht den GTA nicht, der Schwächen in Kauf nimmt, um Mittelmäßigkeit zu vermeiden. Die Lenkung ist sehr direkt übersetzt, die breiten 225er-Reifen übertragen Lenkbefehle spontan auf die Straße, und das Auto schlägt auf guter Piste Haken wie ein Hase auf der Flucht.

Mit Vernunft hat dieser mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Alfa so wenig zu tun wie ein Coupé, dem er im Platzangebot für Mitfahrer im Fond näher ist als die Form vermuten lässt. Er ist ein Lustkauf. Take it or leave it. Und kein Wort über den großen Wendekreis.