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Airbus A380:Dienstbeginn für Gulliver

Am Mittwoch übernimmt die Lufthansa ihren ersten A380 - ein gigantisches Trainingsprogramm ging voraus.

Jens Flottau

Es ist früh am Morgen, noch weit vor acht Uhr, und doch schwirren schon Dutzende Techniker durch den riesigen Hangar auf der Südseite des Frankfurter Flughafens. Einer der Flugzeugschlepper hat die Warnlampen an und schiebt das Flugzeug behutsam rückwärts in ein riesiges Gerüst, bis das Stoppsignal kommt. Die Männer ringsherum klatschen applaudierend in die Hände - geschafft. Rückwärts einparken fällt manchem schon mit einem Kleinwagen nicht leicht, wie schwer muss das Manöver dann erst mit einem Airbus A380 sein?

Airbus A380 Lufthansa

Übung macht den Meister: Bevor der A380 in Dienst geht, mussten viele Abläufe trainiert werden - auch das Einparken auf der Werft.

(Foto: Foto: rtr)

An diesem Mittwoch übernimmt die Lufthansa ihren ersten Airbus A380, zweieinhalb Jahre später als ursprünglich vorgesehen. Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber kommt mit einem Großteil seiner Führungsriege ins Airbus-Werk nach Hamburg. Nach einem Festakt wird Flugbetriebsvorstand Jürgen Raps die mit der Registrierung D-AIMA versehene Maschine nach Frankfurt fliegen, wo sie von Oberbürgermeisterin Petra Roth auf den Namen ihrer künftigen Heimatstadt getauft wird.

Seit Monaten bereitet sich Lufthansa akribisch auf den großen Tag vor. Schließlich handelt es sich bei dem A380 um das mit Abstand größte Flugzeug, das die Airline je betrieben hat.

In praktisch allen Bereichen des Flugbetriebs, am Boden wie in der Luft, müssen neue Verfahren eingeübt und Mitarbeiter geschult werden. Und sei es nur, dass die Schlepperfahrer trainieren müssen, wie sie einen A380 in der Werft einparken. Dafür hatte Lufthansa im April extra einen Prototyp aus Toulouse einfliegen lassen.

Im Lufthansa-A380 ist Platz für 520 Menschen

Insgesamt vier A380 bekommt die Airline bis September. Zunächst werden die Maschinen nicht, wie von vielen erwartet, auf die New-York-Strecke geschickt, sondern nach Tokio. Als zweiter Liniendienst ist die Strecke Frankfurt-Peking vorgesehen, als dritte Frankfurt-Johannesburg. Alle 15 Maschinen, von denen vier weitere 2011 ausgeliefert werden, sind in Frankfurt stationiert. Je nachdem, wie sich die Nachfrage im Luftverkehr entwickelt, werden sie dort ältere Modelle des Typs Boeing 747-400 ersetzen oder für mehr Kapazität sorgen, wenn die Jumbos noch eine Weile weiterfliegen dürfen.

Mit 520 Sitzen bietet der A380 Platz für mehr als 100 zusätzliche Passagiere. Acht First-Class- und 92 Business-Class-Sessel sind auf dem Oberdeck untergebracht, 420 Economy-Sitze auf dem Hauptdeck. Damit ist Lufthansa nach Air France die Gesellschaft, die die meisten Passagiere im A380 unterbringen will. Air France hat 538 Sitze eingebaut. Die A380-Airlines Qantas, Singapore Airlines und Emirates blieben dagegen deutlich unterhalb der 500 Sitze.

Während bei Lufthansa die Economy- und Business-Class-Kabinen praktisch unverändert bleiben, nutzt die Airline die Gelegenheit, auf ihrem neuen Flaggschiff eine neue First Class zu präsentieren. Über das Timing kann man sich allerdings ein wenig wundern: Viele Jahre lang hat die Airline in der teuren Kabine einen mittlerweile völlig veralteten Sitztyp beibehalten, während die Konkurrenz ihren besten Kunden schon längst echten Luxus bot.

Mittlerweile haben sich viele Fluggesellschaften dazu entschlossen, die First Class abzuschaffen, weil sie kaum noch gebucht wird. Lufthansa hat sich wieder einmal anders entschieden, zumal die A380 sowieso nur auf den Strecken fliegen werden, auf denen besonders viele zahlungskräftige Geschäftsleute unterwegs sind.

Der A380 ist bei Piloten sehr begehrt

Bei den Piloten sind die Arbeitsplätze auf dem A380 sehr begehrt, neben Raps haben zunächst etwa zwei Dutzend Kollegen das sogenannte Type Rating, das sie zum Einsatz auf dem neuen Muster berechtigt. Seit Januar üben sie auf einem Flugsimulator, den Lufthansa speziell hat anfertigen lassen. Bevor es auf Strecke geht, dürfen sie aber noch einige Tage auf der echten Maschine üben.

Am 31. Mai wird die D-AIMA deswegen am Flughafen von Karlsruhe zu sehen sein, wo die Piloten Starts und Landungen üben, einen Tag später wiederholen sie die Prozedur in Leipzig. Beide Plätze sind potentielle Ausweichflughäfen für Frankfurt. Anschließend soll die Maschine im virtuellen Linienflug getestet werden, und zwar auf Kurzstrecken, um die wichtigsten Abläufe möglichst oft wiederholen zu können. Nach Stuttgart, Dresden, Linz, München, Zürich, Wien, Berlin, Hannover, Hamburg, Bremen, Düsseldorf und Köln/Bonn fliegt der A380 deswegen seit Anfang Mai. Am 6. Juni wird Raps dann mit D-AIMA die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zur WM nach Johannesburg fliegen.

An der Basis in Frankfurt sind bislang sechs Gates A380-tauglich. Die Maschinen werden vor allem am sogenannten C/D-Riegel andocken, dem Verbindungsstück zwischen Terminal 1 und 2. Dort hat die Lufthansa auch neue Lounges gebaut, die Passagiere können von zwei Ebenen aus einsteigen. Bis die Flotte weiter gewachsen ist, ist dann auch der Pier A-Plus fertig, der derzeit gebaut wird. Teile der ehemaligen Lufthansa-Basis mussten dem Gebäude weichen, um das herum die A380 parken sollen.

Der A380-Flugplan ist so angelegt, dass die Bodenmitarbeiter die Maschine innerhalb von knapp zwei Stunden "umdrehen", also wieder startklar machen müssen. Das ist die gleiche Zeit, die sie auch für die viel kleinere Boeing 747 haben.

Üben, üben, üben ist die Devise

Es ist also viel Üben angesagt: Die Lufthansa-Catering-Tochter LSG SkyChefs etwa hat 600 Fahrer geschult, wie sie einen neuen Hubwagen an den A380 heranfahren. Auch dieses Fahrzeug ist größer als alle bisherigen, denn der Frachtraum mit Essen und Getränken muss auf eine Höhe von fast neun Meter hochgehoben werden, um das Niveau des Oberdecks zu erreichen. Normal sind höchstens sechs Meter.

Nicht nur die Höhe ist ein Problem: Die Türen des Oberdecks sind so ungünstig angebracht, dass zwischen dem Catering-Laster und den inneren Triebwerken des A380 nur ein Abstand von 60 Zentimeter bleibt. Ein falsches Manöver und es droht ein Schaden in Millionenhöhe. Um das Ganze üben zu können, hat LSG eine Attrappe der mittleren Rumpfsektion nachbauen und auf einem Platz vor der Großküche aufbauen lassen. Auf dem Asphalt sind die Umrisse des Flügels und der Triebwerke markiert.

Spätestens am 6. Juni wird es dann ernst.

Airbus A380: Daten und Fakten

Abmessungen: Länge: 72,7 m, Höhe: 24,1 m, Rumpfdurchmesser: 7,14 m, Spannweite: 79,8 m, Kabinenlänge: 49,9 m, Flügelfläche: 846 qm; bis zu 538 Passagiere in drei Klassen; Motoren: Rolls-Royce Trent 900 oder GP 7200, vier Turbofans mit einer Schubkraft von 311 Kilonewton; Flugleistungen: max. Geschwindigkeit: 0,89 Mach, Reichweite: 15.200 km; Massen: Leermasse: 276,8 t, max. Nutzlast: 66,4 t, max. Startmasse: 560 t, max. Landemasse: 386 t; max. Tankvolumen: 320.000 Liter.

© SZ vom 26.12.2010/gf

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