Älteste Tankstelle Deutschlands "Allein der Mensch steht im Vordergrund"

Manfred Caspar-Milz betreibt in einem Essener Hinterhof die älteste Tankstelle Deutschlands. Hier wird das Auto noch mit Rosshaarbürsten gestreichelt und um 18.30 Uhr die Zapfsäule dichtgemacht. Ein Liter Super kostet 1,73 Euro. "Latte to go" gibt es hier nicht.

Von Martin Zips

SZ: Herr Caspar-Milz, Sie betreiben die älteste Tankstelle Deutschlands. War der Beruf des Tankwarts schon immer Ihr Traumberuf?

Manfred Caspar-Milz: Klar, das war mal ein Beruf mit Zukunft. Ich hab das gelernt bei meinem alten Chef, dessen Vater die Tankstelle 1924 gegründet hat. Irgendwann hat mein Chef gesagt: ,Mist, ich habe keine Kinder, also adoptiere ich den Manfred. Der ist wie ein Sohn.'

SZ: Ihr Chef hat Sie adoptiert?

Caspar-Milz: Jau. Meine Mutter hatte auch nichts dagegen.

SZ: Heutzutage werden Tankwarte nur noch selten von Ihren Pächtern adoptiert.

Caspar-Milz: Ist alles nicht mehr so wie früher. Heute ist es doch kein Unterschied, ob du Tankwart bei irgendeiner Kette bist oder im Supermarkt an der Kasse sitzt. Aber bei mir ist das noch anders. Hier wird noch bedient: Tanken, Luft prüfen, Öl und Wasser nachsehen, Scheiben wischen. Das ganze Programm.

SZ: Die ganz alte Schule.

Caspar-Milz: Letztens hat mich an meinem freien Tag ein Arzt angerufen. Er hatte einen Platten und konnte nicht zum Patienten. Da bin ich sofort hin und habe dem das Rad gewechselt. Bei mir steht einzig und allein der Mensch im Vordergrund.

SZ: Soll ich Ihnen mal was sagen, Herr Milz? Im Kapitalismus haben Sie mit dieser Einstellung keine Chance mehr.

Caspar-Milz: Richtig. Fast jede Woche steht ein selbsternannter Experte bei mir an der Zapfsäule und sagt genau das. Klar, man muss schon Idealist sein. Aber ich bin jetzt 62. Wenn ich einmal nicht mehr bin, ist hier eh Schluss.

SZ: Gehen Sie mit dem Benzinpreis vor Ostern denn noch mal richtig hoch?

Caspar-Milz: Nö. Habe ich nicht vor. Ich lasse mich zwar von einem Konzern beliefern, aber mache meine Preise selbst. Kann ich also ausschließen.

SZ: Haben Sie denn wenigstens eine digitale Anzeige, wo Sie zehnmal täglich den Preis verändern können?

Caspar-Milz: Nee. Ich hab so vorgefertigte Ziffern. Die hänge ich auf. Dann fühle ich mich wie ein Schiedsrichter beim Eiskunstlauf.

SZ: Wann, glauben Sie, werden Sie die ganz große 2 benötigen?

Caspar-Milz: Sie meinen, wann der Literpreis über zwei Euro steigt? Also, in diesem Jahr nicht mehr. Ein paar Cent wird es vielleicht noch nach oben gehen - mehr nicht. An große Sprünge glaube ich nicht. Das lehrt mich die Erfahrung.

SZ: Wenn Sie noch einmal von vorne beginnen könnten: Womit würden Sie heute am liebsten Ihr Geld verdienen?

Caspar-Milz: Mit Musik.

SZ: Wirklich? Die Piratenpartei will alles gratis online stellen!

Caspar-Milz: Denen sollte man auch mal die Luft rauslassen.