Abgastest Mercedes C 220 CDI Der Motor kommt in fast jedem Mercedes-Modell zum Einsatz

Jetzt hat Daimler zumindest ein Imageproblem, denn wiederholt schlechte Abgaswerte sind ein Armutszeugnis beim Umweltschutz. Die Deutsche Umwelthilfe hatte bereits im Dezember stark erhöhte Stickoxid-Emissionen bei einem getesteten Mercedes C 200 CDI mit Euro 5 publik gemacht. Doch der neue Vorwurf ist noch gravierender, weil er das komplette aktuelle Modellprogramm trifft: Der Mercedes 2,1-Liter-Vierzylinderdiesel vom Typ OM 651 ist die Universalwaffe im Daimler-Konzern. Er kommt in verschiedenen Leistungsstufen als 200 CDI, 220 CDI und 250 CDI mit bis zu 204 PS in den Baureihen A-, B-, C-, E-, S-, GL-, ML-, CLA-, GLA-, und CLS-Klasse sowie der V-Klasse, Viano, Vito und Sprinter zum Einsatz.

Aufgefallen ist der Motor bisher vor allem durch seine Effizienz: Der C 220 Bluetec verbraucht in der Version mit 125 kW (170 PS) nur vier Liter Diesel auf 100 Kilometer. Doch die an und für sich zeitgemäße SCR-Technologie zur Abgasnachbehandlung garantiert das umweltschonende Fahren offensichtlich nur in einem idealen Temperaturfenster. Bemerkenswert sind laut TNO die extrem schlechten Rohemissionen des Motors. Nicht nur im Stadtverkehr, sondern auch bei der Konstantfahrt auf der Autobahn fällt der C220 CDI durch Stickoxidwerte von bis zu 2000 mg/NOx auf. Derart hohe Abgasemissionen unter idealen Bedingungen für die Abgasreinigung sind in der Autobranche äußerst selten.

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Peinlichkeit für den Diesel-Vorreiter

Von allen Fahrzeugen zeigte der Mercedes C 220 CDi Bluetec die mit Abstand schlechtesten Abgaswerte im TNO-Test. Die Prüfergebnisse sind für Daimler als Diesel-Pionier also extrem peinlich. 1936 brachte Mercedes den Ölbrenner im Auto auf Touren und blieb fast ein halbes Jahrhundert weltweit Diesel-Vorreiter - zum Beispiel mit dem ersten Mercedes-Turbo-Diesel 1978 mit fünf Zylindern und stolzen 170 kW (230 PS). 1997 kam der Mercedes C 220 CDI als eines der ersten Modelle mit der bahnbrechenden Common-Rail-Einspritzung in Serie. Über eine gemeinsame Hochdruckleitung versorgt eine Kraftstoffpumpe dabei alle Zylinder mit Sprit. Dank des hohen Drucks kann der Kraftstoff ultrafein vernebelt werden - eine Voraussetzung, um die Abgase schon während der Verbrennung zu minimieren.

Doch der saubere Spardiesel OM 651, den Daimler 2009 als Wundermotor anpries, hat in Folge hauptsächlich Scherereien gemacht. Wegen defekter Piezo-Injektoren mussten die Einspritzdüsen bei mehr als 300 000 Fahrzeugen getauscht werden. Schließlich blieb Mercedes nichts anderes übrig, als den Motor auf langsamer arbeitende Magnetventile umzustellen. Das könnte einer der Gründe für die schlechten Abgaswerte sein. In der neuen E-Klasse ersetzt Mercedes den alten Ölbrenner jedenfalls durch eine komplette Neuentwicklung: Der Reihenvierzylinder unter der internen Bezeichnung OM 654 wird die bisherige Baureihe OM 651 auch in allen anderen Baureihen ablösen. Mehr Leistung bei weniger Verbrauch soll den Motor gegenüber dem Vorgänger auszeichnen.

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Mit dem neuen Motor soll alles besser werden

Der entscheidende Fortschritt beim neuen Motor ist aber sein geringer Bauraumbedarf: Der Zylinderabstand schrumpfte von bislang 94 auf 90 Millimeter. Den freiwerdenden Raum kann Mercedes gut gebrauchen: Der neue Diesel erlaubt erstmalig eine motornahe Anordnung der Abgasanlage. Dadurch sollen der Oxidationskatalysator und das SCR-System schneller anspringen. Auch der Diesel-Partikelfilter kommt leichter auf Temperatur, was Kraftstoff beim Freibrennen spart. Zudem sollen schon die Rohemissionen erheblich reduziert werden: Die Gemischaufbereitung erfolgt im zweiten Anlauf wieder mittels hochgenauer Piezo-Injektoren bei maximal 2000 bar Einspritzdruck.

"Der Dieselmotor OM 654 ist bereits auf die Erreichung zukünftiger Grenzwerte nach RDE-Gesetzgebung ausgelegt", betont Mercedes in einer Pressemitteilung zur neuen Mercedes E-Klasse. Von Ende 2017 an sollen die Abgaswerte aller Dieselfahrzeuge unter realen Straßenbedingungen (Real Driving Emissions - RDE) getestet werden - das EU-Parlament hat dem entsprechenden Gesetzesentwurf heute zugestimmt.

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