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Abgas- und CO₂-Affäre:Was VW-Aktionäre tun können

VW-Aktiensturz Mitte September

Auf Talfahrt: Seit Bekanntwerden des Abgasskandals stürzte die VW-Aktie gewaltig ab.

(Foto: dpa)

Welche Fristen gibt es?

Ist ein Produkt mangelhaft, können Käufer Gewährleistung geltend machen. Allerdings nicht gegenüber dem Hersteller, sondern gegen den Verkäufer, bei dem sie das Auto erworben haben. Die Frist dafür läuft jedoch nach zwei Jahren ab. Droht diese demnächst abzulaufen, sollten Kunden ihre Ansprüche bereits jetzt beim Verkäufer anzeigen. Allerdings dürfte die Zwei-Jahres-Frist in den meisten Fällen verstrichen sein. Kunden müssten in diesem Fall auf die Kulanz des Herstellers hoffen.

Was können VW-Aktionäre tun?

Wer Aktien von VW besitzt und überlegt, Klage einzureichen, sollte noch abwarten, rät Jürgen Kurz vom Aktionärsverband DSW - zumindest, bis die Ermittlungen der Finanzaufsicht Bafin abgeschlossen sind. Das könnte gegen Ende des Jahres der Fall sein. Im Zentrum der Bafin-Ermittlungen steht die Frage, ob VW die Öffentlichkeit früher von den Problemen hätte informieren müssen. Wenn das so ist, haben Anleger ein Jahr Zeit, Klage einzureichen, gerechnet von dem Zeitpunkt an, als die Öffentlichkeit Kenntnis von der Affäre bekommen hat. Das wäre Mitte September. Allerdings: Viele Rechtschutzversicherungen decken Konflikte um Kapitalanlagen nicht ab. Wer klagen will, sollte vorher Rücksprache mit der Versicherung halten.

Was können Kläger erwarten?

In Deutschland gebe es zwei denkbare Varianten, heißt es beim DSW. Anleger, die nachweisen können, dass sie bei einer früheren Information durch VW die Aktie verkauft oder gar nicht erst gekauft hätten, können auf eine Rückabwicklung hoffen. VW müsste dann den Kaufbetrag plus Zinsen erstatten. Die zweite Möglichkeit: Wer unmittelbar vor Bekanntwerden der Affäre gezeichnet hat, kann einen "Kursdifferenzschaden" geltend machen - und argumentieren, dass er die Papiere teurer gekauft hat als es der Fall gewesen wäre, hätte VW rechtzeitig informiert. Wer das vor Gericht durchkriegt, bekommt die Kursdifferenz ausbezahlt, behält aber die Aktien.

Soll man die Aktie jetzt kaufen?

Die Analysten sind uneinig, was die weiteren Aussichten für VW angeht. Viele Banken empfehlen, die Papiere abzustoßen. Gnädiger fällt das Urteil bei der UBS aus: Auch wenn die "Bedenken" hinsichtlich der Unternehmensgrundsätze nicht kleiner würden, heißt es in einer aktuellen Analyse, habe die Aktie dennoch Potenzial.

© SZ vom 06.11.2015/harl

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