75 Jahre Diesel:Euro 6 macht dem Diesel zu schaffen

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Und dies sogar ganz offiziell. Die seit diesem Januar geltende Euro-5-Abgasnorm erlaubt dem Diesel mit 180 mg/km noch immer einen dreimal so hohen NOx-Ausstoß wie dem Benziner (60 mg/km). Besserung ist erst von 2014 an in Sicht, wenn Euro 6 in Kraft tritt. Dann dürfen nur noch 80 Milligramm NOx pro Kilometer in die Luft gepustet werden.

Dabei fährt die europäische Gesetzgebung in Sachen Abgas zum Beispiel den Amerikanern meilenweit hinterher. Vor allem in Kalifornien, dem größten automobilen Absatzmarkt der USA, sowie einer handvoll anderer Bundesstaaten gibt es für die Autobauer keine Gnade.

Wer hier Diesel-Pkw verkaufen will, muss den Selbstzünder so sauber wie den Benziner machen. Nach der dortigen Abgasnorm Tier2/Bin5 sind lediglich 31 Milligramm pro Kilometer erlaubt. Diesen Wert muss der Hersteller mindestens für die ersten fünf Jahre oder 80.000 Kilometer garantieren. Danach sind es noch 44 mg/km.

Zu schaffen sind solche Mengen nur mit einer hochkomplizierten und entsprechend teuren Abgasreinigung. Dazu steckt im Auspuffstrang ein sogenannter SCR-Katalysator (Selective Catalytic Reduction). Er wandelt Stickoxide ohne Bildung von unerwünschten Nebenprodukten zu harmlosem Stickstoff und Wasser um.

Zuvor muss er allerdings mit Ammoniak gefüttert werden. Dieses kann sich im heißen Abgasstrom aber nur bilden, wenn fein dosiert eine wässrige Harnstofflösung, genannt AdBlue, ins Auspuffrohr gespritzt wird. AdBlue sitzt in einem separaten Zusatztank, der so groß ist, dass er im Rahmen der Wartungsintervalle in der Werkstatt aufgefüllt werden kann.

Angeboten wird die Euro-6-fähige Technik bislang nur von den deutschen Autobauern Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen, denn sie verkaufen Dieselmodelle in die USA. Einige von ihnen sind zwar auch für den deutschen Markt erhältlich, kosten aber zwischen 1175 und 2380 Euro mehr als die vergleichbaren Euro-5-Versionen. Der Kunde hat außer dem reinen Gewissen, weniger NOx in die Luft zu pusten, nichts davon.

Zwar bekommt er vom Staat drei Jahre lang eine steuerliche Erleichterung von jährlich 150 Euro. An der Windschutzscheibe seines Autos klebt dennoch die gleiche grüne Plakette. Lohnen würde sich die Sache für ihn nur, wenn Städte und Kommunen eines Tages für Diesel die Einfahrt in Umweltzonen vom Ausstoß an Stickoxiden abhängig machen würden. Was kaum wahrscheinlich ist.

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