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75 Jahre Diesel:Zukunft unter Vorbehalt

Vor 75 Jahren wurde der erste Diesel in einen Pkw eingebaut, heute gilt er als idealer Antrieb. Das könnte sich ändern - auch, weil der Motor noch immer ein Stinker ist.

Der Blick in die Geschichte des Dieselmotors wird bisweilen von Rußwolken getrübt. Wer wann und wo den Selbstzünder erstmals in einen Personenwagen montierte, dazu gibt es unterschiedliche Angaben.

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A star is born

Mercedes behauptet, man habe auf der IAA in Berlin im Februar 1936 - also vor genau 75 Jahren - mit dem Modell 260 D der Welt den ersten Diesel-Pkw präsentiert. Und danach auch produziert und verkauft.

Zu lesen ist andererseits, dass der kleine Autobauer Hanomag aus Hannover auf derselben Messe einen Diesel ausstellte, ihn dann aber nicht liefern konnte. Anderswo wiederum ist vermerkt, schon drei Jahre zuvor hätten die Franzosen das Dieselherz in einem Citroën Rosalie schlagen lassen. Doch das Modell ging nie in Serie, weil Frankreichs Steuergesetzgebung dies vereitelt habe.

So bleibt am Ende doch dem ältesten Autobauer der Welt aus Stuttgart der Triumph zu gönnen. Immerhin hat Daimler-Benz dem Diesel wie kein zweiter auf die Sprünge geholfen, ihn nach dem Krieg in ungezählte schwarze Taxen gepflanzt und zu unübertroffener Zuverlässigkeit erzogen. Manche Exemplare der Generation Strich/8 und W123 fahren noch heute in Afrika, teils mit mehr als einer Million Kilometer auf dem Buckel.

"Mein Motor macht immer noch große Fortschritte", soll der Ingenieur Rudolf Diesel 1895 gesagt haben, drei Jahre nachdem er sein öliges, schweres und lautes Ungetüm als Patent angemeldet hatte. Diesels ungewollt visionäre Aussage hätte selbst heute noch Bestand.

Fachleute signalisieren dem Selbstzünder noch immer eine große Zukunft. Denn keine Hubkolben-Verbrennungskraftmaschine geht effizienter mit der Energie um. Zudem ist die Leistungsentfaltung des Diesels jedem vergleichbaren Benziner überlegen.

Marktbeobachter Peter Schmidt prophezeit dem Selbstzünder in einer Studie weiteres Wachstum, sieht für Westeuropa sogar den bisher höchsten Marktanteil von 53,3 Prozent kippen. Die meisten Diesel laufen übrigens in Belgien: 75,5 Prozent. Nur eine Kotflügellänge dahinter liegt dann schon Norwegen mit 74,9 Prozent. "Dies ist umso erstaunlicher, weil noch vor zehn Jahren der Dieselanteil dort nur etwa neun Prozent betrug", weiß Schmidt.

Doch trotz aller Verbesserung von Leistung, Laufkultur und Sparsamkeit, die die Ingenieure vor allem in den vergangenen 15 Jahren erreicht haben - der Dieselmotor bleibt ein Stinker, zumindest, was die giftigen Stickoxide angeht.

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O Lord, won't you buy me ...