bedeckt München

70 Jahre Citroën 2CV:Vom hässlichen Entlein zum Kult-Auto

Als die Ente 1948 vorgestellt wurde, war die Presse über den klapprigen Kleinwagen entsetzt. Die Autofahrer liebten den 2CV über Jahrzehnte hinweg dafür umso mehr.

Von Felix Reek

9 Bilder

-

Quelle: Citroen

1 / 9

So richtig zeitgemäß war die "Ente" nie, auch nicht als sie vor 70 Jahren der Welt vorgestellt wurde. Vielmehr sorgte sie bei ihrer Premiere 1948 auf dem Autosalon Paris für Entsetzen. Ein US-Journalist fragte, ob der Hersteller gleich den Dosenöffner mitliefert. Ein Kollege aus den Niederlanden nannte den Citroën 2CV, so der offizielle Name, "ein hässliches Entlein". Und die Gesichtszüge des französischen Staatsoberhauptes Vincent Auriol sollen regelrecht entglitten sein, als er sich in dem Auto ablichten lassen musste.

-

Quelle: Citroen

2 / 9

Dabei hatte der Sozialist zuvor jahrelang ein bezahlbares Auto für das Volk gefordert. So wie auch Citroën-Chef Pierre-Jules Boulanger, der der Legende nach sagte: "Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht." Bis es so weit war, sollte es aber noch dauern. 250 Prototypen (im Bild einer von ihnen) baute Citroën bis 1939. Fertig war die Ente erst 1948.

-

Quelle: Citroen

3 / 9

Heraus kam ein Fahrzeug, das scheinbar nicht nur in der Kategorie Design hinterherfuhr. Man bedenke: Die Amerikaner ließen sich von Flugzeugen inspirieren, die Briten schufen einen Klassiker wie den Jaguar XK120. Und Citroën baute ein Auto mit Wellblech-Motorhaube, zwölf PS und in nur einer Farbe: Grau (im Bild ein späteres Modell). Doch die Käufer hielt das nicht ab: Die Ente war in Frankreich vom Start weg so beliebt, dass Kunden bis zu sechs Jahre auf ihr Auto warteten.

-

Quelle: Citroen

4 / 9

In Deutschland sah das lange anders aus. Erst elf Jahre später kam der 2CV hierzulande auf dem Markt und verkaufte sich erst mal schlecht. Was vor allem daran lag, dass er genauso teuer war wie der VW Käfer. Das sollte sich im Lauf der Zeit allerdings ändern. Wie der Volkswagen entwickelte sich die Ente zum Auto für all jene, für die ein fahrbarer Untersatz kein Statussysmbol ist. Professoren, Studenten, Hippies, die Anti-Atomkraft-Bewegung. Selbst Roger Moore fuhr 1981 als James Bond in "In tödlicher Mission" seinen Verfolgern im 2CV davon.

-

Quelle: Citroen

5 / 9

Inzwischen erreichte die Ente größte Beliebtheit auch in Deutschland. 9990 Mark kostete sie zu diesem Zeitpunkt. Sie stand wie kein anderes Auto, mit Ausnahme der Citroën DS, für das französische Lebensgefühl, von dem sich auch die Deutschen inspirieren lassen wollten.

-

Quelle: Citroen

6 / 9

Fünf Millionen Exemplare baute Citroën in vier Jahrzehnten, bis am 27. Juli 1990 im portugiesischen Mangualde der letzte 2CV6 "Charleston" vom Band lief. Zu diesem Zeitpunkt war die Ente bereits hoffnungslos veraltet. Die Karosserie entsprach in ihren Grundzügen immer noch dem Modell aus den Fünfzigerjahren. Dass der 2CV überhaupt so lange produziert werden konnte, verdankte er seinem Kultstatus vor allem in Deutschland und Großbritannien. Im Heimatland Frankreich hingegen gingen die Verkaufszahlen schon lange zurück.

-

Quelle: Citroen

7 / 9

Heute existieren nur noch wenige Exemplare in gutem Zustand. Eine Rostversiegelung gab es nie für die Ente, viele Autos verrotteten im Lauf der Zeit. Entsprechend teuer sind die ehemals für wenig Geld erhältlichen Fahrzeuge nun.

-

Quelle: Lebubu93

8 / 9

Besonders spezielle Editionen treiben die Preise in die Höhe. Einer der letzten Charleston-2CVs aus dem Jahr 1990 wurde 2017 für fast 54 000 Euro versteigert, ein Exemplar aus dem ersten Produktionsjahr 1948 erzielte einen Preis von 75 000 Euro. Besonders begehrt ist die sogegannte "Sahara Ente" (im Bild) von der es nur 694 Exemplare gibt. Ihre Besonderheit: Sie ist der einzige 2CV mit Allradantrieb, den zwei Motoren bereitstellen, die unabhängig voneinander betrieben werden können. Bis zu 100 000 Euro zahlen Sammler inzwischen dafür.

-

Quelle: Citroen

9 / 9

Wer sich für ein Standard-Modell entscheidet, kommt billiger weg. 13 000 bis 14 000 Euro muss ein Liebhaber des französischen Kleinwagens mittlerweile bezahlen. Dafür bekommt er aber ein unverwechselbares Auto, das zu Recht als Klassiker gilt. Auch wenn es seine Karriere vor 70 Jahren als hässliches Entlein begann.

© SZ.de/dd/rus

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite