60 Jahre Seat:Außerhalb Europas ist Seat quasi nicht vorhanden

Lesezeit: 4 min

Mit dem Ende der Franco-Diktatur und der Öffnung der Märkte sieht sich Seat zunehmend ausländischer Konkurrenz gegenüber. 1978 klafft ein tiefes Loch in der Firmenbilanz. Anfang der achtziger Jahre sinkt der heimische Marktanteil um 26 Prozent, es gibt Entlassungswellen. Die Zusammenarbeit mit Fiat wird immer schwieriger, es schwelt ein erbitterter Rechtsstreit über den Seat Ronda: Für die Italiener entspricht der Wagen zu sehr dem Fiat Ritmo. Heute ist diese Episode eher erheiternd, gelten doch weder Ronda noch Ritmo als Perlen der Automobilgeschichte - beim einen fraßen die Rostpartikel im Flamenco-Rhythmus, beim anderen im Takt italienischer Opern das Auto auf. Seat Zerwürfnis mit Fiat mündete aber in die Annäherung an Volkswagen.

Zu einem der wichtigsten Jahre der Seat-Geschichte wird 1984. Ein Seat ganz ohne Fiat-Gene, gezeichnet von Design-Legende Giugiaro und von Porsche mitentwickelt, kommt auf den Markt und trägt den Namen der spanischen Partyinsel Ibiza. Nun geht es Schlag auf Schlag: Der Staatsbetrieb Seat wird privatisiert, Volkswagen übernimmt die Aktienmehrheit. 1986 beginnt der Export nach Deutschland, auch die Deutschen lieben den praktischen und günstigen Ibiza. Die Seat-Fabrik in Martorell öffnet 1993 als eine der modernsten Autofabriken Europas.

In den achtziger und neunziger Jahren entstehen die Modelle nun auf VW-Basis. Fast 2000 Seat Toledos dienen 1992 als Flottenfahrzeuge bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Es folgen neue Ibiza-Modelle und der Van Alhambra, baugleich mit VW Sharan und Ford Galaxy. In jüngster Zeit baute Seat vor allem sein dynamisches Image aus, gestützt durch zahlreiche Erfolge im Renn- und Rallyesport. Die Cupra- und FR-Versionen von Leon und Ibiza sind sozusagen die spanischen GTIs - genauso flott, aber günstiger und meist auch etwas leichter. "Auto Emoción" wird Seats neuer Slogan.

Der VW-Ableger zählt nach wie vor zu den größten Unternehmen Spaniens, produziert seine Modelle mit Stolz im eigenen Land und ist dort immer noch Marktführer - allerdings nur knapp: Citroën ist Seat dicht auf den Fersen. 2009 bauten die Spanier 337.000 Autos. 82 Prozent aller Seats werden nach Angaben des Unternehmens in Westeuropa verkauft, davon wiederum jeder zweite Wagen in Spanien, Deutschland oder Frankreich. In Wachstumsmärkten wie China ist Seat gar nicht vertreten, obwohl mit dem Seat Exeo auf Basis des alten Audi A4 ein interessanter Kandidat für die Stufenheck-verliebten Asiaten bereit stünde. Den Spaniern geht damit das globale Potenzial von VW oder Škoda völlig ab, außerhalb Europas sieht man nur in wenigen Ländern viele Seats auf den Straßen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB