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60 Jahre Piaggio Ape:Die Arbeiter-Biene

Vor 60 Jahren knatterte das erste Ape-Dreirad über südliches Kopfsteinpflaster. Die Transporter-Zwerge geben bis heute dem italienischen Straßenbild seinen speziellen Anstrich.

Von Sebastian Viehmann

Palermo in den frühen Morgenstunden. Ein leichter Dunst liegt über der sizilianischen Hafenstadt. Langsam quält sich der morgendliche Verkehr durch die engen Straßen. Auch tausende Bienen schwärmen aus - vom Hafen zum Fischmarkt, von den Bauern zum Gemüsehändler, vom städtischen Depot zur Müllsammlung. Doch Palermos Bienen summen nicht, sie knattern. "Ape" - italienisch für Biene - heißt der populärste Kleintransporter Italiens.

Der populärste Kleintransporter Italiens: die Ape.

(Foto: Foto: Piaggio)

Ein Motorrad mit Ladefläche

Das 2,5 Meter kurze und 1,3 Meter schmale Dreirad der Firma Piaggio ist schließlich das einzige Nutzfahrzeug, das sich selbst durch die engsten und verwinkelsten Gässchen zwängen kann. Ein Wendekreis von 4,8 Metern lässt jeden Vierradler alt aussehen, und 200 Kilogramm Nutzlast (Ape 50) reichen für eine Ladung Tomaten locker aus.

Im Prinzip ist die Ape nichts anderes als ein Motorrad mit Ladefläche und Fahrerkabine. Der Komfort im Führerhäuschen ist gleich Null, weder Heizung oder Radio lenken den Fahrer vom chaotischen Verkehrsgetümmel ab. Die passive Sicherheit besteht vor allem darin, dass die Töfftöff-Dreiräder ziemlich langsam unterwegs sind und sich potenzielle Unfallgegner im günstigsten Fall aus anderen Dreirädern, Mofas oder Fußgängern rekrutieren.

Viele Dreirad-Piloten dürften die Geburtsstunde des Mofa-Transporters noch als Kind miterlebt haben - der typische Ape-Fahrer ist heute meist ein Gemüsehändler kurz vor dem Rentenalter mit Schiebermütze auf dem Kopf. Doch auch Mama, Papa und ein bis zwei Bambini passen mit etwas gutem Willen ins Führerhaus. Und in manchen Regionen Italiens sind die kleinen Apes mit 50 Kubik sogar unter Jugendlichen Kult. Man darf sie schon ab 14 Jahren fahren, und eine rege Tuner-Szene motzt die Dreiräder tüchtig auf.

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