50 Jahre Porsche 911:Der 901er

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Was sich Jahrzehnte und eine ganze Erfolgsgeschichte später so anhört wie ein guter Witz, war damals echte Verzweiflung. Und dann gab es ja noch diese Kämpfe, wie der neue 911er (der am Anfang gar nicht so hieß, aber dazu später) aussehen sollte. Erwin Komenda, ein Design-Routinier, stand gegen den jungen Ferdinand Alexander Porsche. Am Ende setzte sich der Enkel des Firmengründers mit seinem Entwurf durch. Zum Glück kann man da nur sagen, wenn man eines der ersten Modelle des Elfers im Museum sieht, so zeitlos schön und zierlich noch. Es steht geparkt hinter Blumenkästen, in denen Farnbüsche wachsen.

Wem das seltsam vorkommt, der kennt die Sechzigerjahre der Bundesrepublik nicht. Denn genau so, wie das Museum jetzt das Auto präsentiert, sah der Porsche-Stand auf der Frankfurter Messe im Herbst 1963 aus, wo der neue Porsche 901 vorgestellt wurde. Ja, so sollte er heißen: Porsche 901. Aber dann kam Peugeot, die französische Firma, und machte geltend, dass sie sich seit jeher die Null in der Mitte für die Typenbezeichnungen ihrer Autos hatte schützen lassen. Porsche wollte es nicht auf einen Rechtsstreit um eine Null ankommen lassen, lenkte ein und überlegte sich, wie das neue Auto denn nun heißen sollte, wenn es nicht 901 heißen durfte. Die Lösung war gut, praktisch und irgendwie sehr schwäbisch. Da man ja schon eine 1 im Typennamen hatte, musste man keine neuen Formen prägen, wenn man noch eine 1 hinzunahm: Fertig war der 911.

Ein Auto, das mit seiner schlichten Eleganz so gut in die Sechzigerjahre passte wie die schmalen Krawatten der Männer und die klaren Kostüme der Frauen. Ein Auto, das sich dann aber erstaunlicherweise auch ganz harmonisch in die Siebzigerjahre einfügte, indem es außen breiter, im Innenraum flauschiger und im Motorraum deutlich stärker wurde. Ein 911er passte also auch gut in die Zeit, in der die Haare länger wurden. Das zeigt das schöne, frühe Exemplar der zweiten Generation im Museum, das sogenannte G-Modell. Es steht sehr lässig da mit einem Surfbrett auf dem Dach. Auch die Hippies in Kalifornien hatten nichts gegen Porsche, nur die breiten Turbos, die fuhren schon damals irgendwie andere Menschen.

Satt und reich

Am Anfang, Mitte der Sechziger, als die ersten Exemplare des 911 auf der Straße waren, verzweifelten übrigens nicht wenige Fahrer und viele Ingenieure des Hauses, weil sie feststellten, dass die Autos im Grenzbereich extrem schwer zu fahren waren. Sobald man in einer schnell gefahrenen Kurve vom Gas ging, brach das Heck aus. Irgendjemand hatte dann die Idee, Gewichte in der vorderen Stoßstange zu platzieren, um das Auto auszubalancieren. Für einen Fahrwerksingenieur eigentlich eine Blamage, gemacht wurde es trotzdem.

Aber das waren die Anfänge. Mitte der Achtzigerjahre, als auch die Bundesrepublik ein ziemlich sattes, reiches Land geworden war, da war auch der 911 so weit entwickelt, dass man sich kaum vorstellen konnte, was da noch kommen sollte. Die Motoren hatten mittlerweile 3,2 Liter Hubraum (1963 waren es nur zwei Liter) und 231 PS (1963 waren es 130), und Justus Frantz, ein damals bekannter Dirigent und Impressario hatte mit seinem Elfer sogar schon die DDR bereist. Selbst die Porsche-Leute waren vom 911 gelangweilt, setzten auf die neuen Modelle mit Frontmotor, den kleinen 924 und den riesigen 928.

Nur die Kunden, die wollten den Elfer weiterhin, und deshalb ist es fast ein Wunder, dass Porsche im Zuffenhausener Museum jetzt 50 Jahre 911 zeigen kann. Denn die Geschichte hätte zu Ende sein können, Ende der Achtziger. Aber dann fiel die Mauer und Porsche baute seit 1988 ein völlig neues Modell des 911, wenn man zwei deutsche Ereignisse so zusammenziehen kann. Der 964 genannte neue Typ des Elfers ist vielleicht keine Schönheit, aber er passte in die Zeit des Umbruchs. Er hatte jetzt auch Allradantrieb, aber die Kotflügel standen noch gerade im Blickfeld des Fahrers und wiesen den Weg in die neue Zeit. Im Land und bei Porsche. In der Bundesrepublik begriff man, dass die schöne Lebenslüge von der stets herbeigesehnten Wiedervereinigung wahr wurde, und bei Porsche begriff man, dass man den Elfer nicht loswerden würde. Warum auch, verkaufte er sich doch besser denn je. Und in den frühen Neunzigern, mit dem Modell 993, da wurde er auch schöner, schmaler wirkte er wieder, gestreckter und geformter.

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