30 Jahre Ferrari Testarossa:Die 300-km/h-Hürde ist zu hoch

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Ferrari Testarossa

Lamellen, wohin das Auge blickt: die Heckansicht des Ferrari Testarossa.

(Foto: STG)

Mit einem Null-auf-Hundert-Wert von gut fünf Sekunden war der Testarossa Mitte der Achtziger ganz vorn dabei. Aber aus den von Ferrari zunächst selbstbewusst kommunizierten 300 km/h wurde nichts. Mehr als 290 km/h waren aus der ersten Generation schlicht nicht herauszukitzeln. Angesichts der allzu direkt ausgelegten Lenkung ohne jede Servounterstützung war das kein Nachteil, denn auch bei hohen Geschwindigkeiten sorgte jede noch so kleine Drehung des Momo-Dreispeichen-Volants für eine unmittelbare Richtungsänderung. Das Fahrwerk war dagegen fein abgestimmt. Das Coupé präsentierte sich sportlich-straff mit erstaunlich viel Restkomfort.

Dabei hielt sich der Klang für einen fünf Liter großen Zwölfzylinder vergleichsweise deutlich zurück. "Der Testarossa war eher leise", sagt Michael Kunz, "wir haben daher gerade beim Testarossa damals besonders viele Sportauspuffanlagen verbaut. Jetzt geht der Trend bei den Klassikern jedoch wieder in Richtung Originalität." Mehr Sound gab es auch bei den Facelift-Versionen 512 TR und 512 M nicht, die das hierzulande weit über 200 000 Mark teure Urmodell zwischen 1991 und 1996 beerbten. Dafür aber mehr Power - 428 bzw. 440 PS - und bessere Fahrleistungen. Die Sprintwerte lagen nun unter fünf Sekunden, die Spitzengeschwindigkeiten über 300 km/h.

Ein Ferrari als Fernsehstar

Auch optisch gingen die modellgepflegten Varianten auf Distanz zur frühen Testarossa-Versionen. Ob die rundlichen Designelemente an Front und Heck oder der Verzicht auf Klappscheinwerfer beim 512 M das Design verschönerten, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen. Preislich liegen die späten Versionen jedenfalls noch über dem ursprünglichen Testarossa. "Heute starten Fahrzeuge aus der ersten Generation in mäßigem Zustand bei 60 000 Euro. Darunter gibt es nichts", erklärt Michael Kunz. "Ein TR kostet mindestens 80 000 und ein 512 M über 100 000 Euro."

Endgültig zur Legende machte den Testarossa aber eine Fernsehserie. Anthony Yerkovich und Micheal Mann, die führenden Köpfe hinter Miami Vice, sahen für ihre Hauptfigur Sonny Crockett Ferrari vor. Crockett fuhr in den ersten beiden Staffeln einen 365 GTS/4 Daytona Spider - allerdings keinen echten, sondern eine Replika auf Corvette-Basis. Diese waren in den USA seinerzeit recht beliebt, und Ferrari wollte dessen Popularität nicht noch weiter steigern. Deshalb wird, angeblich auf Ferraris Veranlassung hin, der Pseudo-365er nach zwei Staffeln spektakulär in die Luft gejagt und fortan durch einen weißen, von Ferrari Nordamerika zur Verfügung gestellten Testarossa ersetzt. Im Zuge des Miami-Vice-Kults wird auch der Sportwagen zur Legende. Und Ferrari muss man bescheinigen: Der Mut von einst hat sich wirklich gelohnt.

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