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30 Jahre Audi Quattro:Die Präzisionsmaschine

Vor 30 Jahren stand der Audi Quattro auf dem Genfer Salon. Dieses Jubiläum kann man aber schlecht am grünen Tisch feiern: eine Fahrt mit Walter Röhrl im Rallye-Quattro von 1984.

Ein eisiger Wind pfeift durch die Baumwipfel der französischen Seealpen. Der Audi Rallye-Quattro steht auf einer vereisten Straße am Col de Turini, dem legendären Abschnitt der Rallye Monte Carlo. Der Fünfzylinder brabbelt im Leerlauf vor sich hin, der Turbolader ist in Lauerstellung.

Walter Röhrl drückt einen Knopf auf seiner Stoppuhr. Es ist eine Marotte des Rallye-Profis, er stoppt immer die Zeit, bei jeder Fahrt und sogar beim Joggen. Dabei geht es heute am Col de Turini eigentlich um nichts. "Ich wollte einfach wissen, ob ich es noch kann", sagt Röhrl, der mit 63 noch so drahtig wirkt wie eh und je.

Röhrl gibt Gas, und nach wenigen Metern jagt der Quattro schon durch die nächste Kurve. Doch mit brachialem Rallyesport hat das nichts zu tun, als Beifahrer muss man sich trotz des hohen Tempos nicht an der grifflosen Tür festklammern. Röhrl prügelt den Quattro nicht etwa im Schweden-Stil über die Strecke und nutzt dabei die Schneewand als Bande.

Er zirkelt stattdessen mit rasanten, aber flüssigen und minutiös dosierten Lenkbewegungen um die Kurven. Sobald es die Traktion zulässt, schiebt er den Wagen mit Vollgas aus der Kurve. Durch das Bremsen mit dem linken Fuß lässt sich das Turboloch überlisten, weil der rechte Fuß auf dem Gas bleiben kann, und der Allradler wird in der Kurve stabilisiert. Die nächste Kehre kommt, Röhrl bringt die Räder schon vorher in die richtige Position, damit der Quattro seine 450 Newtonmeter Drehmoment sofort in ungehemmten Vortrieb verwandelt.