3. Generation des Transporters Der neue Sprinter soll die Wohnmobilbranche aufmischen

Der neue Mercedes Sprinter wird in mehr als 1700 verschiedenen Varianten erhältlich sein.

(Foto: Daimler AG)
  • Daimler hat in Düsseldorf die neue Generation des Mercedes Sprinters vorgestellt.
  • Optisch ändert sich wenig im Vergleich zum Vorgänger, aber technisch rüstet das Unternehmen sein Transporter-Modell enorm auf.
  • Der neue Sprinter bietet einige Assistenzsysteme, weitreichende Vernetzungsmöglichkeiten und erstmals Vorderradantrieb.
Von Marco Völklein

Ziemlich am Ende des langen Fließbands hängt eine große Bilderwand, dort, wo die Räder an die Achsen geschraubt und die Behälter für Kühl- sowie Bremsflüssigkeit befüllt werden. "Unser Viermillionster" steht dort, drum herum posieren auf Fotos die Mitarbeiter stolz neben ihrem Produkt. 2015 lief im Daimler-Werk in Düsseldorf der viermillionste Transporter vom Band.

Seit 1995 bauen sie hier schon den Mercedes-Benz Sprinter, seit 2006 die zweite Generation. Daneben gibt es Werke in Ludwigsfelde (Brandenburg) und Buenos Aires. Eine vierte Produktionsstätte zieht der Konzern derzeit in North Charleston in den USA hoch. Der Kleintransporter sei eine "Ikone", sagt Konzernchef Dieter Zetsche. Wer für seinen Umzug einen Transporter braucht, fragt beim Autovermieter in der Regel nach einem: Sprinter. Auch wenn er dann später mit einem Ford Transit vom Hof fährt. Der Sprinter prägt das Segment.

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Damit das so bleibt, bringt Daimler nun die dritte Generation auf den Markt. Anfang März soll die Produktion anlaufen. Und anders als bei vielen Pkw-Modellen, bei denen Hersteller kurz vor dem absehbaren Modellwechsel den Absatz mit großzügigen Rabatten ankurbeln müssen, verkaufte sich der Sprinter auch zuletzt prächtig. Mit mehr als 200 000 Exemplaren erzielte Daimler 2017 erneut einen Absatzrekord. So beschert unter anderem der boomende Onlinehandel den Paket- und Zustelldiensten ein rasantes Wachstum; aber auch viele andere Branchen - Handwerksbetriebe, Busbetreiber, Reparaturdienstleister - fragen die vielseitigen Transporter nach.

Deshalb mischt auch die Konkurrenz fleißig mit. Im vergangenen Jahr erst hat VW den neuen Crafter gebracht - und mit zahlreichen Assistenzsystemen, die bislang nur im Pkw-Bereich erhältlich waren, die Fachwelt begeistert. Die Daimler-Leute mussten nachziehen und rüsten den Sprinter auf Wunsch mit Abstands-, Aufmerksamkeits-, Totwinkel- oder Einparkassistenten inklusive 360-Grad-Kamera aus. Daimler-Chef Zetsche sagt, die dritte Generation des Transporters werde "das nächste Level erreichen und definieren".

Mit Vorderradantrieb steigt die Nutzlast

Rein äußerlich indes erkennt man auf den ersten Blick wenig Veränderung. Die Frontpartie ist zwar etwas in die Breite gegangen, die gegenüber dem Vorgänger schmaleren Scheinwerfer orientieren sich nun deutlicher an dem von Daimler-Chefdesigner Gorden Wagener vorgegebenen Konzerndesign. Insgesamt aber blieben, etwa mit dem großen Stern auf der markanten Haube, die Grundlinien des Vorgängers erhalten. Umso mehr versichern die Entwickler, dass unter dem Blech viel Neues steckt. So gibt es den Sprinter nun auch mit Vorderradantrieb. Das ermöglichte es den Ingenieuren, die Ladekante um acht Zentimeter abzusenken. "Viele Paketfahrer werden es uns danken", glaubt Spartenchef Volker Mornhinweg. Zudem steigt die Nutzlast bei der Version um 50 Kilogramm. Der Einstiegspreis liegt nach Unternehmensangaben bei 20 000 Euro.

Vor allem aber zielen Mornhinweg und seine Leute mit dem Fronttriebler auf eine weitere wichtige Kundengruppe: die Hersteller von Reisemobilen. Deren Geschäft boomt seit Jahren. Bislang aber dominieren Fiat Ducato (und die baugleichen Peugeot Boxer und Citroën Jumper) den Markt. Um aufzuholen, gibt es den Sprinter nun auch als "Triebkopf": Antrieb, Tank und alle anderen Aggregate sind im Fahrerhaus verbaut - dahinter bleibt den Wohnmobilbauern genügend Raum und Flexibilität für individuelle Aufbauten.

Nicht jeder Kunde braucht einen vernetzten Transporter

Daneben setzt Mornhinweg auf Vernetzung. Man mache den Sprinter "zur smarten Hardware", sagt er, "zum Knotenpunkt im Internet der Dinge". Die Technik kann haarklein erfassen, wo das Fahrzeug wann steht und was die beste Route wäre, um zum Beispiel möglichst viele Kunden zu beliefern. Bei Staus können Fahrer umgeleitet, Wartungen und Reifenwechsel online erfasst und geplant, lange Standzeiten so vermieden werden. Ähnliche Systeme bieten auch Konkurrenten, zudem versuchen Softwarefirmen in dem Bereich Fuß zu fassen. Sie alle setzen auf Digitalisierung.

Noch aber zögert so mancher Kunde. "Wir brauchen die neue Technik nicht", sagt etwa Alfons Baumeister, Chef eines Fensterbetriebs mit 120 Mitarbeitern aus Borken in Nordrhein-Westfalen. In seinem Fuhrpark sind bislang 20 (unvernetzte) Sprinter unterwegs. Andere wiederum wie Oliver Lanka vom Paketdienstleister Hermes oder der Stuttgarter Busunternehmer Erhard Kiesel wollen die neue Technik nutzen. Kiesel etwa, um seinen Fahrgästen per Smartphone exakt zeigen zu können, wann der Busshuttle sie abholen wird.

Und egal wen man fragt, fast alle Unternehmer sagen, dass sie auch elektrisch angetriebene Kleintransporter wollen. VW hat den E-Crafter für dieses Jahr angekündigt, Renault will den Batterie-getriebenen Master ebenfalls 2018 bringen. Daimler ist da etwas zurückhaltender: Im November hatte der Konzern zwar die Elektroversion des Vito (das ist der kleine Bruder des Sprinter) vorgestellt, im Vertrieb zeige sich aber, dass man noch viel Überzeugungsarbeit leisten müsse, sagt Mornhinweg. Der elektrifizierte Sprinter soll 2019 erhältlich sein.

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