Wie Augsburg die Produktion der Zukunft mit KI revolutioniert
Foto: Universität Augsburg/Tobias Seemiller
Die Industrie gewährt Einblicke in offene Herausforderungen, die Universität stellt Fachwissen und Innovationen bereit. In 68 gemeinsamen Projekten entstanden und entstehen Lösungen, die Produktionslinien effizienter und nachhaltiger machen und letztlich Arbeitsplätze und Standorte sichern. Vielfältige Studienmöglichkeiten, von Data Science bis Ingenieurinformatik, ermöglichen früh den Kontakt zu zukunftsweisender Forschung und Entwicklung.

Die Köpfe hinter dem CFP: Dr. Juliane Gottmann und Prof. Dr. Markus Sause (vorne rechts) im KI-Showroom. Hier wird Forschung greifbar. Foto: Thomas Stoll/Universität Augsburg
KI-gestützte Möglichkeiten für die Produktion von morgen erblicken in einer unscheinbaren Industriehalle im Augsburger Süden das Licht der Welt. Auf 5.300 m² steht dem interdisziplinären Team des Zentrums für Produktion der Zukunft – Centre for Future Production (CFP) an der Universität Augsburg und ihren Industriepartnern ein Anlagenpark im industriellen Maßstab zur Verfügung. Die „Halle 43“ dient als Aushängeschild und als Spielwiese für Ideen. Ziel und Aufgabe des CFP: Möglichkeiten für den Einsatz von KI in der Produktion, und in Zukunft auch anderen Technologien, zu erforschen. Immer im Schulterschluss mit Firmen, immer am konkreten Fall.
Interdisziplinäres Know-How
„Die Unternehmen kommen mit ganz unterschiedlichen Bedarfen und Herausforderungen zu uns. Mal geht es um einen Erstkontakt zu KI, mal um ein ganz spezifisches Anliegen. Zum Beispiel, wie man die Qualitätssicherung von Bauteilen mit KI optimieren kann. Diese Bandbreite decken wir gerne ab“, weiß Prof. Dr. Markus Sause. Der Direktor des CFP und Professor für Mechanical Engineering arbeitet im Team mit 26 anderen Professorinnen und Professoren, die sich im CFP engagieren.

Ob die Forschung an Cobots – also Robotern, die direkt mit Menschen interagieren … | Foto: Thomas Stoll/Universität Augsburg

… oder ein eigenes KI-Zertifikat für Azubis: Die Belange der Mitarbeitenden in der Produktion stehen immer im Mittelpunkt. Foto: Universität Augsburg
Die Bandbreite ist groß und reicht von Ingenieurwissenschaften über Produktionstechnologie, Werkstofftechnik und Informatik bis zur angewandten Mathematik. Außerdem sind Expertinnen und Experten aus dem Wirtschaftsingenieurwesen, den Rechtswissenschaften, der Pädagogik sowie der Ethik beteiligt, da auch Themen wie der EU AI Act, Aus- und Weiterbildungskonzepte oder die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter betrachtet werden. „Je nach Thema kommen die Lehrstühle in Projekten in unterschiedlichen Konstellationen zusammen. Es gibt keine ‚Lösungen von der Stange‘, jedes Projekt ist so einzigartig wie das Unternehmen, von dem es kommt“, betont Sause.
Einzigartiger Brückenschlag zwischen Forschung und Fertigung
Die Interdisziplinarität und der Brückenschlag zwischen Forschung und Fertigung macht die Arbeit des Zentrums so besonders. Herzstück ist die europaweit einzigartige „Halle 43“, beinahe täglich sind Unternehmen vor Ort und informieren sich. „Mit unserem Anlagenpark im industriellen Maßstab begegnen wir den Unternehmen auf Augenhöhe und können zeigen, was mit KI schon möglich ist und woran wir arbeiten“, erklärt Dr. Juliane Gottmann, wissenschaftliche Geschäftsführerin des CFP, stolz.

Blick in den KI-Erlebnisraum „Halle 43“ | Foto: Universität Augsburg/Bachmann Film
Die Anlagen stehen einerseits als Blaupausen für Fertigungsschritte, die in vielen Unternehmen eine Rolle spielen. „Nehmen wir die Möglichkeit, mithilfe von KI und Sensorik Anlagen vorausschauend warten zu können. Wir demonstrieren das Thema im Bereich CNC – die Firmen, die bei uns zu Besuch sind, können unsere Vorgehensweisen dann auf ihre Fertigung übertragen“, erklärt Gottmann. Andererseits wird beispielsweise auch gezeigt, wie durch den Einsatz von KI Prozessparameter hochkomplexer Anlagen automatisch justiert und Qualitätssicherung direkt im Prozess erfolgen kann. „In unserer ‚Halle 43‘ produzieren wir Ideen und Innovationen“, fasst Gottmann zusammen.

Ob großer Roboter oder winzig kleiner Sensor | Foto: Universität Augsburg/Martina Friedsmann

Geforscht wird an vielfältigen Aspekten im Bereich „KI in der Produktion“. Foto: Universität Augsburg/Martina Friedsmann
Einzigartige Möglichkeiten für Studierende
Den Studierenden an der Universität Augsburg bietet sich durch das CFP schon früh die Möglichkeit, mit hochaktuellen Themen und innovativen Unternehmen in Berührung zu kommen: Sei es im Rahmen von Exkursionen zu beteiligten Unternehmen, während derer die Studierenden Einblicke in zukünftige Arbeitsfelder und Arbeitgeber erhalten. Sei es, in dem sie bei topaktueller Forschung mitwirken oder in den Austausch mit den beteiligten Unternehmen gehen.
„Uns ist es wichtig, den Studierenden schon früh Einblicke in unsere Arbeit zu geben und sie mitzunehmen auf unserem Weg. Sei es während der Abschlussarbeiten, nach dem Studium als Doktoranden bei uns, oder als Fachkräfte, die ihr im Studium gewonnenes Wissen direkt mit in die Unternehmen tragen“, erklärt Sause.

Foto: Thomas Stoll/Universität Augsburg
Vorteil Geschwindigkeit
Durch die praxisnahe Forschung entstehen ebenso pragmatische wie hochinnovative Lösungen. Und das schneller als früher: „Da wir Ideen aus der Grundlagenforschung direkt in einem realitätsnahen Umfeld umsetzen können, dauert der Weg zur Lösung in den Unternehmen nur noch ca. zwei bis drei Jahre, statt wie früher bis zu zehn Jahren. Mit Blick auf die rasante Geschwindigkeit, mit der sich KI verändert, ein entscheidender Vorteil“, ist sich Sause sicher.
Das CFP steht den Unternehmen als neutraler und verlässlicher Partner zur Seite. Juliane Gottmann bringt es auf den Punkt „Mit uns kann man seine Fragen und Themen klären, ohne befürchten zu müssen, dass wir ein verstecktes Verkaufsinteresse haben. Wir erarbeiten mit der Industrie ‚First Practices‘, und geben Hinweise zu ‚Best Practices‘.“
Dass der Augsburger Ansatz sogar international viel Aufmerksamkeit erregt, merkt das Team des CFP bereits seit zwei Jahren durch zahlreiche Besuchergruppen aus Europa, aber auch aus Japan oder dem Silicon Valley.
Ausgewählte Studiengänge aus dem Bereich „KI in der Produktion“
Bachelor Data Science: Interdisziplinärer Studiengang der Mathematik und der Informatik.
Bachelor Materials Science & Engineering: Bietet die Möglichkeit der Spezialisierung in den Bereichen Materialchemie, Material Physik oder Materials Engineering.
Bachelor Informatik: Bietet eine umfassende Ausbildung in den mathematischen, methodischen und fachlichen Grundlagen der theoretischen, praktischen und technischen Informatik, sowie der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens.
Bachelor Ingenieurinformatik: Verbindet Kreativität und Faszination für Technik mit den Möglichkeiten der Informatik. Lässt die Studierenden eindrucksvolle technische Systeme, exzellente Software und meisterhafte Hardware kombinieren.
Bachelor Mathematik: Mathematik ist die Grundlage vieler Wissenschaften, etwa der Natur- und Ingenieurwissenschaft.
Bachelor Mathematik und Informatik: Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs haben mit ihrem fundierten, grundlagenorientierten Wissen hervorragende Berufsaussichten, sowohl in den Bereichen Mathematik und Informatik als auch in Anwendungsbereichen wie Data Science, Big Data, KI, etc.
Master Data Science: Der Master kombiniert fundiertes methodologisches Verständnis, moderne Methoden und anspruchsvolle Anwendungen.
Master Informatik: Der Master bietet eine vertiefte Ausbildung in fortgeschrittenen Inhalten der Informatik an.
Master Materialchemie: Die Kernthemen des Augsburger Materialchemie-Studiengangs, gezieltes Bottom-Up Design zur Synthese funktionaler Materialien, einschließlich deren computergestützter Modellierung sowie moderner analytischer Charakterisierungsverfahren, orientieren sich an den Empfehlungen der großen chemischen Dachverbände.
Master Materials Science & Engineering: Ein interdisziplinärer Studiengang, der darauf abzielt, die wissenschaftlichen Kenntnisse bisheriger Ausbildung zu vertiefen, z. B. das Verständnis verschiedener Materialeigenschaften und Wechselwirkungen zwischen Materialien, insbesondere im Hinblick auf anwendungsorientierte Forschung in Wissenschaft und Technik.
Studium Wirtschaftsingenieurwesen (WING): Der Studiengang schafft die einmalige Verbindung von Ingenieurwissenschaften einerseits und Wirtschaftswissenschaften andererseits.
Weiterführendes:
Mehr zum Thema „Daten und künstliche Intelligenz“ und „Neue Materialien und Werkstoffe“ an der Universität Augsburg:
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Markus Sause | Dr. Juliane Gottmann
Mail: cfp-info@uni-augsburg.de | Telefon +49 8 21/5 98-6 91 36
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Universitätsstraße 2
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Telefon: 08 21/5 98 – 0
E-Mail: info@presse.uni-augsburg.de
Web: www.uni-augsburg.de
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