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Klasse statt Masse

Foto: iStock/Ridofranz
Bei dem Begriff „Unternehmensberatung“ denken viele zuerst an die großen internationalen Namen, Häuser mit vierstelligen Beraterzahlen und Büros auf allen Kontinenten. Doch der deutsche Beratungsmarkt ist weit vielfältiger. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung entsteht in Unternehmen, die selten im Rampenlicht stehen: mittelständische Beratungen, die sich auf ein Fachgebiet konzentrieren, statt Generalisten zu sein. Oft erreichen sie darin mehr Tiefe als die internationale Konkurrenz.
Dass spezialisierte Häuser derzeit besonders gefragt sind, hat einen sachlichen Grund: Es entstehen immer mehr Projekte, die durch Transformations- und Effizienzdruck bedingt sind. Diese reichen von künstlicher Intelligenz über volatile Lieferketten bis zu Nachhaltigkeitsanforderungen. Wer vor neuen, klar definierten Aufgaben steht, sucht dafür oft nicht den bekanntesten, sondern den am besten passenden Partner.
Betrachtet man eine typische Unternehmensberatung dieser Art, so findet man in der Regel ein knappes Dutzend Beraterinnen und Berater, ein klar umrissenes Themenfeld und Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, die zuvor jahrelang in der Industrie und bei den großen Strategieberatungen gearbeitet haben, bevor sie ihr eigenes Unternehmen aufbauten. Diese Kombination ist das Erfolgsrezept vieler mittelständischer Unternehmen der Branche: Sie bündeln erfahrene Köpfe in schlanken Teams, in denen erfahrene Berater selbst am Projekt sitzen, statt nur zu delegieren. Sie verfügen über ein tiefgehendes Verständnis der Mechanismen ihres Fachgebiets, sei es Einkauf, Gesundheitswesen, Sanierung oder agile Transformation, das breit aufgestellte Unternehmen nur selten aufbauen können. Sie behalten auch die Umsetzung im Blick. Nicht die Präsentation ist das Ziel, sondern die Veränderung, die im Betrieb ankommt.
Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) belegt, dass die deutsche Beratungsbranche 2025 einen Gesamtumsatz von 49 Milliarden Euro erreichte – Tendenz für 2026 steigend.* Die Nachfrage erweist sich als robust: Der quartalsweise erhobene Geschäftsklimaindex des BDU stieg zu Jahresbeginn leicht auf 89,2 Punkte und entkoppelte sich damit erstmals seit dem dritten Quartal 2020 positiv vom ifo-Geschäftsklimaindex.**
Welche mittelständischen Beratungen genießen bei denen, die tatsächlich über Mandate entscheiden, das höchste Ansehen? Um darauf eine belastbare Antwort zu geben, hat das SZ Institut das Marktforschungsinstitut INNOFACT mit einer ausführlichen Studie beauftragt.
Einblick in die Methodik
Die Grundlage des Rankings „Beste mittelständische Berater 2026“ ist eine Online-Befragung im Zeitraum vom 6. bis 16. Juli 2026. Befragt wurden 1.188 berufstätige Personen aus dem mittleren Management oder höher – B2B-Entscheiderinnen und -Entscheider, die über den Einsatz von Unternehmensberatungen (mit-)entscheiden oder bereits in Beratungsprojekte eingebunden waren.
Als mittelständisch galten Unternehmensberatungen mit einem eigenen Jahresumsatz von 1 bis 100 Millionen Euro, deren Umsatzinformationen transparent zugänglich waren. Berücksichtigt wurden dabei Häuser mit strategischer Ausrichtung – von Corporate Strategy, Corporate Finance und Nachfolge- bis zur Sanierungsberatung sowie mit Schwerpunkt in der Organisations- und Prozessberatung, etwa Projektmanagement, Supply Chain Management oder Post-Merger-Integration. In die Untersuchung gingen 86 Häuser ein.
Jede befragte Person bekam zunächst randomisiert 50 Beratungen zur Bekanntheitsmessung vorgelegt und bewertete anschließend bis zu zehn ihr bekannte Häuser anhand von sechs Kernkriterien: Kompetenz, Kundenorientierung, Methodische Vielfalt, Umsetzungsorientierung, Vertraulichkeit und Kommunikationskompetenz. Zu jedem Kriterium wurde eine konkrete Aussage vorgelegt, der die Befragten auf einer abgestuften Zustimmungsskala mehr oder weniger zustimmen konnten. In die Auswertung floss dabei der sogenannte Top-2-Wert ein: der Anteil jener Antworten, die einem Statement ausdrücklich zustimmten – also „trifft voll und ganz zu“ oder „trifft eher zu“. Dieser Wert gibt an, wie groß der Anteil der Befragten ist, die einer Beratung ein Kriterium klar attestieren, und bildet damit die Basis der weiteren Berechnung.
Entscheidend ist, dass die sechs Kriterien nicht gleich schwer wogen. Die Befragten legten zunächst selbst fest, wie wichtig ihnen jedes Kriterium ist, indem sie 100 Prozentpunkte darauf verteilten. Das Ergebnis: Am stärksten zählt die fachliche Kompetenz der Berater (21,96 Prozent), gefolgt von Vertraulichkeit (18,31 Prozent) und Kundenorientierung (17,61 Prozent). Umsetzungsorientierung (15,23 Prozent), Kommunikationskompetenz (14,50 Prozent) und Methodische Vielfalt (12,39 Prozent) fielen weniger stark ins Gewicht.
Nach diesen Gewichten wurden die Einzelbewertungen verrechnet und zusätzlich mit einem Bekanntheitsfaktor multipliziert. So entstand für jedes Haus ein Gesamtindexwert, der die Rangfolge bestimmt. Beratungen mit einem Indexwert von mindestens 100 wurden im Ranking ausgezeichnet.
Ergebnis
Das Ergebnis zeichnet ein Feld, in dem Qualität die Regel und nicht die Ausnahme ist. „Auch in diesem Jahr ist die Zufriedenheit mit den meisten der mittelständischen Unternehmensberatungen sehr hoch: Von 86 getesteten Unternehmensberatungen erzielen 40 einen überdurchschnittlichen Index-Score“, sagt Martin Smets, Unit Director bei INNOFACT. Fast die Hälfte der untersuchten Häuser liegt also über dem Durchschnitt – ein Befund, der die Leistungsdichte des Segments unterstreicht. An der Spitze setzen sich einige Beratungen dennoch deutlich ab.
Platz eins geht in diesem Jahr an die Volkswagen Group Consulting GmbH. Die interne Topmanagement-Beratung des Volkswagen-Konzerns hat ihren Sitz in Wolfsburg und ist unter anderem in München präsent. Ihr thematischer Schwerpunkt liegt auf den großen strategischen Fragen der Automobilindustrie, von Elektrifizierung über autonomes Fahren bis zur Digitalisierung der Fertigung.
Rang zwei belegt der Vorjahres-Spitzenreiter Lufthansa Consulting GmbH. Das 1988 gegründete Haus mit Sitz in Frankfurt am Main ist eine unabhängige Tochter der Lufthansa Group und auf Managementberatung in der Luftfahrt spezialisiert. Fluggesellschaften, Flughäfen und Infrastrukturbetreiber zählen zu ihren Kunden.
Den dritten Platz sicherte sich die Kienbaum Consultants GmbH. Die Firma wurde 1945 von Gerhard Kienbaum in Gummersbach gegründet und gilt als eines der ersten Beratungshäuser Deutschlands. Bis heute verbindet das Unternehmen mit Wurzeln im Oberbergischen die klassische Managementberatung mit einer starken Kompetenz in Personal- und Führungsthemen.
Den vierten Rang konnte Consult-HR erringen. Das Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Brietlingen hat sich auf die Digitalisierung von HR-Prozessen und die herstellerunabhängige Auswahl und Einführung passender HR-Software spezialisiert. Für das Haus ist es ein bemerkenswerter Sprung nach vorn: Im Vorjahr hatte es noch im unteren Drittel der bewerteten Beratungen rangiert. Komplettiert werden die Top 5 von der Stahl Automotive Consulting GmbH & Co. KG. Die 2013 von Dr. Martin Stahl gegründete Unternehmensberatung hat ihren Sitz in Grünwald bei München und begleitet die Transformation der Automobil- und Mobilitätsindustrie. Auch sie zählt zu den auffälligsten Aufsteigern des Rankings, nachdem sie ein Jahr zuvor noch im hinteren Drittel des Feldes gelegen hatte.
Auf Rang sechs folgt die Randstad RiseSmart GmbH. Mit Zentrale in Düsseldorf ist das Unternehmen als Teil der Randstad-Gruppe auf Karriereberatung, Outplacement und berufliche Neuorientierung spezialisiert und verbindet persönliches Coaching mit datengestützten Verfahren des Job-Matchings.
Der siebte Platz geht an die WMC Healthcare GmbH mit Sitz in München, spezialisiert auf das Krankenhaus- und Gesundheitswesen. Nur einen Punkt dahinter findet sich die acondas GmbH (Teil der Ramboll Gruppe) aus Düsseldorf, ein Experte für Strategieumsetzung, Projekt- und Change-Management, Post-Merger-Integration und Transformation.
Auf dem neunten Platz liegt die Kölner Inverto GmbH, die auf strategischen Einkauf und Supply Chain Management spezialisiert ist und in diesem Feld zu den führenden Adressen in Europa zählt. Die Top Ten komplett macht die Ritzenhoefer GmbH. Die Düsseldorfer Topmanagement-Beratung, die unter der Marke ritzenhoefer & company auftritt, verbindet Strategie, Innovation und digitale Transformation und adressiert Themen von IT-Strategie über KI-Projekte bis zu ESG und Nachhaltigkeit.
Die sechs Kernkriterien im Einzelnen
Neben der Gesamtwertung zeigt die Analyse, welche Häuser in den einzelnen Kernkriterien am besten abschneiden. Bemerkenswert ist, dass kein einziges Haus in allen sechs Disziplinen an erster Stelle steht. Das zeigt: Mittelständische Beratungshäuser arbeiten spezialisiert.
In der Kategorie Kompetenz, die die fachliche Expertise und Branchenerfahrung der Berater misst, liegt die Stahl Automotive Consulting GmbH & Co. KG vorne, dicht gefolgt von der DMC Datenverarbeitungs- und Management Consulting GmbH und der Volkswagen Group Consulting GmbH. Auf den Rängen vier und fünf folgen die TMG Consultants GmbH und die KONZEPT & MARKT GMBH.
Die Agileus Consulting GmbH & Co. KG führt die Kategorie Kundenorientierung an, vor der NEOMATIC AG und der Stahl Automotive Consulting auf den Rängen zwei und drei. Die Plätze vier und fünf belegen Lufthansa Consulting und Volkswagen Group Consulting. Die 2018 gegründete NEOMATIC AG aus Köln berät zu Customer Experience und Sales Performance Management auf Basis von SAP- und Salesforce-Technologien.
Der Bereich Methodische Vielfalt wird von der acondas GmbH (Teil der Ramboll Gruppe) angeführt, gefolgt von der Prof. Roll & Pastuch Management Consultants GmbH und der ZMM Zeitmanager München GmbH. Die Plätze vier und fünf gehen an die NEOMATIC AG und die Ritzenhoefer GmbH. Prof. Roll & Pastuch, 2009 gegründet und mit Stammsitz in Osnabrück, ist auf Pricing, Vertrieb und Strategie spezialisiert und arbeitet eng mit der Hochschule Osnabrück zusammen.
In der Kategorie Umsetzungsorientierung konnte sich Agileus Consulting den Spitzenplatz sichern, gefolgt von TMG Consultants und der Haselhorst Associates GmbH (Teil der H&Z Gruppe). Die Ränge vier und fünf belegen Inverto und die Volkswagen Group Consulting. Die 2003 von Dr. Arno Haselhorst gegründete Haselhorst Associates GmbH mit Sitz in Starnberg ist auf Restrukturierung, Strategieberatung und Digitalisierung spezialisiert und übernimmt dabei auch operative Verantwortung bis hin zu Mandaten der Geschäftsführung.
In puncto Vertraulichkeit führt die Nortal AG, ein ursprünglich in Tartu (Estland) gegründetes Digital- und Technologieberatungshaus, das heute international tätig ist und in Deutschland unter anderem für den öffentlichen Sektor und das Gesundheitswesen arbeitet, das Feld an. Platz zwei ging an Lufthansa Consulting, während sich Volkswagen Group Consulting die Bronzemedaille sichern konnte. Die DMC Datenverarbeitungs- und Management Consulting GmbH und Consult-HR landeten auf den Rängen vier und fünf.
In der Kategorie Kommunikationskompetenz errang die Sustain Consult Beratungsgesellschaft für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung mbH den Spitzenplatz vor der Prof. Roll & Pastuch Management Consultants GmbH und der Ritzenhoefer GmbH. Die Plätze vier und fünf belegen die DMC Datenverarbeitungs- und Management Consulting GmbH und die Consult-HR. Die in Dortmund ansässige Sustain Consult begleitet Unternehmen und Arbeitnehmervertretungen bei Transformationsprozessen und Fragen nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung.
Sie möchten 2027 mit Ihrer Beratung an der Befragung für das Ranking teilnehmen? Dann registrieren Sie sich unter Anmeldung Erhebung Unternehmensberatungen – INNOFACT AG
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Über Innofact
Die Befragungsteilnehmer wurden aus den durch INNOFACT gegründeten Consumer- und B2B-Panels in Deutschland rekrutiert. INNOFACT initiiert als First Mover bereits seit 1998 die leistungsfähigsten Marktforschungs-Onlinepanels im deutschsprachigen Raum. Insgesamt stehen hier inzwischen über 500.000 Personen für Marktforschungsstudien zur Verfügung. Die Panels sind ISO zertifiziert und werden regelmäßig in unabhängigen Studien von Kunden (Institutsmarktforscher und betriebliche Marktforscher) als bestes deutsches Marktforschungspanel bewertet, zuletzt von „marktforschung.de“.
