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Zinsen mit Substanz

Foto: iStock/Sitthiphong
Am 11. Juni 2026 hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen erstmals seit fast drei Jahren wieder angehoben. Für Anleger ist das mehr als eine technische Randnotiz – es markiert die Rückkehr einer Anlageklasse, die lange als langweilig galt: festverzinsliche Wertpapiere. Eine Analyse der Ratingagentur Scope im Auftrag des SZ Instituts zeigt, welche Rentenfonds in einem sich verändernden Marktumfeld überzeugen können.
Über ein Jahrzehnt lang waren Anleihen für viele Privatanleger kaum mehr als ein Pflichtposten im Depot. Wer Staats- oder Unternehmensanleihen hielt, tat dies eher aus Vorsicht denn aus Renditehoffnung – die Kupons waren mager, in manchen Jahren sogar negativ. Das hat sich gedreht. Mit der geldpolitischen Wende seit 2022 und der jüngsten Anhebung des Einlagensatzes auf 2,25 Prozent zahlen Anleihen wieder einen nennenswerten Zins. Die Stimmung gegenüber Rentenfonds, also professionell verwalteten Portfolios aus solchen Papieren, hat sich entsprechend aufgehellt.
Florian Koch, Head of Mutual Funds bei Scope Fund Analysis, ordnet die Lage nüchtern ein: „Die Marktstimmung gegenüber Rentenfonds ist derzeit deutlich positiver als vor einigen Jahren, da Anleihen nominal wieder Zinsen abwerfen. Ob auch nach Abzug der Inflation für Anleger etwas übrig bleibt, steht allerdings auf einem anderen Blatt.“
Dieser Hinweis hat Gewicht. Denn die Zinswende vollzieht sich nicht in ruhigem Fahrwasser. Die EZB hat ihre Inflationsprognose für 2026 zuletzt auf durchschnittlich 3,0 Prozent angehoben – getrieben vor allem von gestiegenen Energiepreisen infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.* Wer also den nominalen Zinsertrag betrachtet, sollte die reale Kaufkraft nicht aus dem Blick verlieren. Genau hier liegt für Anleger die eigentliche Aufgabe: nicht auf Kursfantasien zu setzen, sondern auf verlässliche laufende Erträge.
Koch rät dementsprechend zu Bodenhaftung: „Für Anleger sollte der Fokus kurzfristig eher auf laufenden Erträgen liegen anstatt auf der Hoffnung auf hohe Kursgewinne, da Experten derzeit nicht von einem fallenden Zinsniveau ausgehen. Denn der Inflationsdruck durch gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise setzt die Notenbanken weltweit zunehmend unter Zugzwang, die Zinsen zu erhöhen.“ Tatsächlich preisen die Märkte für 2026 eher weitere Zinsschritte nach oben ein als Senkungen – ein Umfeld, in dem die Auswahl des richtigen Fonds über Erfolg oder Enttäuschung entscheidet.
Denn Rentenfonds ist nicht gleich Rentenfonds. Hinter dem schlichten Begriff verbirgt sich eine breite Palette: von vorsichtig gemanagten Portfolios aus erstklassigen Euro-Staatsanleihen bis zu offensiven Strategien, die in hochverzinste Unternehmensanleihen weniger verlässlicher Schuldner investieren. „Anleger sollten sich bewusst sein, auf welches Pferd sie setzen, denn das Risiko bei High-Yield-Anleihen ist ungleich höher als bei Staatsanleihen“, erklärt Koch. „Allerdings gilt dies naturgemäß ebenfalls für die Renditeerwartung. Verkalkuliert sich der Portfoliomanager bei der Duration, also der durchschnittlichen Restlaufzeit der Anleihen, können auch Rentenfonds stärker schwanken, als es den Anlegern lieb ist.“
Wer hier Orientierung sucht, braucht mehr als einen Blick auf die Rendite – er braucht eine Einordnung von Ertrag, Schwankung und Kosten im Zusammenspiel. Um diese Orientierung zu schaffen, hat das SZ Institut das Analysehaus Scope mit einer umfassenden Untersuchung beauftragt. Das Ziel: Aus 725 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Rentenfonds aus den fünf größten Rentenfonds-Peergroups jene zu identifizieren, die über Jahre hinweg überdurchschnittliche Renditen erzielen, ohne dabei in Sachen Schwankung oder Kosten aus dem Rahmen zu fallen.
Die Methodik des Rankings
Im ersten Schritt betrachtete Scope die Wertentwicklung jedes Fonds über zwei Zeiträume. In die engere Wahl kamen nur jene Produkte, die über fünf Jahre zum besten Viertel (erstes Quartil) ihrer Vergleichsgruppe zählten und auch über zwölf Monate mindestens im oberen Mittelfeld (erstes oder zweites Quartil) lagen. So bleiben langfristig starke Fonds in der Auswahl, während zuletzt schwächelnde Produkte ausscheiden.
Quantitative Analyse: Die Zahlen müssen stimmen
Anschließend wurden alle Fonds gestrichen, die sowohl zu den volatilsten als auch zu den teuersten 20 Prozent ihrer Vergleichsgruppe gehörten. Fiel ein Fonds nur bei einem dieser beiden Kriterien negativ auf, durfte er in der Auswahl bleiben – vorausgesetzt, er zählte bei der Wertentwicklung nicht nur über fünf Jahre, sondern auch über ein Jahr zum besten Viertel. Eine einzelne Schwäche kann so durch eine besonders starke Rendite ausgeglichen werden. Zuletzt schieden Fonds mit weniger als 50 Millionen Euro verwaltetem Vermögen aus, um nur etablierte Produkte mit verlässlichem Kapitalbestand zu behalten.
Volatilität erklärt:
Die Volatilität beschreibt, wie stark der Wert eines Fonds im Zeitverlauf schwankt. Eine hohe Volatilität bedeutet, dass der Kurs in kurzer Zeit deutlich steigen, aber ebenso deutlich fallen kann. Eine niedrige Volatilität steht für einen ruhigeren Verlauf. Bei Rentenfonds ist sie ein wichtiger Maßstab dafür, wie viel Risiko ein Anleger für seine Rendite eingeht.
Qualitative Analyse: Erfahrung und Zugänglichkeit
In der zweiten Stufe, der qualitativen Analyse, prüfte Scope, ob das Fondsmanagement – oder zumindest ein Mitglied des Teams – seit mindestens drei Jahren im Amt ist und ob der Fonds auf gängigen Fondsplattformen für Privatanleger erwerbbar ist. Erst wenn beide Punkte erfüllt waren, wurde ein Produkt in die SZ-Auswahl der Top-Rentenfonds aufgenommen. Passive ETFs blieben außen vor: Gesucht waren ausdrücklich die besten aktiv gemanagten Fonds.
Wichtiger Hinweis:
Die Rentenfonds-Analyse von Scope für das SZ Institut stellt keine Anlageempfehlung dar. Der Artikel ersetzt weder die persönliche Beratung noch die individuelle Prüfung der eigenen Vorsorgesituation.
Die Ergebnisse im Überblick
Die Auswertung ist nach den fünf untersuchten Vergleichsgruppen gegliedert. Schon der Blick auf die jeweiligen Spitzenreiter macht Kochs Mahnung anschaulich, dass nicht alle Rentenfonds gleich sind. Die Bandbreite der durchschnittlichen Jahresrenditen über drei Jahre reicht von gut fünf bis über acht Prozent – bei sehr unterschiedlichen Risikoprofilen.
Die höchste durchschnittliche Rendite über drei Jahre erzielte in der Vergleichsgruppe Renten Global Aggregate (und zugleich in der gesamten Analyse) der „ACATIS IfK Value Renten“ mit 8,4 Prozent pro Jahr – und das bei einer vergleichsweise moderaten Volatilität von 3,5 Prozent und laufenden Kosten von 1,10 Prozent. Auf dem zweiten Platz folgt der „PPF – Credit Opportunities Fund“ von PMG Investment Solutions mit 6,8 Prozent durchschnittlicher jährlicher Rendite. Er erkauft sich diese allerdings mit höheren Schwankungen (4,8 Prozent) und Kosten (1,60 Prozent). Den dritten Platz belegt der „C-QUADRAT ARTS Total Return Bond“ von ARTS Asset Management mit 5,1 Prozent durchschnittlicher jährlicher Rendite. Er ist zugleich das teuerste Produkt der Spitzengruppe mit laufenden Kosten von 2,01 Prozent.
In der Vergleichsgruppe Renten Global Corporate Investment Grade EUR, die auf bonitätsstarke Unternehmensanleihen setzt, führt der „Carmignac Portfolio Credit“ mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 7,9 Prozent das Feld an. Es folgen der „Schroder ISF EURO Corporate Bond“ mit 5,6 Prozent und der „MSIF Euro Corporate Bond Fund“ mit 4,7 Prozent. Ein Blick weiter unten in der Liste zeigt, wie groß die Rolle der Kosten gerade in diesem Segment ist: Die beiden aktiv gemanagten Fonds von J.P. Morgan Asset Management zählen mit Kosten in Höhe von 0,04 Prozent zu den günstigsten Produkten der gesamten Analyse – ihr Kostenvorteil gegenüber den meisten Wettbewerbern ist beträchtlich.
Wer auf den Euroraum fokussiert anlegen möchte, findet in der Vergleichsgruppe Renten Euroland Aggregate mit 6,7 Prozent durchschnittlicher jährlicher Rendite bei einer Volatilität von 4,3 Prozent und sehr günstigen Kosten von 0,46 Prozent den „KEPLER Euro Plus Rentenfonds“ an der Spitze. Dahinter folgen mit jeweils 4,8 Prozent der „R-Co Valor Bond Opportunities“ von Rothschild & Co. und der „Ampega Rendite Rentenfonds“ von Ampega Investment. Am anderen Ende des Risikospektrums steht in dieser Vergleichsgruppe der „Mediolanum Euro Fixed Income“ von Neuberger Berman. Mit 2,4 Prozent durchschnittlicher jährlicher Rendite hat er zwar den niedrigsten Ertrag, dafür aber auch die mit Abstand geringste Schwankung der ermittelten Top-Fonds geliefert. Ein Fonds für Anleger, denen Ruhe wichtiger ist als das letzte Zehntel Rendite.
In der Vergleichsgruppe Renten Global Aggregate EUR überzeugt der „LiLux Umbrella Fund – LiLux Rent“ von NOBIS Asset Management mit 6,4 Prozent durchschnittlicher jährlicher Rendite, gefolgt vom „CTV-Strategiefonds Renten Defensiv“ von Consulting Team Vermögensverwaltung (5,9 Prozent) und dem „PIMCO GIS Euro Income Bond“ (5,1 Prozent).
Das offensivste Profil zeigt erwartungsgemäß die Vergleichsgruppe Renten Global Corporate High Yield. Hier führt der „Schroder ISF Global High Yield“ mit 6,2 Prozent durchschnittlicher jährlicher Rendite, vor dem „Swisscanto Bond Fund Commodity Secured High Yield“ der Zürcher Kantonalbank (5,7 Prozent) und dem „FISCH Bond Global High Yield Fund“ von Fisch Asset Management (5,6 Prozent). Bezeichnend ist hier die Schwankungsbreite: Alle drei Fonds liegen bei der Volatilität zwischen 6,5 und 6,9 Prozent und damit deutlich über den meisten Produkten der übrigen Kategorien. Genau das ist der Preis der höheren Renditechance – und die praktische Bestätigung von Kochs Hinweis, dass High-Yield-Strategien spürbar mehr Risiko tragen.
Über alle Kategorien hinweg zeichnet die Analyse ein klares Bild: Die überzeugendsten Rentenfonds sind nicht jene mit der spektakulärsten Einzelzahl, sondern jene, die Rendite, Schwankung und Kosten in ein stimmiges Verhältnis bringen. In einem Umfeld, in dem die Inflation den realen Ertrag schmälert und die Notenbanken eher zur Vorsicht mahnen, ist genau dieses Augenmaß die eigentliche Qualität. Und der Grund, warum sich der genaue Blick auf die laufenden Erträge derzeit mehr lohnt als die Wette auf den großen Kurssprung.
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Über Scope
Scope ist die führende europäische Ratingagentur und bewertet die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Staaten und anderen Institutionen sowie die Qualität von Anlageprodukten und deren Anbietern. Teil der Scope-Gruppe ist die Gesellschaft Scope Fund Analysis, die Investmentfonds, Kapitalanlagegesellschaften und Zertifikate-Emittenten untersucht. Die mehr als 10.000 analysierten Investmentprodukte verwalten ein Vermögen von rund sechs Billionen Euro. Der überwiegende Teil der Fonds-Ratings ist online auf dem ScopeExplorer frei zugänglich.