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Online-Ranking

Wo der Takt einer Stadt zu hören ist

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Foto: XYZ

In welchen Städten entfaltet sich die musikalische Identität mit besonderer Intensität? Wo prägt eine facettenreiche Musikszene nicht nur das kulturelle Angebot, sondern auch das gesellschaftliche Selbstverständnis einer Kommune? Das SZ Institut hat die GEMA mit einem Ranking beauftragt, das jene Orte sichtbar macht, an denen Live-Musik weit über das Bühnenprogramm hinausreicht und als prägender Bestandteil urbaner Kultur wirkt.

Musik ist ein Gradmesser für die kulturelle Vitalität eines Ortes sowie für die Bereitschaft seiner Bewohnerinnen und Bewohner, sich zu versammeln, zuzuhören und gemeinsam etwas zu erleben. Daniel Barenboim hat es einmal treffend formuliert: „Musik steht im Zentrum dessen, was wir als menschlich bezeichnen.“ Was der legendäre Dirigent auf die Gesellschaft als Ganzes bezog, lässt sich mühelos auf Städte und Gemeinden übertragen: Wo Live-Musik erklingt, passiert etwas mit einem Ort. Er wird durchlässiger, lebendiger und menschlicher.

Welche Art von Musik gespielt wird, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ob eine Blaskapelle auf dem Dorfplatz böhmische Polka spielt, eine Coverband im Biergarten die Hits der Siebziger aufleben lässt oder ein Sinfonieorchester in der Stadthalle die großen Kultur-Klassiker interpretiert: Jedes Genre und jeder Stil trägt eine eigene Farbe in das musikalische Profil eines Ortes. Die Vielfalt der Klänge spiegelt die Vielfalt der Menschen, die dort leben, wider und sagt oft mehr über das Selbstverständnis einer Stadt aus als jede Hochglanzbroschüre.

Live-Musik braucht allerdings auch Orte, die ihr Raum geben. Dazu gehören Konzertsäle und Opernhäuser ebenso wie Kleinkunstbühnen, Kulturzentren, Hinterhofkneipen oder die Wiese am Ortsrand, auf der im Sommer ein Open-Air-Konzert stattfindet. Je mehr solcher Spielstätten ein Ort hat, desto lebendiger ist sein kulturelles Leben. Eine aktuelle Studie des Branchenverbands Hamburg Music Business und der Handelskammer Hamburg* kam zu einem bemerkenswerten Ergebnis: 71 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger sehen einen direkten positiven Einfluss des Musikangebots auf ihre Lebensqualität. Gleichzeitig erwies sich das musikalische Angebot als Motor für den Tourismus und als Standortvorteil im Wettbewerb um Fachkräfte. Was für eine Metropole wie Hamburg in Zahlen belegt wurde, kann genauso für kleinere Orte funktionieren. Live-Musik macht Städte und Gemeinden für Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch für Gäste attraktiver. Entscheidend ist nicht, wie groß die Bühne ist, sondern wie selbstverständlich sie bespielt wird.

Doch welche Städte und Gemeinden in Deutschland können eine wirklich lebendige Musik-Szene vorweisen und als „Städte der Musik 2026“ bezeichnet werden? Genau dieser Frage ist die GEMA im Auftrag des SZ Instituts nachgegangen. In einem umfassenden Ranking wurden Deutschlands Städte und Gemeinden untersucht, um herauszufinden, wie aktiv, vielfältig und nachhaltig ihre Live-Musikszene ist. Das Ergebnis ist eine Landkarte der musikalischen Lebendigkeit, die weit über die bekannten Kulturmetropolen hinausreicht.

Die Methodik der Untersuchung

Grundlage des Rankings ist der von der GEMA entwickelte „City Music Culture Score”, der die relative Stärke der Live-Musikkultur einer Stadt oder Gemeinde beschreibt. Der Score setzt sich aus fünf gleichgewichteten Teilindikatoren zusammen, die unterschiedliche Aspekte der Live-Musikkultur abbilden. Je höher der Wert, desto ausgeprägter ist das musikalische Profil.

 

Die Kategorien sind:

  • „Musik lebt – Aktivität: Dieser Indikator misst die Anzahl der einer Stadt zugeordneten Musikveranstaltungen und Einwohnerin oder Einwohner. Ein hoher Wert zeigt, dass bezogen auf die Bevölkerungszahl besonders viele Auftritte stattfinden.
  • „Musik verbindet – Reichweite: Hier steht die Besucherzahl von Live-Musikveranstaltungen pro Einwohnerin und Einwohner im Fokus. Wo direkte Besucherangaben nicht vorliegen, werden ergänzende Veranstaltungsinformationen zur Schätzung herangezogen. Ein hoher Reichweitenwert deutet darauf hin, dass Live-Musik ein breites Publikum erreicht.
  • „Musik ist Vielfalt“ – Repertoire: Die Anzahl unterschiedlicher gespielter Werke pro Einwohnerin und Einwohner beschreibt die musikalische Bandbreite vor Ort. Ein hoher Wert weist auf ein facettenreiches Repertoire hin.
  • „Musik ist Vielfalt“ – Kulturorte: Die Anzahl aktiver Veranstaltungsorte pro Einwohnerin und Einwohner zeigt, wie breit das Live-Musik-Angebot über verschiedene Spielstätten verteilt ist. Als Kulturort gilt jeder Veranstaltungsort, an dem mindestens eine Musikveranstaltung im betrachteten Jahr stattgefunden hat.
  • „Musik hat Zukunft“ – Trend: Dieser beschreibt die Entwicklung der Veranstaltungsaktivität einer Stadt im Zeitverlauf. Die relative Abweichung der aktuellen Aktivität vom Durchschnitt der drei vorhergehenden Jahre wird berechnet. Ein positiver Wert zeigt einen Anstieg, ein negativer Wert einen Rückgang und ein Wert nahe null steht für Stabilität.

 

Die Datenbasis bilden GEMA-Lizenzmeldungen für Live-Musikveranstaltungen, die um Veranstaltungs- und Besucherdaten, Informationen zur Vielfalt von Musikwerken und Veranstaltungsorten sowie kommunale Strukturmerkmale wie Einwohnerzahlen ergänzt wurden. Ausgewertet wurde das Zieljahr 2025, wobei Lizenzmeldungen berücksichtigt wurden, die bis einschließlich des 15. April 2026 bei der GEMA eingegangen sind. In die Berechnung einzelner Komponenten fließen zudem historische Daten mehrerer Vorjahre ein, insbesondere zur Bestimmung von Trends. Musikveranstaltungen werden über einen mehrstufigen Matching-Prozess einer Stadt bzw. Gemeinde zugeordnet. Berücksichtigt wurden nur Veranstaltungen, die erfolgreich einem Gemeindeschlüssel zugeordnet werden konnten.

Einteilung in Gemeindegrößenklassen

Um eine bessere Unterscheidung zwischen kleinen Gemeinden und Metropolen zu ermöglichen, teilt die Methodik alle untersuchten Orte in sieben Größenklassen ein. Diese orientieren sich an den BIK7-Gemeindegrößenklassen. Sie reichen von Kleinstgemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bis hin zu Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Differenzierung bietet die Grundlage für Clusterergebnisse nach Gemeindegröße. Insgesamt flossen 10.779 Städte und Gemeinden in die Bewertung ein.

 

Um Städte unterschiedlicher Größe grundsätzlich vergleichbar zu machen, werden die ersten vier Kennzahlen zunächst in Pro-Kopf-Werte umgerechnet und transformiert, um extreme Ausreißer abzudämpfen. Danach erfolgt eine Normalisierung auf eine Skala von 0 bis 100.

 

Die fünf Teilindikatoren werden gleich gewichtet zu drei finalen Scores zusammengeführt:

  • Einem Gesamtscore, der alle Gemeinden der Grundgesamtheit umfasst,
  • Einem Clusterscore, der das Ranking innerhalb der jeweiligen Gemeindegrößenklasse abbildet,
  • Und einem Bundeslandscore, der eine regionale Einordnung ermöglicht.

 

Der Spitzenreiter einer Vergleichsgruppe wird mit 100 Punkten bewertet. Fehlende Werte werden neutral behandelt, sodass einzelne fehlende Kennzahlen die Score-Berechnung nicht unverhältnismäßig verzerren.
Die Städte werden ab einem Score von 60 Punkten vom SZ Institut ausgezeichnet.

Die Ergebnisse der Untersuchung

Im Gesamtranking belegte Köln mit einem Score von 100 Punkten den ersten Platz und setzte sich damit an die Spitze des Vergleichs. Die nordrhein-westfälische Karnevalshochburg führt das Feld der Top Ten an, das besonders stark von Städten aus Bayern geprägt ist. Gleich fünf Städte des Freistaats erreichen Spitzenwerte: Regensburg landet mit 92,31 Punkten auf Rang zwei, gefolgt von Erlangen mit 89,61 Punkten. Danach folgen Passau (89,26), Würzburg (87,94) und Bad Kissingen (83,98). Die Landeshauptstadt München schafft es im Gesamtvergleich auf Platz 22.

 

Baden-Württemberg ist im Gesamtranking durch Stuttgart (82,36, Platz sieben), Ulm (77,53, Platz neun), Freiburg im Breisgau (76,62, Platz zwölf) und Heidelberg (72,23, Platz 17) vertreten. Rheinland-Pfalz platziert sich mit Trier (77,41, Platz zehn) und Koblenz (72,51, Platz 15) in den Top-Rängen, während Thüringen durch Jena (77,06, Platz elf), Weimar (71,42, Platz 18) und Erfurt (69,21, Platz 19) mehrfach in den Top 20 vertreten ist.

 

Auffällig ist, dass nicht nur Metropolen und Großstädte beeindruckend hohe Werte im Gesamtvergleich erzielen. Auch kleinere Orte und Mittelstädte schneiden hervorragend ab. So erreicht die Gemeinde Binz in Mecklenburg-Vorpommern mit 80,66 Punkten einen überraschend hohen Wert, der die Mittlere Gemeinde auf Platz acht befördert. Bad Kissingen kommt auf 74,57 Punkte (Platz sechs) und zeigt ebenso wie Bad Füssing (Platz 14), dass musikalische Attraktivität nicht von der Größe einer Stadt abhängt. Bei den Kleinstgemeinden freut sich die Gemeinde Chiemsee über die beste Platzierung ihrer Größenordnung. Die Region schafft es auf Platz 30.

In den Clusterscores wurden die Städte und Gemeinden in ihrer eigenen Gemeindegröße verglichen. Bei den Metropolen wurden nur Köln, Stuttgart, München und Hannover ausgezeichnet. Auffällig ist, dass Berlin und Hamburg, Deutschlands größte Städte, sich nicht platzieren konnten.

 

Im Cluster der Großstädte konnten sich Regensburg, Erlangen und Würzburg souverän mit Wertungen von über 90 Punkten an die Spitze setzen. Die drei Städte sind für ihre hohe Anzahl an Studierenden bekannt und zeigen so einen möglichen Zusammenhang zwischen lebendiger Uni-Kultur und aktiver Musikszene.

 

Auch bei den Mittelstädten übernimmt Bayern die Führung: Passau, Bamberg, Aschaffenburg und Rosenheim machen vier der Top-5-Plätze aus. Weimar schiebt sich zwischen die bayerische Führung und freut sich über Platz drei in dieser Größe. 

Bei den Kleinstädten erreicht Bad Kissingen die Pole Position, gefolgt vom ebenfalls bayerischen Traunstein. Bühl, Wertheim und Bad Mergentheim aus Baden-Württemberg vervollständigen die Top fünf. Die letzte Auszeichnung in dieser Größe geht an St. Wendel aus dem Saarland.

 

Bei den Mittleren Gemeinden stehen Küstengemeinden und Inseln im Vordergrund. Binz auf der Insel Rügen erhält den ersten Platz, Borkum, Kühlungsborn und Norderney sichern sich die Ränge drei, vier und fünf. Platz zwei geht an den Ausreißer Bad Füssing. 

 

Bei den Kleinstgemeinden steht das baden-württembergische Rust an der Spitze, weit bekannt durch den dort gelegenen Europapark. Bad Steben (Bayern) und Oberwiesenthal (Sachsen) belegen Rang zwei und drei. Mit den Gemeinden Sankt Peter-Ording (Platz sechs), Büsum (Platz sieben) und Wangels (Platz neun) stechen hier auch Regionen aus Norddeutschland besonders hervor.

 

Als letzte Kategorie können sich vier Kleinstgemeinden positionieren. Die Gemeinde Chiemsee übernimmt die Führung, gefolgt vom Büsumer Deichhausen (Schleswig-Holstein), Nürburg und Weiden (beide Rheinland-Pfalz) 

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Über die GEMA

Die GEMA vertritt in Deutschland die Urheberrechte von rund 98.000 Mitgliedern (Komponistinnen und Komponisten, Textdichterinnen und Textdichter, Musikverlage) sowie von über zwei Millionen Rechteinhaberinnen und Rechteinhabern aus aller Welt. Sie ist weltweit eine der größten Autorengesellschaften für Werke der Musik.