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Was Bestand hat

Foto: iStock/channarong khummit
Solange die Geschäfte laufen, fällt wirtschaftliche Stabilität kaum auf. Sie wird erst sichtbar, wenn das Umfeld anspruchsvoller wird: wenn Aufträge unregelmäßiger eingehen, Kosten schneller steigen als die Preise und Zahlungsziele häufiger überschritten werden. Dann zeigt sich, welche Unternehmen aus eigener Kraft weiterarbeiten können und welche nur dank günstiger Rahmenbedingungen erfolgreich waren. Diese Frage stellt sich im laufenden Jahr mit einiger Dringlichkeit.
Im ersten Halbjahr 2026 haben 12.900 Unternehmen in Deutschland Insolvenz angemeldet. Dies entspricht einem Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wie die Creditreform Wirtschaftsforschung ermittelt hat, ist dies der höchste Halbjahreswert seit 2013.* Die Untersuchung beziffert den Schaden für Gläubiger – darunter Lieferanten, Kreditgeber und Sozialversicherungsträger – auf rund 28,5 Milliarden Euro.
Für Beschäftigte sind diese Entwicklungen unmittelbar spürbar: Deutlich mehr Arbeitsplätze als im Vorjahreszeitraum waren von Unternehmensinsolvenzen betroffen. Auch abseits der Insolvenzstatistik bleibt die Personalplanung zurückhaltend. Zwar hat sich das ifo Beschäftigungsbarometer zuletzt leicht verbessert, doch überwiegen weiterhin die Abbaupläne. „Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich etwas, bleibt aber in schwierigem Fahrwasser“, ordnet Dr. Klaus Wohlrabe, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen und Leiter Befragungen, das Ergebnis ein.**
Für Unternehmen verschiebt diese Konstellation die Prioritäten. Unternehmen, die über Jahre hinweg zahlungsfähig bleiben, Rechnungen innerhalb der vereinbarten Fristen begleichen und eine gute Auftragslage halten, werden für Lieferanten, Kreditgeber und Kunden zu verlässlichen Bezugspunkten. Das ist an konkreten Punkten ablesbar: an der Fähigkeit, Aufträge auch bei schwankender Nachfrage abzuarbeiten, Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren und eingearbeitete Belegschaften zu halten.
Diese Eigenschaft wird erst über die Zeit belastbar. Ein gutes Geschäftsjahr kann konjunkturell bedingt sein, eine über mehrere Jahre überdurchschnittliche Eigenkapitalquote, verlässliche Liquiditätsreserven und durchgehende Jahresüberschüsse hingegen nicht. Hier setzt die vorliegende Analyse an.
Methodik der Analyse
Zum fünften Mal in Folge hat das SZ Institut die Creditreform-Unternehmensgruppe beauftragt, Deutschlands krisensicherste Unternehmen zu identifizieren. Die Analyse basiert auf einem mehrstufigen Auswahlverfahren, das qualitative und quantitative Kriterien verknüpft. Sie stellt eine Zeitpunktbetrachtung zum 30. Juni 2026 dar.
Ausgangspunkt war die Definition einer belastbaren Grundgesamtheit. Berücksichtigt wurden ausschließlich in Deutschland ansässige Unternehmen, für die eine Datenhistorie der Geschäftsjahre 2022 bis 2024 nach anerkannten Rechnungslegungsstandards (HGB, IAS oder US-GAAP) sowie aktuelle Wirtschaftsinformationen vorlagen. Ausgeschlossen wurden Kleinstunternehmen, die anhand ihrer Mitarbeiterzahl im Jahr 2025 ermittelt wurden, Unternehmen ohne verfügbare (Bilanz-)Ratingnote sowie Firmen mit einem Bonitätsindex außerhalb der Spanne von 100 bis 499. Darüber hinaus durften Auftragslage und Zahlungsweise nicht auf eine Insolvenz des Unternehmens hindeuten. Um strukturelle Branchenrisiken zu begrenzen, wurden außerdem die zehn Wirtschaftszweige mit den höchsten Ausfallquoten zum 30. Juni 2026 vollständig aus der Betrachtung genommen. Es verblieb eine Grundgesamtheit von 103.054 Unternehmen.
In der ersten Auswahlstufe wurden qualitative Merkmale aus der Creditreform Wirtschaftsauskunft geprüft: Das Zahlungsweiseurteil musste mindestens bei „innerhalb vereinbarter Ziele“ liegen und die Auftragslage musste gut oder sehr gut sein. Ergänzend wurde die Beschäftigungsentwicklung geprüft, um einen wesentlichen Rückgang der Mitarbeiterzahl auszuschließen. Die Entwicklung von 2022 bis 2025 musste besser als minus fünf Prozent ausfallen. Unternehmen mit unplausiblen Sprüngen von mehr als 400 Prozent wurden entfernt. Nach Anwendung dieser Kriterien verblieben 22.603 Unternehmen.
In der zweiten Stufe folgte die quantitative Bilanzanalyse. Vorausgesetzt wurden ein Jahresüberschuss von mehr als einer Million Euro in den Jahren 2022, 2023 und 2024 sowie eine gute Eigenkapitalrentabilität, eine überdurchschnittliche Eigenkapitalquote, hohe Liquidität und ein guter Return on Investment, jeweils in den Geschäftsjahren 2023 und 2024. Gefordert waren außerdem ein Creditreform Bonitätsindex von besser als 170 und eine Bilanzratingnote von mindestens CR7. Die Rangfolge richtete sich nach dem Bonitätsindex. Bei gleichem Indexwert entschied die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) über die Platzierung.
Die Analyse legt damit mehrere Zeitebenen übereinander: Der Jahresüberschuss wird über drei aufeinanderfolgende Geschäftsjahre geprüft, die übrigen Bilanzkennzahlen über zwei, die Beschäftigungsentwicklung über den Zeitraum von 2022 bis 2025. Zahlungsweise, Auftragslage und Bonitätsindex bilden den Stand zum 30. Juni 2026 ab. Ein Unternehmen muss also nicht nur heute stabil dastehen, sondern diese Stabilität über Jahre aufgebaut haben.
Ergebnisse der Analyse
Alle 511 im Ranking gelisteten Unternehmen weisen eine gute bis sehr gute Auftragslage und ein gutes bis sehr gutes Zahlungsverhalten auf. In den Geschäftsjahren 2023 und 2024 zeichnen sie sich zudem durch eine starke Bilanzbonität aus. Ihre Stabilität beruht somit nicht auf einem einzelnen guten Abschluss, sondern auf einer über mehrere Jahre hinweg tragfähigen Ertrags-, Eigenkapital- und Liquiditätsbasis.
Ein Kriterium hat in diesem Jahr besonderes Gewicht: Alle Unternehmen haben ihre Belegschaft zwischen 2022 und 2025 im Wesentlichen gehalten. In einem Jahr, in dem das ifo-Beschäftigungsbarometer branchenübergreifend Personalabbau signalisiert, ist das ein deutliches Zeichen für Stabilität.
Bemerkenswert ist zudem die Beständigkeit des Feldes: Mehr als die Hälfte der Unternehmen war bereits im Ranking „Krisensicherste Unternehmen 2025“ vertreten. Wer die geforderten Kennzahlen einmal erreicht, hält sie in vielen Fällen auch im Folgejahr – ein Hinweis darauf, dass die geprüften Merkmale die Struktur eines Unternehmens abbilden, nicht eventuelle konjunkturelle Schwankungen.
Im Vergleich zu 2025 zeigt sich an der Spitze in diesem Jahr ein anderes Muster: Statt eines weitgehenden Wechsels prägt Kontinuität das Bild. Acht der zehn bestplatzierten Unternehmen waren bereits im Vorjahr im Ranking vertreten. Sieben von ihnen konnten sich verbessern, eines hat seine Position exakt gehalten. Vier der aktuellen Top 5 standen schon 2025 unter den ersten Zehn.
Den ersten Platz belegt die Steiner-Optik GmbH aus Bayreuth, die sich von Rang drei im Vorjahr an die Spitze setzt. Das 1947 gegründete Unternehmen bezeichnet sich als weltweiter Marktführer für professionelle High-Quality-Ferngläser. Das Bayreuther Werk zählt zu den modernsten Produktions- und Forschungsstätten für Ferngläser und Zieloptiken.
Den stärksten Sprung innerhalb der Spitzengruppe macht die Gerd Heinssen Baustoffe GmbH und Co. KG aus Horneburg: von Rang 36 auf Rang zwei. Der 1947 gegründete Baustoffhändler hat sich auf Produkte rund um Steildach, Flachdach, Fassade und Innenausbau spezialisiert.
Rang drei geht an die KAESER KOMPRESSOREN SE aus Coburg, die sich im Vergleich zum Ranking 25 um einen Platz verbesserte. Das Unternehmen ist Experte für Druckluftsysteme und ist mit Regionalniederlassungen in Deutschland sowie international tätig. Rang vier besetzt die Peter Kwasny GmbH aus Gundelsheim, die im Vergleich zum Ranking 2025 sogar zwei Plätze gutmachen konnte. Das 1963 gegründete Familienunternehmen produziert Lacksprays, Lackstifte und Vorbereitungsprodukte und steht hinter Marken wie Auto-K, belton und SprayMax. Die Top 5 komplettiert die August Mink GmbH & Co. KG aus Göppingen. Das Unternehmen ist einer der Marktführer für Industriebürsten und belegt wie im Vorjahr Rang fünf.
Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG sprangen im Vergleich zum Vorjahresranking von Rang elf auf den sechsten Platz. Der kommunal getragene Energieerzeuger entstand 1931 aus dem Zusammenschluss der Elektrizitätswerke Mainz und Wiesbaden. Am Standort Ingelheimer Aue produziert er neben Strom auch Prozessdampf und Fernwärme. Rang sieben belegt die H.O. Schlüter GmbH aus Hanerau-Hademarschen – im Vorjahr noch auf Rang zwölf. Das Unternehmen ist seit 1957 im Metall- und Kunststoffbau tätig und hat sich auf Fenster, Türen und Fassadenelemente spezialisiert. Gefertigt wird an den Standorten Hanerau-Hademarschen und Lübz.
Als Neuzugang sichert sich die Dickow Pumpen GmbH & Co. KG aus Waldkraiburg den achten Platz. Das im Jahr 1910 gegründete Familienunternehmen beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und stellt Kreiselpumpen für chemische und petrochemische Anwendungen her. Auf Rang neun verbessert sich die GOLDBECK GmbH aus Bielefeld (Vorjahr: Rang 14). Das 1969 von Ortwin Goldbeck gegründete Familienunternehmen fertigt wesentliche Bauelemente industriell in eigenen Werken vor und montiert sie auf der Baustelle zu schlüsselfertigen Gebäuden. Dieses Prinzip beschreibt das Unternehmen als „elementiertes Bauen mit System“. Die Top Ten wird mit der RhönEnergie Fulda GmbH, einem zweiten Neuzugang, komplettiert: Der überwiegend kommunal getragene Versorger beliefert rund 300.000 Menschen in Osthessen mit Strom und Erdgas und betreibt zugleich den öffentlichen Nahverkehr der Region.
Das Branchenbild bestätigt die tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft. Mit 100 von 511 Platzierungen stellt die Industrie den größten Anteil, gefolgt von den Branchen Bau und Architektur sowie Handel mit jeweils 46 Nennungen. Dahinter folgen Elektro und Elektronik mit 40 sowie die IT mit 37 Platzierungen. Diese fünf Bereiche stellen zusammen 269 der 511 Unternehmen und damit etwas mehr als die Hälfte des Rankings dar.
Kleine und große Unternehmen wirtschaften unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Ein Betrieb mit 30 Mitarbeitenden lässt sich daher nur bedingt mit einem Unternehmen mit 3.000 Beschäftigten vergleichen. Das Ranking wird deshalb zusätzlich in drei Größenklassen ausgewertet, die sich nach der Zahl der Mitarbeitenden richten: Unterschieden werden drei Gruppen: Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitenden, Betriebe mit 50 bis 499 Beschäftigten sowie Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden. Für alle drei Kategorien gelten dieselben Bewertungsmaßstäbe wie für die Gesamtplatzierung.
Die mittlere Größenklasse bildet mit 386 von insgesamt 511 Unternehmen den Schwerpunkt der Auswertung. Hier steht die Steiner-Optik GmbH an der Spitze und bestätigt damit ihre Position im Gesamtranking. Dahinter folgen die Gerd Heinssen Baustoffe GmbH u. Co. KG und die Peter Kwasny GmbH.
Bei den 50 Großunternehmen liegt die KAESER KOMPRESSOREN SE vorn. Auf den weiteren Plätzen folgen die GOLDBECK GmbH und die Zollner Elektronik AG. In der Gruppe der 75 kleineren Unternehmen erreicht die Hans Lehmann KG aus der Branche Transport, Verkehr und Logistik den ersten Rang. Es folgen die Bananen-Fred Fred Radack & Sohn oHG sowie die Möllering Gummi- und Kunststoff-Technik GmbH.
Die Auswertung macht damit deutlich: Wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit ist nicht an eine bestimmte Unternehmensgröße gebunden. Sowohl kleinere Spezialisten aus der Region als auch große, international ausgerichtete Unternehmen können sich als besonders krisenfest erweisen.
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Über die Creditreform Unternehmensgruppe
Creditreform ist als führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen, Marketingdaten und Lösungen zum Forderungsmanagement bekannt und etabliert. Mit der weltweit größten Wirtschaftsdatenbank unterstützt Creditreform Unternehmen dabei, sich mithilfe von verlässlichen Firmeninformationen vor Zahlungsausfällen zu schützen. Die Creditreform Unternehmensgruppe hat es sich zur gemeinsamen Aufgabe gemacht, ihre Kunden durch die Bereitstellung von Wirtschaftsinformationen sowie Risikomanagement-Lösungen bestmöglich zu unterstützen.