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Vorsorge mit Strategie

Foto: iStock/Kirill Smyslov
Die gesetzliche Rente bildet zwar weiterhin das Fundament der Alterssicherung, doch sie allein reicht für den gewohnten Lebensstandard der meisten Menschen nicht mehr aus. Das Standardrentenniveau sinkt seit Jahren und beträgt seit 2012 weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Nettoeinkommens*. Die Differenz zum vorherigen Verdienst muss daher mit eigener Vorsorge gedeckt werden. Genau hier rücken kapitalmarktnahe Lösungen in den Mittelpunkt – und mit ihnen die Frage, welche Produkte das Geld über lange Zeiträume wirklich gut verwalten.
Der Gesetzgeber hat dieser Entwicklung im Jahr 2026 einen deutlichen Schub gegeben. Mit der am 8. Mai 2026 vom Bundesrat gebilligten und Ende Mai in Kraft getretenen Reform der privaten Altersvorsorge soll das Vorsorgesparen einfacher, kostengünstiger und renditeorientierter werden**. Die neue Produktwelt startet zum 1. Januar 2027.
Für das neue, staatlich geförderte Standarddepot ist eine Kostenobergrenze von 1,0 Prozent vorgesehen. Diese Marke dient der gesamten Branche als Orientierung. Die Reform wird von der Frühstart-Rente flankiert, durch die junge Menschen ab sechs Jahren die Aussicht auf ein staatlich bezuschusstes Altersvorsorgedepot bis zum vollendeten 17. Lebensjahr erhalten. Die politische Botschaft ist eindeutig: Eigenverantwortung und Kapitalmarkt gehören künftig fester zur Vorsorge, und zwar über alle Generationen hinweg.
Für jüngere Sparerinnen und Sparer ist das eine gute Nachricht, denn ihr wichtigstes Kapital ist Zeit. Wer früh beginnt, kann über Jahrzehnte hinweg kleinere Beiträge für sich arbeiten lassen und Marktschwankungen aussitzen. Dennoch klafft eine Lücke zwischen Wissen und Handeln: Zwar ist vielen bewusst, dass die gesetzliche Rente nicht reichen wird, doch die Komplexität der Angebote hält sie vom Handeln ab.
An dieser Stelle setzen gemanagte Fondspolicen an. Anders als beim reinen Fondssparplan übernimmt hier ein Anbieter die Zusammenstellung und laufende Steuerung eines breit gestreuten Portfolios. Er verbindet diese mit einem Versicherungsmantel und bietet so Hinterbliebenenschutz sowie eine flexible Auszahlung im Rentenalter. Im Kern wählen die Sparenden nur eine Risikoausrichtung: defensiv für mehr Stabilität, ausgewogen als Mittelweg oder offensiv für höhere Renditechancen bei größeren Schwankungen. Die Arbeit dahinter erledigt das Management.
Gerade weil diese Produkte den Verbraucherinnen und Verbrauchern potenziell wichtige Entscheidungen abnehmen, ist ihre Qualität umso wichtiger. Wie gut ist das Portfolio diversifiziert? Wie hoch sind die Kosten, die über Jahrzehnte hinweg die Rendite schmälern? Und wie transparent legen die Anbieter offen, was mit dem Geld geschieht? Diese Fragen lassen sich von außen kaum beantworten. Genau dafür hat das SZ Institut eine unabhängige Analyse beim Institut für Vermögensaufbau (IVA) in Auftrag gegeben.
Methodik der Untersuchung
Für die Untersuchung wurden 38 Versicherer angeschrieben und gebeten, einen Fragebogen („Request for Information“) mit 28 Fragen zu beantworten sowie eine oder mehrere Produktlinien mit jeweils bis zu drei Fondspolicen-Portfolios – defensiv, ausgewogen und offensiv – einzureichen. Acht Versicherer haben sich dieser anspruchsvollen Prüfung gestellt: die Alte Leipziger Lebensversicherung a. G., die AXA Lebensversicherung AG, die BL die Bayerische Lebensversicherung AG, die HanseMerkur Lebensversicherung AG, Helvetia Baloise, die myLife Lebensversicherung AG, Standard Life sowie die Volkswohl Bund Lebensversicherung a. G. Das Ranking bildet damit einen repräsentativen Ausschnitt ab, nicht den Gesamtmarkt. Der Erhebungszeitraum war der Mai 2026.
Bewertet wurde in fünf Prüfsegmenten mit unterschiedlicher Gewichtung. Das mit Abstand Wichtigste war die Portfolio-Bewertung (50 Prozent): Hier prüften die Analysten die Diversifikationsleistung der eingereichten Portfolios – etwa die regionale Verteilung, die Branchen- und Währungsallokation, die Beimischung kleinerer Unternehmen sowie mögliche Klumpenrisiken – und setzten die Portfolios zusätzlich synthetischen Stresstests aus (Aktien-, Zins-, Spread- und Währungsschock). Es folgten die Kosten (15 Prozent), die Rahmenbedingungen (15 Prozent), etwa zu Mindestsparrate, Laufzeit und Flexibilität, die Optionen (10 Prozent) rund um Garantien, Auszahlung und Portfoliowechsel sowie Transparenz und Reporting (10 Prozent). Maximal waren 100 Punkte erreichbar.
Innerhalb des Segments Kosten spielten die effektiven Gesamtkosten eine zentrale Rolle. Sie bündeln sämtliche Gebühren einer Police in einer einzigen jährlichen Kennzahl und machen die Anbieter so unmittelbar vergleichbar.
Effektive Gesamtkosten erklärt
Die effektiven Gesamtkosten – fachlich „Reduction in Yield“ (RIY) – fassen sämtliche Kosten einer Police in einer einzigen jährlichen Prozentzahl zusammen. Sie geben an, um wie viel die jährliche Rendite durch alle Gebühren gemindert wird. Für die Vergleichbarkeit legt die Analyse einen einheitlichen Beispielfall zugrunde: eine Ansparphase über 20 Jahre, eine monatliche Rate von 200 Euro und keine Garantie. Je niedriger der Wert, desto mehr vom Anlageerfolg bleibt am Ende beim Sparer.
Aus den Punkten ergab sich eine Bewertung in fünf Stufen, dargestellt durch ein bis fünf Sterne:
- Fünf Sterne – 80 Prozent der Punkte und mehr
- Vier Sterne – von 70 bis 79,9 Prozent
- Drei Sterne – von 60 bis 69,9 Prozent
- Zwei Sterne – von 50 bis 59,9 Prozent
- Ein Stern – 49,9 Prozent oder weniger
Wichtiger Hinweis
Das vorliegende Ranking ist keine Kaufempfehlung für einzelne Produkte, sondern eine unabhängige Bewertung auf Basis festgelegter Kriterien. Es ersetzt weder die persönliche Beratung noch die individuelle Prüfung der eigenen Vorsorgesituation.
Die Ergebnisse im Überblick
Vorsorge ist heute wichtiger denn je. Umso beruhigender ist, dass die vorliegende Untersuchung ein insgesamt erfreuliches Bild zeichnet. Das Teilnehmerfeld präsentiert sich auf solidem Niveau: Die Gesamtergebnisse liegen zwischen 64,3 und 81,5 Punkten und stellen so ein durchweg gutes Resultat dar. Besonders überzeugend fällt das wichtigste Segment aus, denn im Bereich der Portfolio-Bewertung erreichen alle Anbieter durchweg gute bis sehr gute Werte.
Auffällig ist ein Muster, das auf den ersten Blick überrascht: Die defensiv ausgerichteten Portfolios schneiden tendenziell etwas besser ab als die offensiven Angebote. Der Grund liegt in der Diversifikation. Viele der chancenorientierten Portfolios weisen einen vergleichsweise hohen US-Anteil im Aktiensektor auf und damit einhergehend eine Übergewichtung des Technologiesektors und des US-Dollars. In den Stresstests werden solche Konzentrationen unmittelbar sichtbar, weshalb einige offensive Strategien Punkte einbüßen.
Spürbare Unterschiede gibt es bei den Kosten. Die effektiven Gesamtkosten für den Beispielfall reichen von 0,87 bis 2,49 Prozent pro Jahr. Was zunächst nach einer kleinen Differenz klingt, summiert sich über eine Ansparphase von zwanzig Jahren zu einer beträchtlichen Größenordnung: Eine jährliche Kostendifferenz von rund anderthalb Prozentpunkten kann am Ende der Laufzeit über einen erheblichen Teil des Anlageerfolgs entscheiden. Bemerkenswert ist dabei, dass mehrere der getesteten Policen die für das künftige staatliche Standarddepot vorgesehene Schwelle von 1,0 Prozent schon heute unterbieten. Erfreulich ist zudem, dass alle Anbieter bis auf einen sämtliche Bestandsprovisionen an die Versicherungsnehmerinnen und -nehmer weitergeben.
Bei den Rahmenbedingungen zeigt sich das Feld durchweg flexibel: Sparraten lassen sich anpassen, aussetzen und durch Zuzahlungen ergänzen, Teilentnahmen sind möglich, und die Ansparphase kann verlängert oder verkürzt werden. Die Mindestsparraten reichen von fünf bis 150 Euro monatlich. Auch bei den Optionen überzeugen die Anbieter: Ein Hinterbliebenenschutz ist überall integriert, und alle Auszahlungsformen – Gesamtauszahlung, Teilauszahlung und Verrentung – stehen zur Verfügung. Ein Portfoliowechsel ist grundsätzlich möglich, allerdings nur bei etwa der Hälfte ohne zusätzliche Kosten und ohne Beschränkung der Häufigkeit.
Nachholbedarf zeigt sich vor allem bei der Transparenz: Eine aktuelle, detaillierte Aufschlüsselung des Portfolios bis auf die Ebene einzelner Titel bietet nur ein einziger Teilnehmer. Hier liegt das größte gemeinsame Entwicklungsfeld der Branche.
Defensiv: Stabilität im Vordergrund
In der defensiven Ausrichtung, die auf Wertstabilität setzt, führt Helvetia Baloise mit der Police BFI Activ (EUR) das Feld an (81,4 Punkte, fünf Sterne). Sie liegt nur knapp vor der myLife Lebensversicherung, die mit dem Vanguard Globale LifePlan-Modellportfolio 20/80 (81,3 Punkte) und dem Dimensional-Portfolio 20 (80,4 Punkte) gleich zwei Fünf-Sterne-Policen in die Spitzengruppe bringt. Auch die Alte Leipziger schafft mit der AL Zukunft 50 (80,0 Punkte) den Sprung in die Fünf-Sterne-Gruppe.
Ausgewogen: die Balance halten
Wer Stabilität und Renditechancen verbinden möchte, findet in der ausgewogenen Kategorie die engste Entscheidung des gesamten Rankings – sie endet mit einem geteilten ersten Platz. Mit jeweils 81,5 Punkten und fünf Sternen liegen Helvetia Baloise mit dem BFI Progress (EUR) und myLife mit dem Dimensional-Portfolio 50 gleichauf an der Spitze; 81,5 Punkte sind zugleich das höchste Einzelergebnis der gesamten Analyse. Den dritten Rang sichert sich ebenfalls myLife mit dem Vanguard Globale LifePlan-Modellportfolio 50/50 (80,6 Punkte, fünf Sterne). Die HanseMerkur reiht sich mit der Strategie ausgewogen (79,1 Punkte) als beste Vier-Sterne-Police direkt dahinter ein.
Offensiv: Renditechancen mit Augenmaß
Auch in der offensiven Ausrichtung, die auf höhere Aktienanteile und damit größere Renditechancen setzt, behauptet Helvetia Baloise mit dem BFI Dynamic (EUR) die Spitze (81,3 Punkte, fünf Sterne). Sie stellt das einzige Portfolio dieser Kategorie, das es über die Fünf-Sterne-Schwelle schafft. Den zweiten Rang sichert sich die HanseMerkur mit der Strategie chancenreich (79,1 Punkte) vor den beiden myLife-Policen Vanguard Globale LifePlan-Modellportfolio 100/0 (75,7 Punkte) und Dimensional-Portfolio 100 (75,3 Punkte).
Eine Produktlinie über alle Strategien hinweg
Betrachtet man die Produktlinien der Anbieter über alle drei Risikoausrichtungen zusammen, ergibt sich ein konsistentes Bild. An der Spitze steht Helvetia Baloise mit der Produktlinie Baloise Best Invest (81,4 Punkte, fünf Sterne), gefolgt von myLife mit der Vanguard Globale LifePlan (79,2 Punkte) und dem Dimensional-Portfolio (79,1 Punkte). Dicht dahinter platziert sich die HanseMerkur Strategie (78,8 Punkte) vor der AL Zukunft der Alten Leipziger (77,1 Punkte). Dass derselbe Anbieter in jeder einzelnen Strategie vorne liegt, unterstreicht, wie sehr durchgängige Qualität in Diversifikation, Optionen und Reporting den Ausschlag gibt.
Die Analyse zeigt im Kern eine ermutigende Botschaft: Wer für das Alter auf eine gemanagte Fondspolice setzt, findet im untersuchten Feld durchweg solide Lösungen mit klaren Unterschieden im Detail. Entscheidend ist nicht allein die gewählte Risikostrategie, sondern die Sorgfalt, mit der ein Anbieter sein Portfolio streut, seine Kosten gestaltet und offenlegt, was mit dem anvertrauten Geld geschieht. Für eine Anlage, die über Jahrzehnte tragen soll, ist das der entscheidende Maßstab.
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Über das Institut für Vermögensaufbau
Das Institut für Vermögensaufbau (IVA) ist eine unabhängige Analyse- und Rating-Boutique mit Sitz in München. Seit 2005 erstellt das IVA wissenschaftlich fundierte Studien zu Investmentthemen, zertifiziert Wertpapier-Portfolios und berät Finanzdienstleister mit praxisnahen, datenbasierten Ansätzen. Ziel ist es, durch mehr Transparenz die Qualität von Finanzdienstleistungen zu verbessern.