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Die Hidden Champions unter den Fonds

Foto: iStock/sesame
Vermögen aufbauen, für das Alter vorsorgen, Ersparnisse sinnvoll anlegen: Immer mehr Menschen in Deutschland nehmen diese Aufgaben selbst in die Hand. Fonds sind dabei zu einem wichtigen Instrument geworden, denn sie werden professionell verwaltet, sind breit gestreut und Verbraucherinnen und Verbrauchern schon mit kleinen Beträgen zugänglich. Doch welche Produkte verdienen das Vertrauen langfristig orientierter Anleger?
Heute investieren viele Menschen ganz bewusst kleine Beträge: das zurückgelegte Urlaubsgeld, die jährliche Bonuszahlung oder einen Teil ihrer Ersparnisse für später. Große Summen und komplexe Strategien überlassen sie den Profis – doch der Wunsch, das eigene Geld sinnvoll zu vermehren, ist derselbe. Dass diese Haltung in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, zeigt eine Zahl: Die Deutsche Bundesbank zählt laut der Jahrespressekonferenz des Fondsverbands BVI vom 10.2.2026 inzwischen 37 Millionen Wertpapierdepots*. Der Kapitalmarkt ist kein Terrain mehr für Spezialisten, sondern Teil der Lebensplanung breiter Bevölkerungsschichten.
Wer sich dabei nicht allein auf Standard-ETFs oder das Sparbuch verlassen möchte, steht allerdings vor einem Dilemma. Aus Tausenden von Fonds diejenigen herauszufiltern, die langfristig überzeugen, ohne zu teuer oder zu riskant zu werden, ist selbst für geübte Anlegerinnen und Anleger schwierig. In Deutschland sind laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht über 14.000 Fonds zum Vertrieb zugelassen (Stand 24.7.2026).**. Wer kein ausgewiesener Finanzprofi ist, sieht sich da rasch mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert: Welche Fonds haben ihre Leistungsfähigkeit über längere Zeiträume tatsächlich unter Beweis gestellt? Welche Produkte überzeugen nicht nur bei der Rendite, sondern auch bei Volatilität und Kostenstruktur?
In der Regel bieten Empfehlungslisten der Hausbank, des Brokers oder spezialisierter Fondsselektoren Orientierung. Sie leisten wertvolle Vorarbeit. Bei ihrer Zusammenstellung spielt neben der Qualität eines Fonds jedoch noch ein weiterer Faktor eine Rolle, der auf den ersten Blick wenig mit Leistung zu tun hat: die Größe. „Für viele Fondsselektoren gilt ein Volumen von 100 Millionen Euro als Schwelle, um ein Produkt in ihre Empfehlungslisten aufzunehmen“, erklärt das Team von Scope Fund Analysis. „Leistungsstarke Fonds, die kleiner sind, erhalten dementsprechend weniger Aufmerksamkeit.“
Für institutionelle Investoren ist diese Schwelle sinnvoll und notwendig. Wer als Versicherer oder Pensionskasse große Summen anlegt, benötigt entsprechend große Fonds. Für private Anlegerinnen und Anleger stellt sich die Frage der Fondsgröße dagegen anders dar. Bei den typischerweise über Sparpläne oder Einmalanlagen investierten Beträgen spielt das Volumen eines Fonds keine Rolle. Damit rückt ein Marktsegment in den Blick, das in den gängigen Auswahlverfahren aus strukturellen Gründen unberücksichtigt bleibt.
Der von Hermann Simon für mittelständische Weltmarktführer geprägte Begriff der „Hidden Champions“ beschreibt dieses Phänomen sehr gut. Damit sind eigentlich Unternehmen gemeint, die zu den weltweit bedeutendsten ihrer Branche gehören, deren Namen aber nur Fachleuten geläufig sind. Übertragen auf die Welt der Fonds beschreibt der Begriff Produkte, die seit Jahren überzeugende Ergebnisse liefern, ohne dass ihre Namen einem breiten Publikum bekannt wären.
Die „Hidden Champions“ unter den Fonds
Um hier fundierte Orientierung zu schaffen, hat das SZ Institut die Ratingagentur Scope mit einer Untersuchung beauftragt. Analysiert wurden 5.882 Aktien- und 2.008 Mischfonds mit Vertriebszulassung in Deutschland. Das Ergebnis ist eine Auswahl von 68 Fonds, die über fünf Jahre zum besten Viertel ihrer jeweiligen Vergleichsgruppe („Peergroup“) zählen, im vergangenen Jahr überzeugt haben und ein Vermögen zwischen 20 und 100 Millionen Euro verwalten. Stichtag der Auswertung ist der 31. Mai 2026.
Zwei Kriterien grenzen die Auswahl zusätzlich ein. Zum einen wurde geprüft, ob jeder Fonds auf Fondsplattformen für Privatanleger erwerbbar ist. Produkte, die institutionellen Investoren vorbehalten bleiben, sind nicht enthalten. Zum anderen beschränkt sich die Untersuchung auf breit ausgerichtete Vergleichsgruppen wie „Aktien Welt“, „Aktien Europa“ oder „globale Mischfonds“.
Kleine Fonds bringen eigene Stärken mit – und ein Risikoprofil, das sich von dem Profil größerer Fonds unterscheidet. Die Analyse ordnet beides ein.
Chancen und Risiken kleiner Fonds
„Kleine Fonds sind in der Regel flexibler und reaktionsschneller. Sie können Positionen leichter aufbauen und verkaufen als schwergewichtige Fonds“, erläutert das Team von Scope. „Das gilt besonders bei Engagements in Nebenwerten.“ Ein Fonds mit einem Vermögen von 50 Millionen Euro kann in einen mittelgroßen europäischen Titel einsteigen, ohne den Kurs nennenswert zu bewegen. Dies gelingt einem Milliardenfonds nicht in gleicher Weise.
Hinzu kommt ein Konzentrationseffekt, der in beide Richtungen wirkt. „Einzelne Anlageideen können in einem kleinen Fonds einen größeren Einfluss auf die Gesamtperformance haben“, hält Scope fest. „Bei sehr großen Fonds muss das Vermögen oft auf viele Positionen verteilt werden, wodurch die Wirkung einzelner Gewinner sinkt.“ Was für die Gewinner gilt, gilt ebenso für die Verlierer: Die höhere Wirksamkeit einzelner Entscheidungen wirkt in beide Richtungen.
Ein strukturelles Risiko liegt jedoch an anderer Stelle, nämlich in der Wirtschaftlichkeit des Produkts selbst. Ein Fonds mit sehr geringem Vermögen deckt seine Fixkosten möglicherweise nicht. Eine Fondsgesellschaft, die dauerhaft draufzahlt, wird das Produkt irgendwann einstellen oder mit einem anderen Fonds verschmelzen lassen. Scope hat daraus eine methodische Konsequenz gezogen: „Produkte, die weniger als 20 Millionen Euro verwalten, haben wir in unserer Auswertung ausgeschlossen, weil die Gefahr zu groß ist, dass sie aufgrund fehlender Rentabilität früher oder später aus dem Programm genommen werden“, hebt die Ratingagentur hervor. Die Untergrenze von 20 Millionen Euro ist somit keine willkürliche Grenze, sondern das Ergebnis einer Risikoabwägung.
Ein weiterer Aspekt, der durch die Daten deutlich wird: Geringere Vermögen lassen sich weniger gut durch Skaleneffekte verbilligen. Die laufenden Kosten der 68 ausgewählten Produkte liegen im Mittel bei 1,46 Prozent. Die Kosten variieren innerhalb der Auswahl dabei erheblich und reichen von unter einem halben Prozent bis über zwei Prozent.
Die Analyse im Detail
Im ersten Schritt wurden diejenigen Fonds ermittelt, deren Wertentwicklung über einen Zeitraum von fünf Jahren im ersten Quartil und über einen Zeitraum von einem Jahr im ersten oder zweiten Quartil ihrer jeweiligen Peergroup liegt. Damit lag der Fokus auf einer guten langfristigen Performance, zugleich blieben Produkte außen vor, die sich in den vergangenen zwölf Monaten unterdurchschnittlich entwickelt haben. Aus der verbliebenen Liste wurden alle Fonds eliminiert, die zu den volatilsten und gleichzeitig teuersten 25 Prozent ihrer Peergroup gehören.
Volatilität erklärt
Die Volatilität beschreibt, wie stark der Wert eines Fonds im Zeitverlauf schwankt. Eine hohe Volatilität bedeutet, dass der Kurs in kurzer Zeit deutlich steigen, aber ebenso deutlich fallen kann. Eine niedrige Volatilität steht für einen ruhigeren Verlauf. Bei Fonds ist sie ein wichtiger Maßstab dafür, wie viel Risiko ein Anleger für seine Rendite eingeht.
Danach kam das Größenkriterium zum Tragen: Ausgewählt wurden ausschließlich Produkte mit einem verwalteten Vermögen zwischen 20 und 100 Millionen Euro. Um typische Kleinanleger anzusprechen, wurden zudem nur Aktien- und Mischfonds aus gängigen, breit ausgerichteten Peergroups berücksichtigt. Nicht in die finale Tabelle aufgenommen wurden Fonds, die sich auf einzelne Länder, Branchen oder Nicht-Euro-Währungen beschränken, sowie Fonds für Nischen-Anlageregionen wie Skandinavien, Afrika oder Mittel-/Osteuropa und Fonds mit sehr speziellen Themen wie Managed Futures, Mikrofinanz oder Aktien long/short. Rentenfonds blieben ebenfalls außen vor.
Alle Fonds der Vorauswahl wurden anschließend auf zwei Qualitätsstandards geprüft:
- Beträgt die Amtszeit des Fondsmanagements oder eines Mitglieds des Managementteams mindestens drei Jahre?
- Ist der Fonds auf Fondsplattformen für Privatanleger grundsätzlich erwerbbar?
Sind diese Punkte erfüllt, wurde das Produkt in die Auswahl der Top-Fonds aufgenommen. Die Liste der ermittelten Fonds enthält keine passiven ETFs, da die besten aktiv gemanagten Fonds bestimmt werden sollten.
Wichtiger Hinweis
Die vorliegende Fondsauswahl ist keine Kaufempfehlung für einzelne Produkte, sondern eine unabhängige Bewertung auf Basis festgelegter Kriterien. Sie ersetzt weder die persönliche Beratung noch die individuelle Prüfung der eigenen Vorsorgesituation.
Da sich die einzelnen Vergleichsgruppen in ihren Anlageschwerpunkten stark unterscheiden, können die Ergebnisse nur innerhalb der jeweiligen Peergroup betrachtet und verglichen werden.
Die Aktien-Peergroup mit den meisten ausgezeichneten Fonds ist Aktien Welt mit acht Fonds. Die höchste durchschnittliche Rendite über fünf Jahre erzielte hier der „WM AKTIEN GLOBAL UI-FONDS“ von Mayr Investment Managers mit 15,9 Prozent pro Jahr bei einer Volatilität von 14,2 Prozent. Mit 2,10 Prozent liegen die laufenden Kosten am oberen Rand der Gruppe. Es folgen der „Warburg Blue Chips Global Aktiv“ von Warburg Invest mit 14,2 Prozent durchschnittlicher Rendite pro Jahr sowie „AXA Welt“ von AXA IM und der „Global Advantage Funds Lingohr Major Markets Value“ von Lingohr AM, die sich mit jeweils 11,8 Prozent durchschnittlicher Rendite pro Jahr ihre Position teilen. Bemerkenswert ist der „Sydinvest Global Value Equities“ von Sydinvest: Er erzielt mit 9,9 Prozent pro Jahr zwar die niedrigste Rendite dieser Gruppe, weist zugleich aber mit 10,9 Prozent die geringste Volatilität auf und kommt auf laufende Kosten von 1,10 Prozent.
In der Peergroup Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Welt finden sich sechs Fonds. An der Spitze steht der „Swisscanto Equity Fund Systematic AI Committed Small Caps“ der Zürcher Kantonalbank mit 13,2 Prozent durchschnittlicher Rendite p. a. Der „Schroder ISF Sustainable Multi-Factor Equity“ von Schroders folgt mit 12,8 Prozent Rendite p. a. auf Platz zwei und ist mit laufenden Kosten von 0,35 Prozent zugleich das kostengünstigste Produkt der Vergleichsgruppe. Der „Arabesque SICAV – Global ESG Equity“ von Arabesque erreicht 12,6 Prozent Rendite p. a., der „BNP Paribas Funds Sustainable Global Multi-Factor Equity“ von BNP Paribas Asset Management 12,1 Prozent p. a.
In der Vergleichsgruppe Aktien Europa liegt der „Swiss Rock European Equity / AE ESG“ von Swiss Rock AM mit 10,1 Prozent Rendite p. a. vorn, gefolgt vom „Dividendenkonzept Plus“ der KANON AG mit 9,8 Prozent Rendite p. a. Letzterer weist mit 9,6 Prozent die niedrigste Volatilität aller Aktienfonds der Auswertung auf. Bei den europäischen Nebenwerten – der Peergroup Aktien Europa Mid/Small Caps – erzielt der „Chahine Funds Equity Europe Smaller Companies“ von Irivest Investment Managers 8,7 Prozent p. a., allerdings bei einer Volatilität von 17,1 Prozent, was das Risikoprofil dieses Segments illustriert.
In der Peergroup Aktien Asien ex Japan liegt der „Robeco Asian Stars Equities“ von Robeco mit 10,5 Prozent p. a. an der Spitzenposition, gefolgt vom „Nordea 1 – Asia ex Japan Equity“ von Manulife mit 7,8 Prozent p. a. Beide weisen mit 17,4 beziehungsweise 16,4 Prozent eine überdurchschnittliche Volatilität auf.
Die meisten ausgezeichneten Fonds der gesamten Auswertung entfallen auf die Peergroup Mischfonds Global flexibel – insgesamt zehn. Bei dieser Anlageform gibt es keine festgelegte Aktienquote; der Aktienanteil kann zwischen 0 und 100 Prozent liegen. An der Spitze steht der „Orbis Fonds AMI“ von Dr. Peterreins Portfolio Consulting mit 8,3 Prozent Rendite p. a. bei laufenden Kosten von 1,00 Prozent. Platz zwei belegen der „DWS CIO View Dynamic“ der DWS mit 7,2 Prozent Rendite p. a. sowie – gleichauf – der „HYPO VORARLBERG MULTI ASSET GLOBAL“ der Vorarlberger Landesbank und der „Tri Style Fund“ von DJE mit jeweils 6,7 Prozent p. a.
Die Kategorie Mischfonds Global ausgewogen umfasst Fonds, die ein ausgewogenes Verhältnis von Aktien und Anleihen ohne geografische Beschränkung anstreben. Sechs Produkte konnten hier überzeugen. Die höchste durchschnittliche Fünfjahresrendite und somit Rang eins teilen sich der „FOCUS Multi Asset Strategy“ von Focus AM und der „DWS Invest ESG Multi Asset Income“ der DWS mit jeweils 5,0 Prozent Rendite p. a. Der „EASYFOLIO 50“ von Hauck Aufhäuser Lampe folgt mit 4,7 Prozent Rendite p. a. bei laufenden Kosten von 0,91 Prozent auf dem zweiten Platz.
Vier ausgezeichnete Fonds finden sich in der Peergroup Mischfonds Global konservativ, deren Stärke weniger in der Rendite als in der geringen Schwankungsbreite liegt. Der „R+P Rendite Plus UI“ von Ringelstein & Partner Vermögensbetreuung erzielte einen Wertzuwachs von 4,7 Prozent p. a. bei einer Volatilität von 5,2 Prozent und sicherte sich damit den ersten Rang. Auf Rang zwei folgt der „Zukunftsfonds“ von Greiff Capital Management mit 4,5 Prozent Rendite p. a. – bei einer Volatilität von 4,5 Prozent, dem niedrigsten Wert der gesamten Auswertung. Die weiteren Plätze belegen der „Swiss Rock Dachfonds Sicav – Rendite“ von Swiss Rock AM (4,0 Prozent Rendite p. a.) und der „Boersebius TopMix“ von Börsebius Fonds (3,5 Prozent Rendite p. a.).
Die 68 Fonds, die es in die Top-Listen geschafft haben, stammen von Konzerntöchtern ebenso wie von inhabergeführten Vermögensverwaltern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Irland und Dänemark. Hauck Aufhäuser Lampe ist mit vier Produkten vertreten, Lingohr AM, Monega, Warburg Invest und die DWS jeweils mit drei.
* https://www.fundresearch.de/bvi/bvi-statistik-dickes-milliardenplus-fuer-die-fondsbranche.php
** https://portal.mvp.bafin.de/database/FondsInfo/ (Stand: Abfrage vom 24. Juli 2026)
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Über Scope:
Scope ist die führende europäische Ratingagentur und bewertet die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Staaten und anderen Institutionen sowie die Qualität von Anlageprodukten und deren Anbietern. Teil der Scope-Gruppe ist die Gesellschaft Scope Fund Analysis, die Investmentfonds, Kapitalanlagegesellschaften und Zertifikate-Emittenten untersucht. Die mehr als 10.000 analysierten Investmentprodukte verwalten ein Vermögen von rund sechs Billionen Euro. Der überwiegende Teil der Fonds-Ratings ist online auf dem ScopeExplorer frei zugänglich.