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Familienunternehmen

Wo Verantwortung einen Namen trägt

familienunternehmen-2026

Foto: iStock/Ivanko

Am 11. Juni 2026 stand Friedrich Merz vor rund 450 Unternehmerinnen und Unternehmern im Berliner Hotel Adlon und ordnete ihren Rang in der Republik in einem einzigen Satz ein. Familienunternehmen, sagte der Bundeskanzler, seien „zum Teil seit Jahrhunderten die Basis unserer Wirtschaft und in unserer Wirtschaft die Basis für unseren Sozialstaat“. Der Satz wirkt zunächst wie eine Höflichkeit gegenüber dem Gastgeber. Tatsächlich beschreibt er präzise, warum diese Unternehmen für das Land eine andere Bedeutung haben als jede Kapitalgesellschaft im Streubesitz.

Siegel Familienunternehmen – Creditreform

In der Debatte wird die zweite Hälfte des Zitats meist überhört. Dass familiengeführte Betriebe ökonomisch von großer Bedeutung sind, ist bekannt: Rund 90 Prozent aller deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen. Sie erwirtschaften etwa 37 Prozent der Umsätze und beschäftigen mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten*. Weniger sichtbar ist die soziale Funktion, die Merz erwähnte: die Rolle als Ausbilder, als verlässlicher Arbeitgeber in Regionen abseits der Metropolen sowie als Förderer von Vereinen, Kultur und Ehrenamt vor Ort. Wo ein Unternehmen seit drei Generationen denselben Nachnamen trägt, ist der Eigentümer selten weit entfernt – und die Verantwortung hat ein Gesicht.

 

Diese Verwurzelung erklärt auch, warum sich Familienunternehmen gegenwärtig anders verhalten, als es der wirtschaftspolitische Pessimismus nahelegt. Die deutsche Konjunktur stagniert, wie Merz in derselben Rede einräumte, seit 2019. Höhere Energiepreise, Zölle und unsichere Lieferketten treffen ein export- und fertigungsorientiertes Modell empfindlich. Doch der Befund ist nicht einheitlich. Es gibt, so der Kanzler, „Regionen, Unternehmen und Branchen, die auch in diesen schwierigen Zeiten Wachstum verzeichnen.  Genau diese Inseln der Stabilität macht dieses Ranking sichtbar – nicht als Ausnahme, sondern als belastbares Muster über Dutzende Branchen hinweg.

 

Der eigentliche Unterschied zwischen einem börsennotierten Großkonzern und einem Familienbetrieb ist der Zeithorizont. Wer das Unternehmen an die eigenen Kinder weitergeben möchte, denkt eher in Jahrzehnten als in Quartalen. Diese Generationenperspektive gilt vielen Ökonomen als Grund dafür, dass sich familiengeführte Betriebe in Krisen oft widerstandsfähiger zeigen. Sie schlägt sich tendenziell in solideren Eigenkapitalquoten und einer geringeren Abhängigkeit von kurzfristiger Fremdfinanzierung nieder. Persönliche Haftung – ein Wort, das Merz bewusst wählte – ist hier keine juristische Floskel, sondern gelebte Praxis: Das eigene Vermögen steht im Risiko.

 

Bemerkenswert ist, dass diese Stärke kaum an die Branche gebunden ist. Sie zeigt sich im Maschinenbau ebenso wie im Lebensmittelhandel, in der Pharmaindustrie ebenso wie im Handwerk und in der Softwarebranche. Was die stärksten Familienunternehmen verbindet, ist keine bestimmte Branche oder ein bestimmtes Geschäftsmodell, sondern eine Haltung. Es ist die Bereitschaft, Substanz aufzubauen statt sie nur auszuweisen. Um zu klären, welche Unternehmen diese Haltung im Jahr 2026 in besonders überzeugende Zahlen übersetzen werden, hat das SZ Institut Creditreform damit beauftragt, die finanzstärksten inhabergeführten Betriebe des Landes systematisch zu untersuchen.

Methodik der Analyse

Grundlage des Rankings „Stärkste Familienunternehmen 2026 ist die Liste „Das Who is Who der deutschen Familienunternehmen der Deutschen Wirtschaftsrankings GmbH. Diese umfasst die 5.000 größten Familienunternehmen Deutschlands. Creditreform ordnete diesen Unternehmen anhand von Name und Adresse ihre Crefonummer zu – die eindeutige wirtschaftliche Kennung eines Betriebs. Dies gelang für 4.987 Unternehmen. Bei 13 war keine Zuordnung möglich, etwa weil zwischen Erstellung der Liste und Identifikation ein Eigentümerwechsel stattgefunden hatte. Zusammen mit 15 zusätzlichen Bewerbungen ergab sich eine Grundgesamtheit von 5.002 Familienunternehmen.

Aus dieser Basis wurde in mehreren Stufen gefiltert. Zunächst wurde die Datenverfügbarkeit geprüft: ein aktiver Firmenstatus, ein Bonitätsindex zwischen 100 und 499 – Neugründungen und Insolvenzen fielen damit heraus – sowie unauffällige Angaben zu Auftragslage und Zahlungsweise. Zudem mussten vollständige Kennzahlen zu Jahresüberschuss, Eigenkapitalrentabilität, Liquidität ersten Grades und Return on Investment für die Jahre 2023 und 2024 vorliegen.

 

Im zweiten Schritt zählten qualitative und entwicklungsbezogene Kriterien: eine gute Zahlungsweise, eine gute bis sehr gute Auftragslage sowie eine realistische, nicht negative Entwicklung von Beschäftigtenzahl und Umsatz von 2023 auf 2024.

 

Der dritte Schritt legte harte finanzielle Schwellen an: ein Jahresüberschuss von über einer Million Euro in beiden Jahren, eine Eigenkapitalrentabilität über zehn Prozent, eine Liquidität ersten Grades über zehn Prozent, ein Return on Investment über sieben Prozent sowie eine Bilanzratingnote zwischen CR 1 und CR 7 sowie der Ausschluss aller Unternehmen mit einem Bonitätsindex ab 250.

 

Die finale Rangfolge wird durch die Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default, PD) bestimmt. Sie basiert auf dem Creditreform-Bilanzrating, einem Modell zur Risikoklassifizierung mit hoher Trennschärfe und Prognosegüte. Es erlaubt eine eindeutige Reihung: Je geringer die statistische Ausfallwahrscheinlichkeit, desto stärker das Unternehmen. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme zum Stichtag 30. April 2026.

Ergebnisse der Analyse

Am Ende eines mehrstufigen Auswahlverfahrens, das wirtschaftliche Stabilität, harte Bilanzkennzahlen und die statistische Ausfallwahrscheinlichkeit gegeneinander abwägt, bleibt eine überschaubare, aber aussagekräftige Gruppe übrig. Es sind Unternehmen, die nicht nur ein einzelnes gutes Geschäftsjahr vorweisen können, sondern über mehrere Kennzahlen hinweg sowie über zwei Jahre konstant überzeugen. Wer diese Hürden nimmt, gehört zu den wirtschaftlich stärksten familiengeführten Betrieben des Landes. Am Ende bestanden 205 Familienunternehmen die Auswahl. Schon diese Zahl erzählt etwas: Die Basis wirtschaftlich kerngesunder Familienbetriebe ist breiter, als die allgemeine Stimmungslage vermuten ließe.

 

Die FingerHaus GmbH aus dem hessischen Frankenberg, einer der ältesten und etabliertesten Fertighaushersteller Deutschlands mit einer langen Holzbau-Tradition, setzte sich an die Spitze. Auf dem zweiten Platz folgt die MPDV Mikrolab GmbH aus Mosbach. Das Unternehmen ist Marktführer für IT-Lösungen in der Fertigung und unterstützt Industriebetriebe auf dem Weg zur vernetzten Produktion. MPDV war bereits im Vorjahresranking unter den ersten Plätzen vertreten und bestätigt damit seine Präsenz in der Spitzengruppe. Den dritten Platz belegt die Aero Pump GmbH aus Hochheim am Main, die Sprüh- und Dosiersysteme für pharmazeutische Anwendungen entwickelt und herstellt.

 

Auf den Rängen vier bis sechs reihen sich die FRISTAM Pumpen KG aus Hamburg, der Wäge- und Inspektionstechnik-Spezialist WIPOTEC sowie der Kunststoffverarbeiter Elkamet aus dem hessischen Biedenkopf ein, die die ganze Bandbreite des deutschen Mittelstands zeigen. Unter den ersten Zehn finden sich mit der Verla-Pharm Arzneimittel GmbH zudem ein Pharmaunternehmen und mit der Robotron Datenbank-Software GmbH aus Dresden ein weiterer IT-Vertreter. Dies zeigt, wie selbstverständlich digitale Geschäftsmodelle inzwischen zur familiengeführten Wirtschaft gehören.

 

Die These von der branchenübergreifenden Stärke bestätigt sich auch in der zweiten Hälfte der Top Ten im Ranking der stärksten Familienunternehmen. Im Feld finden sich etablierte Namen wie der Kompressorenbauer Kaeser, der Großküchentechnik-Hersteller RATIONAL oder der Augenheilkunde-Spezialist URSAPHARM zusammen mit zahlreichen regionalen Betrieben. Unter den ausgezeichneten Familienunternehmen des Jahres 2026 befinden sich mehrere Unternehmen, die bereits im Vorjahr zu den Preisträgern zählten – ein Beleg für die Beständigkeit, die diese Unternehmensform auszeichnet.

 

Der Handel stellt mit 26 Unternehmen die größte Gruppe im Ranking dar, gefolgt vom Maschinenbau (20), Nahrungsmittel und Landwirtschaft sowie Bau und Architektur (je 18) und der Industrie (17). Die Streuung über so viele unterschiedliche Sektoren unterstreicht, was die Analyse insgesamt zeigt: Wer Verantwortung über Generationen trägt, kann das offenbar in jeder Branche.

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Über die Creditreform Unternehmensgruppe

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