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Sichtbare Vielfalt

Foto: iStock/AndreyPopov
Unterschiedliche Generationen, verschiedene Herkünfte, Frauen und Männer, die brainstormen, diskutieren, einander widersprechen und genau dadurch weiterkommen, sitzen gemeinsam in einem Konferenzraum. Am Ende steht eine neue Marketing-Kampagne, die die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen mit kreativen Ideen und neuen Perspektiven anspricht. Ein absoluter Erfolg für das Unternehmen.
Was auf den ersten Blick wie eine beliebige Besprechung aussieht, ist in Wahrheit ein wirtschaftliches Erfolgsmodell – vorausgesetzt, die Unterschiede werden nicht nur geduldet, sondern aktiv zusammengeführt. Vielfalt in der Arbeitswelt hat sich von einem Randthema, das dem Personalmarketing überlassen wird, zu einer Frage entwickelt, die über Innovationskraft, Fachkräftesicherung und sogar über die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Unternehmen entscheidet. Wer heute die besten Köpfe gewinnen will, konkurriert nicht nur mit dem Gehalt, sondern auch mit der Unternehmenskultur. Immer mehr Menschen prüfen vor einer Bewerbung, wie ein Unternehmen mit Geschlecht, Alter, Herkunft und Behinderung umgeht. Ein Arbeitsplatz, an dem sich Unterschiedlichkeit entfalten darf, wird so selbst zum Argument.
Dass Vielfalt heute mehr ist als eine Frage des Anstands, belegen zahlreiche Untersuchungen. So kommt das Institut der deutschen Wirtschaft in zwei Unternehmensbefragungen aus dem Herbst 2025 zu dem Ergebnis, dass Diversität für die meisten Unternehmen in Deutschland weiterhin ein relevanter Bestandteil einer zukunftsorientierten Strategie ist – selbst dann, wenn international Bestrebungen zunehmen, diese Entwicklung zu bremsen. Zugleich macht das Institut deutlich, dass sich der Nutzen nicht von selbst einstellt. Vielfalt ist kein Selbstläufer, sondern muss aktiv gemanagt werden, um positive Effekte zu erzielen.* Hier liegt der Unterschied zwischen Lippenbekenntnissen und gelebter Praxis.
Der wirtschaftliche Hebel kann erheblich sein. So zeigt das Whitepaper „Erfolgsfaktor kulturelle Diversität und faire Teilhabe“ von McKinsey & Company**, dass gemischte Teams ihre Argumente sorgfältiger begründen, mehr Perspektiven einbeziehen und somit belastbarere Entscheidungen treffen. Ältere Beschäftigte bringen Erfahrung ein, jüngere Angestellte frische Ansätze für bekannte Problemfelder. Wo beide zusammenarbeiten, steigt nachweislich die Produktivität. Unternehmen, die kulturelle Vielfalt aktiv fördern, verstehen zudem die Bedürfnisse einer vielfältigen Kundschaft besser. So entsteht aus einem gesellschaftlichen Anliegen ein handfester unternehmerischer Vorteil – sowohl bei der Gewinnung von Talenten als auch bei der Bindung erfahrener Fachkräfte.
Vielfalt hat jedoch eine Eigenschaft, die sie von vielen anderen Erfolgsfaktoren unterscheidet: Sie lässt sich nur beurteilen, wenn Unternehmen ihre Zahlen eigenständig offenlegen. Wie hoch ist der Frauenanteil im Vorstand? Wie viele Nationalitäten arbeiten unter einem Dach? Wie steht es um die Schwerbehindertenquote oder um die Vergütungslücke zwischen den Geschlechtern? Solche Angaben finden sich, wenn überhaupt, in den Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen. Erst diese Transparenz ermöglicht einen Vergleich und unterscheidet jene, die Verantwortung dokumentieren, von jenen, die darüber schweigen.
Genau hier setzt das von Creditreform im Auftrag des SZ Instituts erstellte Ranking „Diversity-Vorreiter 2026“ an. Es bildet kein allgemeines Marktbild ab, sondern berücksichtigt ausschließlich Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht eingereicht und ihre Diversitätsdaten offengelegt haben. Unternehmen, die diese Zahlen nicht veröffentlichen, tauchen im Ranking nicht auf – unabhängig davon, wie es intern um die Vielfalt bestellt ist.
Die Vorreiter sind somit in zweifacher Hinsicht Vorbild: für gelebte Vielfalt und für den Mut, sich messbar zu machen. Denn Offenheit über die eigenen Kennzahlen ist längst nicht selbstverständlich. Wer sie wagt, macht sich angreifbar – aber eben auch glaubwürdig. Welche Unternehmen gehen hier voran? Und was zeichnet jene aus, die in gleich mehreren Dimensionen der Vielfalt überzeugen?
Methodik des Rankings
In die Analyse wurden Unternehmen mit Sitz in Deutschland einbezogen, deren Bonitätsindex zwischen 100 und 499 liegt. Neugründungen und Insolvenzfälle sind somit ausgeschlossen. Die Auftragslage und Zahlungsweise durften nicht auf eine drohende Insolvenz hindeuten. Ausschlaggebendes Kriterium war die Verfügbarkeit eines Nachhaltigkeitsberichts aus dem Jahr 2024 in der Creditreform-Datenbank. Nach Anlegen dieser Kriterien umfasste die Grundgesamtheit 5.590 Unternehmen.
Die Vielfalt wurde anschließend in fünf gleichgewichteten Kategorien bewertet. Die Gender Balance misst den Frauenanteil unter den Mitarbeitenden, im Management und im Vorstand und untersucht die Vergütungslücke (Salary Gap). Die Kategorie Generationenvielfalt erfasst, wie ausgewogen sich die Belegschaft auf die Altersgruppen unter 30, zwischen 30 und 50 sowie über 50 verteilt. Die kulturelle Vielfalt bemisst sich am Anteil der Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund sowie an einem Nationalitätenscore. Die Kategorie Inklusion & Teilhabe berücksichtigt die Schwerbehindertenquote, den Anteil der Mitarbeitenden in Elternzeit sowie den Anteil der Mitarbeitenden ohne oder mit anderer Geschlechtsangabe. Die fünfte Kategorie, Transparenz & Fortschritt, bewertet schließlich, wie vollständig ein Unternehmen berichtet.
Für jedes Kriterium erhalten die zehn Prozent der Unternehmen mit der besten Ausprägung den Punktwert 10, die folgenden zehn Prozent den Wert 9 und so weiter. Werden Informationen nicht veröffentlicht, gibt es null Punkte. Insgesamt können somit maximal 50 Punkte erreicht werden. In das Ranking wurden nur Unternehmen mit mindestens 20 Punkten aufgenommen, die zudem in mindestens drei der fünf Kategorien Wertungen erzielten. Somit genügt reine Transparenz nicht, um sich einen Platz im Ranking zu sichern: Auch die tatsächliche Ausprägung der berichteten Werte entscheidet über die Platzierung.
Ergebnisse der Analyse
Insgesamt 126 Unternehmen erfüllen die anspruchsvollen Anforderungen und dürfen sich zu Recht „Diversity-Vorreiter 2026“ nennen. Sie eint, dass sie ihre Vielfalt nicht nur pflegen, sondern auch belegen. Darin liegt die wichtigste Botschaft des Rankings: Es zeigt die Vorbilder unter den Transparenten und nicht den Durchschnitt der deutschen Wirtschaft.
Das Feld ist bemerkenswert breit aufgestellt. Unter den vorderen Rängen finden sich Banken und Sparkassen ebenso wie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Immobilien- und IT-Unternehmen sowie Firmen aus den Bereichen Chemie, Verkehr, Versicherungen und öffentliche Verwaltung. Vielfalt ist, so viel wird deutlich, keine Frage der Branche, sondern des Selbstverständnisses.
An der Spitze des Rankings steht die Funke Mediengruppe GmbH & Co. KGaA aus der Medienbranche. Auf Platz 2 folgt die Alzchem Group AG aus der Chemieindustrie, Platz 3 belegt die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Die weiteren Plätze der Spitzengruppe belegen die Flughafen München GmbH auf Rang vier und die momox Holding SE auf Platz 5.
Auf den Rängen 6 und 7 reihen sich mit der Stadtsparkasse Wuppertal und der KfW Bankengruppe zwei Häuser aus dem Bankensektor ein. Komplettiert werden die Top Ten von der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg GmbH auf Platz 8, gefolgt von der Deloitte Deutschland GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Silver Atena GmbH, Spezialistin für leistungsstarke Elektroniksystem, auf den Rängen 9 und 10.
Ein Blick auf die folgenden Ränge zeigt, wie eng die Abstände sind: Zwei Unternehmen teilen sich Rang 12, gleich drei Firmen finden sich auf Platz 14. Auch im weiteren Ranking finden sich immer wieder Unternehmen mit identischem Rang. Unter den Vertretern der „Diversity-Vorreiter 2026“ finden sich zahllose bekannte Namen wie die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, die DATEV eG, Vonovia SE, HOCHTIEF Aktiengesellschaft, die Allianz SE, TUI AG und PUMA SE.
Die Gesamtpunktzahl eines Unternehmens ergibt sich aus der Zahl der berichteten Datenpunkte und deren Ausprägung. Unternehmen, die bislang nur wenige Angaben in ihrem Nachhaltigkeitsbericht aufführen oder im Vergleich schwächer aufgestellt sind, sind nicht Teil des Rankings. 126 Unternehmen zeigen, dass Vielfalt messbar ist – und dass Transparenz darüber kein Wagnis, sondern ein Argument ist.
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Über die Creditreform Unternehmensgruppe
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