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Substanz, die im Gegenwind hält

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Die Stärke einer Wirtschaftsregion lässt sich nicht allein an ihren bekanntesten Unternehmen ablesen. Das Spektrum reicht dabei von Werkzeugherstellern im Nürnberger Land über Automatisierungsspezialisten in Oberfranken und Metallbauern in der Oberpfalz bis hin zu spezialisierten Betrieben aus dem Konditorei- und Textilbereich in Mittelfranken und im Bayerischen Wald. Viele dieser Unternehmen befinden sich seit mehreren Generationen in Familienhand, beschäftigen kaum mehr als einige Dutzend Menschen und haben sich über Jahre hinweg auf ein hochspezialisiertes Feld konzentriert.
Diese Konzentration macht diese Firmen für Kundinnen und Kunden weit über die Landesgrenzen hinaus zu wichtigen Partnern. Im öffentlichen Fokus stehen sie dennoch nur selten. Ein genauerer Blick auf diese Unternehmen lohnt sich deshalb umso mehr. Der Zeitpunkt dafür ist gut gewählt, denn Bayerns Mittelstand bewegt sich derzeit in einem wirtschaftlichen Umfeld voller Gegensätze. Während die Gesamtwirtschaft des Freistaats 2025 preisbereinigt um 0,5 Prozent wuchs und damit erneut über dem Bundesschnitt von 0,2 Prozent lag, blieb die Lage für viele Industrie- und Zulieferbetriebe angespannt. Nach vorläufigen Berechnungen des Bayerischen Landesamts für Statistik sank die Bruttowertschöpfung in diesem Bereich um 0,4 Prozent*. Gerade für mittelständische Unternehmen, die einen wesentlichen Teil der bayerischen Wirtschaftsstruktur prägen, sind das anspruchsvolle Bedingungen. Wer sich in diesem Umfeld behauptet, solide wirtschaftet und seine Substanz bewahrt, beweist eine Qualität, die in ruhigeren Zeiten leicht übersehen wird: Stabilität.
Bayern schneidet als Wirtschaftsstandort vergleichsweise stark ab. Die Studie „Industrielle Standortqualität im internationalen Vergleich“** von IW Consult im Auftrag der vbw zeigt, dass Bayern im Niveau-Ranking der 45 wichtigsten Industriestandorte weltweit Platz zehn erreicht, im Bereich Wissen landet die Region sogar auf Platz vier. Doch Rankings dieser Art vermessen zunächst nur den Standort. Wie robust die wirtschaftliche Basis einer Region tatsächlich ist, zeigt sich eine Ebene tiefer, nämlich in Auftragsbüchern und Bilanzen sowie in der Bonität und Ertragskraft der vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die Bayerns Wirtschaft prägen. Genau hier setzt die aktuelle Analyse von Creditreform im Auftrag des SZ Instituts an. Sie richtet den Blick auf mittelständische Unternehmen, die sich unter anspruchsvollen wirtschaftlichen Bedingungen als besonders solide erweisen. Dabei fließen quantitative Kennzahlen ebenso ein wie qualitative Kriterien.
Am Ende stehen 166 Unternehmen, die eines verbindet: wirtschaftliche Substanz und die Fähigkeit, auch in einem schwierigen Umfeld stabil zu bleiben. Die Auszeichnung als „Bayerns stärkste Mittelständler 2026“ würdigt somit keine bloße Momentaufnahme. Sie macht sichtbar, wo im Freistaat langfristige wirtschaftliche Widerstandskraft zu finden ist.
Einblick in die Methodik
Welche Unternehmen wirtschaftlich besonders solide aufgestellt sind, lässt sich nicht an einer einzelnen Kennzahl festmachen. Für die Ermittlung von „Bayerns stärksten Mittelständlern 2026“ hat Creditreform deshalb im Auftrag des SZ Instituts ein mehrstufiges Verfahren entwickelt, das wirtschaftliche Kennzahlen mit qualitativen Kriterien verbindet.
Ausgangspunkt waren Unternehmen mit Sitz in Bayern, die nach der Systematik des Statistischen Bundesamts dem Wirtschaftsabschnitt C zugeordnet sind. Um gezielt den klassischen Mittelstand abzubilden, orientierte sich die Auswahl an der Definition des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM): Berücksichtigt wurden Unternehmen mit 10 bis 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mehr als zwei bis höchstens 50 Millionen Euro. Freiberuflich geführte Betriebe und Start-ups blieben außen vor, zudem mussten die Unternehmen seit mindestens fünf Jahren bestehen.
Voraussetzung waren aktuelle Angaben zu Umsatz und Beschäftigtenzahl für 2024 und 2025 sowie Daten zur Bilanzbonität. Nach diesem ersten Filter verblieben 456 Unternehmen. Anschließend wurde geprüft, welche von ihnen auch bei ihrer jüngeren wirtschaftlichen Entwicklung überzeugen konnten.
Dafür betrachtete die Analyse mehrere Faktoren gemeinsam: Die Zahl der Beschäftigten durfte nicht um mehr als zehn Prozent zurückgegangen sein, beim Umsatz war keine negative Entwicklung zulässig. Auch die Auftragslage musste überzeugen, weshalb Unternehmen mit rückläufiger, mäßiger oder schlechter Bewertung ausschieden. Hinzu kamen Anforderungen an das Zahlungsverhalten: Rechnungen mussten innerhalb der vereinbarten Ziele beglichen werden, gegebenenfalls unter teilweiser Nutzung von Skonto.
Besonderes Gewicht kam schließlich der finanziellen Stabilität zu. Berücksichtigt wurden ausschließlich Unternehmen mit einem Bilanzrating¹ von CR1 bis CR7, also besser als CR8, sowie einem Creditreform-Bonitätsindex von höchstens 250. Aus dem Zusammenspiel dieser Kriterien entstand schließlich die Auswahl von 166 Unternehmen, die 2026 zu Bayerns stärksten Mittelständlern zählen.
Die Rangfolge selbst wurde – und das ist eine methodische Neuerung gegenüber dem Vorjahr – anhand der Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default, PD) gebildet, die aus dem Creditreform Ratingsystem abgeleitet wird. Diese Kennzahl erlaubt eine eindeutige, quantitativ hergeleitete Reihung und ist ein etabliertes Maß zur Risikoklassifizierung von Unternehmen mit hoher Trennschärfe und Prognosegüte. Weil die Rangfolge-Methodik im Vergleich zum Vorjahr angepasst wurde, sind absolute Platzierungsvergleiche zwischen den Jahrgängen nicht sinnvoll. Alle Daten beziehen sich auf den Stichtag 31. Juli 2026.
Durch dieses mehrstufige Verfahren ist sichergestellt, dass die ausgezeichneten Unternehmen nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern auch bilanziell solide und langfristig belastbar sind.
¹ Die Ratingnoten basieren in der Regel, abhängig vom Umfang der zur Verfügung stehenden Finanzinformationen und der Unternehmensgröße, auf einem von sechs Bilanzratingmodulen von Creditreform. Diese Bilanzratingmodule werden ergänzt durch den Creditreform Auskunftsscore, der ebenfalls ein abgeschlossenes Rating-Modell darstellt, das im Fall fehlender Finanzinformationen herangezogen werden kann.
Ergebnisse der Analyse
Am Ende des Auswahlprozesses qualifizierten sich 166 Unternehmen, rund 36 Prozent der ursprünglich 456 Betriebe. Schon ein Blick auf die ersten fünf Plätze zeigt, wie unterschiedlich wirtschaftliche Stärke im bayerischen Mittelstand aussehen kann.
Angeführt wird das Ranking von der Franken GmbH + Co. KG, Fabrik für Präzisionswerkzeuge, aus Rückersdorf im Nürnberger Land. Das Unternehmen beschäftigt 251 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und fertigt hochpräzise Werkzeuge für die Zerspanung. Auf Platz zwei folgt die Schechtl Maschinenbau GmbH aus Edling in Oberbayern, die sich auf Maschinen für die Blechbearbeitung und Schwenkbiegetechnik spezialisiert hat. Mit der Münchner PN Detector GmbH belegt ein hoch spezialisierter Anbieter von Silizium-Halbleiterdetektoren für den Röntgen- und Teilchennachweis den dritten Rang. Platz vier sicherte sich die Stahl Lasertechnik GmbH & Co. KG aus Wackersdorf in der Oberpfalz, deren Schwerpunkt auf Laserschneiden und Kantenbearbeitung liegt. Die Top 5 komplettiert die Vita-Tahedl GmbH aus dem schwäbischen Deisenhausen, ein Familienunternehmen, das Lebensmittel handwerklich produziert.
Präzisionswerkzeuge, Maschinenbau, Halbleitertechnologie, Metallbearbeitung und Lebensmittelproduktion: Die Stärke an der Spitze ist nicht auf eine einzelne Branche oder ein bestimmtes Wirtschaftszentrum konzentriert. Vielmehr zeichnet sich bereits in den ersten fünf Plätzen ab, was das gesamte Ranking prägt: ein Mittelstand, dessen Stärke in seiner Vielfalt liegt.
Auch auf den folgenden Plätzen bleibt das Bild bemerkenswert breit gefächert. Den sechsten Platz belegt die M.A.i. GmbH & Co. KG innovative Automations- und Montagetechnik aus Kronach. Das oberfränkische Unternehmen erhielt 2026 zugleich die Auszeichnung als „Wachstumsstärkster Mittelständler“. Auf Platz sieben folgt mit der Jörg & Sohn GmbH aus Ahorn ein Spezialist für medizintechnische Komponenten. Rang acht geht nach Niederbayern: Die MT-Propeller Entwicklung GmbH aus Atting entwickelt und produziert Propellersysteme für die General Aviation und ist damit weltweit tätig.
Dass wirtschaftliche Stärke keineswegs allein eine Frage von Hightech und Maschinenbau ist, zeigt Platz neun. Die Confiserie Storath AG aus dem oberfränkischen Scheßlitz hat sich mit ihren Feinkonditorei-Produkten auch über die Region hinaus einen Namen gemacht. Die Top Ten werden von der HAMATEC Maschinenbau GmbH aus Weißenhorn in Schwaben komplettiert. Auch auf den Plätzen sechs bis zehn entsteht somit kein einheitliches Branchenbild, sondern ein Querschnitt durch einen Mittelstand, der seine Stärke aus ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Spezialisierungen bezieht.
Ein interessantes geografisches Muster zeigt sich, wenn man den Blick von den ersten Plätzen auf das gesamte Ranking richtet. Mehr als jedes zweite der 166 ausgezeichneten Unternehmen hat seinen Sitz in Franken: 88 stammen aus Ober-, Mittel- oder Unterfranken, 21 weitere aus der Oberpfalz. Oberbayern einschließlich des Ballungsraums München kommt dagegen auf 29 Unternehmen. Die wirtschaftliche Stärke konzentriert sich damit keineswegs allein auf die großen Zentren. Im Gegenteil: Ein erheblicher Teil der besonders robusten Mittelständler ist dort zu Hause, wo Unternehmen im öffentlichen Bewusstsein häufig weniger präsent sind.
Ähnlich aufschlussreich ist die Größenverteilung. Fast die Hälfte der ausgezeichneten Betriebe, nämlich 46,4 Prozent, beschäftigt lediglich 10 bis 49 Menschen, weitere 24,1 Prozent kommen auf 50 bis 99 Beschäftigte. Der Median liegt bei 53 Mitarbeitern. Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten sind dagegen die Ausnahme: Nur sechs der 166 ausgezeichneten Betriebe erreichen diese Größenordnung. Das Ranking rückt damit vor allem jene Betriebe ins Licht, die den klassischen bayerischen Mittelstand prägen: Sie sind überschaubar in ihrer Größe, häufig hoch spezialisiert und wirtschaftlich bemerkenswert stabil.
Wirtschaftliche Stärke folgt dabei keinem festen Branchenmuster. Zwar ist die Industrie im weiteren Sinne mit 44 Unternehmen am stärksten vertreten, doch dahinter fächert sich das Ranking schnell auf. Auf Nahrungsmittel und Landwirtschaft entfallen 16 Unternehmen, auf Bau und Architektur 15. Jeweils 13 Unternehmen entfallen auf die Branchen Maschinenbau sowie Druck und Verpackung, elf auf die Chemiebranche. Die Branchen Elektro und Elektronik sowie das Handwerk sind mit jeweils zehn Unternehmen vertreten. Hinzu kommen sieben weitere Branchen mit kleineren Anteilen. So entsteht eine bemerkenswerte Mischung: Die klassische Fertigung bildet einen wichtigen Kern, ohne das Ranking zu dominieren. Stabilität findet sich vielmehr in ganz unterschiedlichen Branchen und Spezialisierungen.
Wie beständig diese Stärke sein kann, zeigt der Vergleich mit früheren Untersuchungen des SZ Instituts. 28 der diesmal ausgezeichneten Unternehmen waren bereits im Vorjahr in einem Ranking vertreten, davon gehörten 24 zu den „Bayerns stärksten Mittelständlern“.
Insgesamt zeigt das vorliegende Ranking weniger einen einzelnen Sieger als vielmehr eine Landschaft: kleiner, breiter und industriell tiefer, als das oft bemühte Bild vom bayerischen Mittelstand als Münchner Hochtechnologie-Cluster vermuten lässt. Genau in dieser Breite liegt die Stärke, die auch im ökonomischen Gegenwind bestehen kann.
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Über die Creditreform Unternehmensgruppe
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