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Angst, Gewalt, keine Liebe

Das Leid der vernachlässigten Kinder

19. Oktober 2023 - 6 Min. Lesezeit

Tausende Kinder und Jugendliche in Deutschland werden vernachlässigt – sie leiden unter Misshandlungen und der Lieblosigkeit ihrer überforderten Eltern. Mit dramatischen Folgen: Durchschnittlich alle 13 Minuten muss ein Kind zu seinem Schutz aus der Familie genommen werden. SOS-Kinderdorf hilft, Familien in Krisensituationen zu stärken.

Ein 13-jähriges Mädchen verhält sich seltsam in der Schule. Plötzlich bekommt es Wutausbrüche, beginnt ohne ersichtlichen Grund zu weinen, dann ist das Mädchen wieder still in sich gekehrt. In ihren Augen Traurigkeit und Sehnsucht.

Ein fünfjähriger Junge wirkt ungepflegt, wenn er morgens in der Kita auftaucht. Für die Pause hat er nichts zum Essen dabei, seine Jacke ist viel zu dünn für die Jahreszeit. Wenn sich die Erzieherin zu ihm setzt, kuschelt er sich an sie. Sie ahnt: Dieses Kind bekommt zuhause keine Liebe.

Dies sind nur zwei Beispiele für ein Phänomen, unter dem in Deutschland so viele Kinder und Jugendliche leiden wie nie zuvor: Vernachlässigung. Tausende erleben es täglich. Nicht selten sind es die Jüngsten, die besonders betroffen sind. Sie sitzen alleine vor dem Fernseher und wissen nicht, wo ihre Eltern sind.

Niemand nimmt sie in den Arm, keiner spielt mit ihnen. In vielen Fällen werden sie ungesund ernährt, tragen falsche Kleidung, gehen nicht regelmäßig zum Arzt. Und oft dauert es lange, bis Lehrern, Erziehern oder Nachbarn etwas auffällt.

Niemand nimmt sie in den Arm, keiner spielt mit ihnen. In vielen Fällen werden sie ungesund ernährt, tragen falsche Kleidung, gehen nicht regelmäßig zum Arzt. Und oft dauert es lange, bis Lehrern, Erziehern oder Nachbarn etwas auffällt.

Vernachlässigung hat viele Facetten. Experten unterscheiden in körperliche und emotionale Vernachlässigung, beides gilt als Misshandlung und Kindeswohlgefährdung. Besonders besorgniserregend ist die stetige Zunahme an körperlichen und psychischen Misshandlungen. Bei 62.279 Kindern wurde 2022 eine Kindeswohlgefährdung festgestellt, der höchste Wert überhaupt seit Einführung der Statistik im Jahr 2012. Im Jahr 2022 gab es 37.880 „Inobhutnahmen“¹, das heißt: Durchschnittlich alle 13 Minuten muss ein Kind in Deutschland zu seinem Schutz aus der Familie genommen werden². Schon die Zahl ist erschreckend. Und hinter jedem einzelnen Fall steckt das Schicksal eines leidenden Kindes.

Eine liebevolle, familiäre Umgebung

Was kann die Gesellschaft, was können wir in solchen Fällen tun? Jeder Mensch braucht eine Familie, und vernachlässigte Kinder benötigen ganz besonders unsere Hilfe. Nach Inobhutnahmen versuchen die Jugendämter und die Fachleute von SOS-Kinderdorf zunächst, eine Ersatzfamilie zu finden, etwa bei Verwandten oder den Großeltern. Wenn das nicht möglich ist und das Kind langfristig nicht zu seiner eigenen Familie zurückkehren kann, kommt ein SOS-Kinderdorf als neues Zuhause in Frage. Dort finden die Kinder seelische Unterstützung und eine liebevolle, familiäre Umgebung.

Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen, tun dies nicht, weil sie schlechte Menschen wären. In den meisten Fällen sind sie mit ihren Erziehungsaufgaben überfordert. Krisensituationen und Krankheiten wie Depressionen sind häufige Gründe, warum alle Gedanken der Mütter und Väter fast ausschließlich um sie selbst kreisen. Für ihre Kinder bleibt oft schlichtweg keine Zeit. „Die meisten Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Es ist wichtig, bei dieser Motivation anzusetzen und Verständnis für ihre Situation zu entwickeln“, sagt Holger Nickel, systemischer Familientherapeut und Leitung Beratung und Treffpunkt Blomberg vom SOS-Kinderdorf Lippe. „Wir erkennen an, was sie bislang geschafft haben und was gut läuft. Und mit dieser Grundlage kann man auch irgendwann Defizite überbrücken. Das ist allerdings ein langer und schwieriger Prozess.“

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Eltern, deren Kinder Zeichen von Vernachlässigung zeigen, haben in ihrer Kindheit oft Ähnliches erlebt. Heike Jokisch vom SOS-Kinderdorf Kaiserslautern erklärt: „Viele Familien leiden über mehrere Generationen an wiederholter Vernachlässigung, seelischer Misshandlung oder Gefühlskälte. Weil auch die Eltern selbst schon viel Mangel erlitten haben, entsteht häufig eine Art Konkurrenz der Bedürfnisse zwischen Eltern und Kindern. Eltern wollen dann erst mal sich selbst versorgt wissen, oder sehen im Schreien ihres Babys den Ausdruck von Aggression gegen sich und nicht ein Kind, das sich nach Kontakt sehnt.“ So komme es zu einer Spirale des Sich-gestört-Fühlens durch das Kind und einer sich entwickelnden Aggression. Zunehmende Vernachlässigung und Misshandlung können die Folge sein.

Die Konsequenzen daraus sind fatal. Liebloses Aufwachsen hinterlässt Spuren, die weit über die Kindheit hinausreichen. Manchmal sogar ein Leben lang. Konzentrationsschwierigkeiten und Schulprobleme sind die Folgen. Viele vernachlässigte Kinder haben eine schlechtere Schulbildung, und als Erwachsene kämpfen sie mit mangelndem Selbstbewusstsein. Oft fällt es ihnen auch schwer, stabile Beziehungen zu führen.

Die Konsequenzen daraus sind fatal. Liebloses Aufwachsen hinterlässt Spuren, die weit über die Kindheit hinausreichen. Manchmal sogar ein Leben lang. Konzentrationsschwierigkeiten und Schulprobleme sind die Folgen. Viele vernachlässigte Kinder haben eine schlechtere Schulbildung, und als Erwachsene kämpfen sie mit mangelndem Selbstbewusstsein. Oft fällt es ihnen auch schwer, stabile Beziehungen zu führen.

Die Pädagoginnen und Pädagogen von SOS-Kinderdorf setzen alles daran, dass es soweit nicht kommt. Nicht erst in Krisensituationen brauchen Kinder und ihre Eltern Hilfe. Deshalb stärkt die überparteiliche und überkonfessionelle Organisation Familien präventiv. Mit eigenen Familienzentren bietet SOS-Kinderdorf leicht zugängliche Angebote wie den sozialen Mittagstisch, offene Treffpunkte und Bildungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Eine wichtige Säule ist die Beratung – nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. SOS-Kinderdorf unterstützt in Erziehungsfragen, hilft bei Scheidungen und Trennungen und berät bei Familienkrisen.

Orientierung am individuellen Bedarf

Weitere Elemente der Familienstärkung sind ambulante Hilfsangebote. SOS-Familienhelfer und -Pädagogen begleiten überforderte Familien im Alltag und unternehmen Ausflüge mit den Kindern. Sie orientieren sich dabei immer am individuellen Bedarf und an den Möglichkeiten der Familie. Die Hilfe von SOS-Kinderdorf beginnt dabei in vielen Fällen bei den Eltern. Ihre Erziehungskompetenz so zu stärken, dass es nicht zu Krisensituationen kommt – das ist die Aufgabe.

„Wir geben Impulse, damit die Eltern selber Lösungen entwickeln können. Für manche ist es ein Eingeständnis von Schwäche, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Wir finden: Wer sich Hilfe holt, ist schlau.“

Holger Nickel
Systemischer Familientherapeut und Leitung Beratung und Treffpunkt Blomberg vom SOS-Kinderdorf Lippe

„Wir geben Impulse, damit die Eltern selber Lösungen entwickeln können. Für manche ist es ein Eingeständnis von Schwäche, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Wir finden: Wer sich Hilfe holt, ist schlau.“

Holger Nickel
Systemischer Familientherapeut und Leitung Beratung und Treffpunkt Blomberg vom SOS-Kinderdorf Lippe

Kann ein Kind tatsächlich nicht mehr bei den Eltern leben, bietet SOS-Kinderdorf in Kinderdorffamilien und Wohngruppen die Chance auf ein liebevolles neues Zuhause. Oft ist es ein langwieriger Prozess, bis die Pädagoginnen und Pädagogen einen Zugang zu den häufig verschüchterten Kindern und Jugendlichen finden. „Kinder fühlen sich durch familiäre Probleme oft traurig, wütend, wertlos oder ohnmächtig“, sagt Britt Horn, Diplom-Psychologin und Mediatorin in der Erziehungs- und Familienberatung des SOS-Familienzentrums Berlin.

Umso wichtiger, dass durch gezielte Hilfen und Angebote familiäre Eskalationen und beginnende Misshandlungen verhindert werden. Denn nur in einem liebevollen Umfeld können Kinder und Jugendliche selbstbewusst aufwachsen und Vertrauen in die Welt gewinnen.

* Name, biografische Details und Abbildungen wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quelle:
¹ Hinweis: Hiervon ausgerechnet sind rund 28.564 Inobhutnahmen aufgrund der Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge.
² Hinweis: Die Zahl „13 Minuten“ bezieht sich auf den Durchschnitt der Inobhutnahmen der vergangenen fünf Jahre und ist abgerundet.

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