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Foto (generiert mit KI): Quelle

Die Virtuelle Kinderklinik Bayern eröffnet heute schon einen Blick in die digitale Zukunft.

Porträt eines älteren grauhaarigen Arztes in seinem Büro, der über Laptop eine Videosprechstunde mit einem Patienten durchführt. Online-Konsultation mit dem Arzt für Diagnosestellung und Behandlungsempfehlungen. Telemedizin-Konzept.

Foto: Yurii Maslak/Adobe Stock

Ein Laptop, eine Kamera und eine stabile Internetverbindung – mehr braucht es manchmal nicht, um kranken Kindern in Bayern schnelle medizinische Hilfe zu ermöglichen. Die „Virtuelle Kinderklinik Bayern“, die seit fast zwei Jahren schrittweise aufgebaut wird, bringt Kinderärzte und Krankenhäuser mit fachlich besonders erfahrenen Ratgebern in bayerischen Kliniken digital zusammen. Damit hat der Freistaat ein Modell geschaffen, das zunehmend bundesweite Aufmerksamkeit erfährt. Denn viele Kliniken sehen sich unter anhaltendem wirtschaftlichen Druck. Seit dem Tiefpunkt im Jahr 2014 steigt die Zahl der in Bayern aufgestellten Klinikbetten erst ganz allmählich. Und für Familien zählt vor allem die Erreichbarkeit. Eine Studie der Technischen Hochschule Deggendorf warnte schon 2024, dass Eltern zunehmend lange Anfahrten zur Klinik in Kauf nehmen müssen. Wenn dann kein Bett für das Kind frei ist, vergehen unter Umständen wertvolle Stunden.

 

Das erste Ziel des Projektes war deshalb das Bettenmanagement. Gemeint ist damit das Aufspüren freier Betten in einer der 44 eigenständigen Kinderkliniken und Krankenhäuser mit eigenen Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin in Bayern. „In der Praxis bedeutet das, dass der einzelne Arzt oder die Ärztin nicht mehr alle Kinderkliniken im Umkreis einzeln abtelefonieren muss, um einen freien Platz zu finden“, erklärt Professor Matthias Keller von der Kinderklinik Dritter Orden Passau. Das ist besonders wichtig bei Notfällen und bei Engpässen wie beispielsweise während der Grippe- und RS-Virus-Saison. Dieses Ziel wurde kaum ein Jahr nach dem Start erreicht. Heute sind rund 95 Prozent der Bettenkapazitäten in bayerischen Kinderkliniken und Krankenhäusern mit pädiatrischen Abteilungen über das Netzwerk abrufbar.

 

Im Mittelpunkt der aktuell laufenden zweiten Phase steht die Ermöglichung telemedizinischer Konsultationen in der Intensivmedizin für Kinder. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach erläutert, was es damit auf sich hat: „Die vor Ort behandelnden Ärzte können sich in Zukunft bei schwierigen oder unklaren Fällen mit Experten in anderen Kliniken über das digitale Netzwerk zum Beispiel über Videoberatungen austauschen. So wird medizinisches Spezialwissen für alle Netzwerkbeteiligten verfügbar.“ Das System funktioniert über eine zentrale telemedizinische Kommunikationsplattform, die es erlaubt, Gespräche, Röntgenbilder und Laborwerte in Echtzeit zu übertragen. Früher mussten kleinere Krankenhäuser Kinder mit unklaren Befunden sofort in teils weit entfernte Unikliniken verlegen. Künftig schalten sich die Ärzte im regionalen Krankhaus über die Plattform mit der Universitätsklinik zusammen, übermitteln und diskutieren die Befunde, und in vielen Fällen kann das Kind in der Nähe seiner Familie bleiben. Das spart Zeit, Rettungswege und Nerven – vor allem die der Eltern.

 

Die Liste der besonders ausgebildeten Klinik-Ratgeber in Bayern wird immer länger. Aktuell wird die Virtuelle Kinderklinik um weitere Fachgebiete wie pädiatrische Intensivmedizin, den Tele-Neugeborenen Notarzt, Rheumatologie, Pneumologie, Neuropädiatrie, Infektiologie und Nephrologie erweitert. Dank ärztlicher Konzile über Regierungsbezirke hinweg und der Möglichkeit des schnellen Datenaustausches von Befunden und Untersuchungsergebnissen können die Mediziner auch im Notfall auf das Fach- und Erfahrungswissen ihren Kollegen zugreifen, selbst wenn diese weit entfernt vom Patienten behandeln. Matthias Keller aus Passau, der auch Vorsitzender des Landesverbandes der leitenden Kinderärzte Bayern ist, koordiniert die Fachgruppe, die dafür sorgt, dass sich Kinderärzte und andere Experten in Kinderkliniken schneller miteinander austauschen und auf diese Weise die kleinen Patienten und ihre Eltern besser unterstützen können. „Meine Vision ist“, sagt Keller, „dass wir trotz des ausgeprägten Fachkräftemangels unseren Behandlungserfolg mit Hilfe von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz sicherstellen können – wirtschaftlich effizient und qualitativ hochwertig.“

 

Zum Fachkräftemangel muss man wissen, dass in vielen Regionen im Alpenvorland und in der Oberpfalz Kinderärzte fehlen. Und heute schon ist jeder sechste der an einer Klinik tätigen Fachärzte und -ärztinnen für Pädiatrie und fast jeder dritte niedergelassene Kinderarzt älter als 60 Jahre. Wenn diese Mediziner in absehbarer Zeit in den Ruhestand wechseln, stehen die Kinderkrankenhäuser gerade in einem Flächenstaat wie Bayern vor der Herausforderung, die Versorgung der Jüngsten bis in den hintersten Winkel des Landes auf gewohnt hohem Niveau aufrechtzuhalten. Genau dabei soll die Technik helfen. „Ich möchte nicht“, sagt Keller sehr bestimmt, „dass ein Kind in Bayern stirbt, weil die Versorgung unzureichend ist.“

Karen Engelhardt

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