Neues Serious Game: Tribunal 45 – Working on Justice
Foto: Tim Händel
Im Serious Game schlüpfen Spieler und Spielerinnen in die Rolle von Aline Chalufour. Die Juristin war während des Internationalen Militärtribunals für die französische Anklage tätig. Das fand ab November 1945 im Saal 600 des Nürnberger Justizgebäudes statt. Angeklagt waren 24 hohe Vertreter des nationalsozialistischen Regimes, wie z. B. Albert Speer oder Hermann Göring. Zwar ergriff Aline Chalufour im Gerichtsaal nie selbst das Wort, sie arbeitete aber im Hintergrund an der französischen Beweisführung. Ihr Spezialgebiet war das Thema Geiselerschießungen. Sie versuchte die mörderischen Vergeltungsaktionen der Nationalsozialisten an westeuropäischen Zivilisten und Zivilistinnen zu beweisen.

Grafik: Memorium Nürnberger Prozesse
Unterwegs im Nürnberger Justizgebäude
Aufgabe der Spieler und Spielerinnen ist es, Aline Chalufour bei ihrer Arbeit zu unterstützen und die Schuld der Angeklagten zu beweisen. In Diskussionsspielen mit Zeugen, Verteidigern und Chefanklägern gilt es, strategische Entscheidungen zu treffen. Kombinationsgabe ist beim Zusammenstellen von Beweismappen gefordert. Außerdem können Spielende das historische Nürnberger Justizgebäude mit dem berühmten Saal 600 erforschen, verborgene Gegenstände finden und historische Personen treffen: Neben gelangweilten Militärpolizisten auch gestresste Dolmetscherinnen und streikende Stenotypistinnen.

Grafik: Memorium Nürnberger Prozesse
Völkerstrafrecht spielen? Die Möglichkeiten dieses Serious Games
Entwickelt wurde Tribunal 45 vom Memorium Nürnberger Prozesse und dem Berliner Games-Studio Playing History. Die Firma hat viel Erfahrung in der Serious-Games-Sparte, sie gewann 2024 den Deutschen Computerspielepreis und 2025 den Grimme Online Award. Die Experten von Playing History sind überzeugt, dass Spiele ein geeignetes Mittel sind, um auch komplexe Zusammenhänge niederschwellig zu vermitteln.

Grafik: Memorium Nürnberger Prozesse
Das abstrakte Thema Völkerstrafrecht wird im Spiel über biografische Zugänge greifbarer. Durch Gespräche mit historischen Personen im Spiel werden etwa die verschiedenen Perspektiven der Alliierten auf den Hauptkriegsverbrecherprozess fast nebenbei deutlich. Beim Spielen wird klar, dass Völkerstrafrecht von Menschen gemacht und das Ergebnis von Kompromissen ist. An vielen Stellen werden Spieler und die Spielerinnen herausgefordert, selbst Position zu beziehen und zu entscheiden, wie Völkerstrafrecht ihrer Meinung nachgestaltet werden soll. Spielerisch und historisch informiert wird so zum Nachdenken über die Vergangenheit und Zukunft von Völkerstrafrecht eingeladen.
Fakt und Fiktion: Ist das alles so passiert?
Tribunal 45 basiert auf historischen Quellen und aktueller Forschungsliteratur. Orientierung bei der Recherche gaben insbesondere die Prozessprotokolle sowie Ton- und Filmaufnahmen des Hauptkriegsverbrecherprozesses. Wichtig für die Erarbeitung der Gespräche und Diskussionen im Spiel waren auch Autobiografien und Zeitzeugeninterviews. Um zentrale Fragen des Völkerstrafrechts im Spiel erfahrbar zu machen, wurden die historischen Fakten in eine fiktive Erzählung rund um die Protagonistin Aline Chalufour eingebettet.

Foto: Jennifer Düing
Spielen auf Deutsch und Englisch in 30 Minuten
Das Serious Game ist in der App Memorium Nuremberg Trials auf Google Play Store und Apple App Store kostenlos und öffentlich verfügbar. Die Spieldauer ist variabel. Das Spiel kann in 30 Minuten durchgespielt werden. Man kann auch mehr als 60 Minuten in der Spielewelt von Tribunal 45 verbringen. So kann das Spiel auf dem eigenen Handy auch innerhalb der Dauerausstellung genutzt werden. Das Spiel richtet sich in Deutsch und Englisch in erster Linie an Jugendliche ab der Oberstufe sowie an Erwachsene und ist für Einzelpersonen konzipiert.

Foto: Jennifer Düing
Das Memorium Nürnberger Prozesse
Das Memorium Nürnberger Prozesse informiert am historischen Ort über das Gerichtsverfahren vor dem Internationalen Militärgerichtshof, erweitert aber seinen Fokus auch auf die 1946–49 durchgeführten Nürnberger Nachfolgeprozesse sowie deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Völkerstrafrechts. Auch der berühmte Saal 600, in dem der Prozess vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 stattfand, ist seit 2020 Teil der Dauerausstellung.
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