Milchsäurebakterien für die Scheide: welche gut sind und wie sich die Scheidenflora aufbauen lässt
Foto: Döderlein/KI-generiert
Liegt er darüber, kann das auf eine gestörte Flora hinweisen.[1] Welche Milchsäurebakterien wichtig sind, wie sich ein Mangel zeigt und was beim Aufbau tatsächlich hilft.
Was sind Döderlein-Bakterien?
Döderlein-Bakterien sind die Milchsäurebakterien der Vaginalflora. Benannt sind sie nach dem Gynäkologen Albert Döderlein, der bereits 1892 ihre wichtige Bedeutung für die Vaginalflora beschrieb.[4] Damit legte er den Grundstein für unser heutiges Verständnis vom vaginalen Mikrobiom.
Milchsäurebakterien nutzen unter anderem Glykogen aus den Zellen der Scheidenschleimhaut und bilden daraus Milchsäure. So tragen sie zu einem sauren pH-Wert bei. Dieser erschwert die Vermehrung bestimmter unerwünschter Mikroorganismen (wie Pilze und Bakterien) und unterstützt damit die natürliche Schutzfunktion der Vaginalflora.[5]

Grafik: Döderlein
„Döderlein-Bakterien sind die Milchsäurebakterien der Scheidenflora, benannt nach dem Gynäkologen Albert Döderlein, der sie 1892 erstmals beschrieb.“
Welche Milchsäurebakterien spielen in der Vaginalflora eine Rolle?
In der Vaginalflora kommen verschiedene Arten von Milchsäurebakterien, vor allem Lactobazillen, vor. Diese Milchsäurebakterien werden auch als Döderlein-Bakterien bezeichnet. Besonders häufig werden Lactobacillus crispatus, L. gasseri, L. jensenii und L. inersals dominante Arten beschrieben. Auch die S2k-Leitlinie zur bakteriellen Vaginose der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hebt diese Arten hervor.[1] Welche Bakterienart überwiegt, ist von Frau zu Frau verschieden und kann sich auch im Verlauf des Menstruationszyklus verändern.
Darüber hinaus werden auch andere Lactobacillus-Arten wie L. rhamnosus, L. acidophilus und L. plantarum im Zusammenhang mit der Vaginalflora untersucht.[6–8] Bei Präparaten ist deshalb nicht nur die Bakterienart relevant. Auch der konkrete Stamm und die Art der Anwendung spielen eine Rolle.
Woran erkennt man einen Mangel an Milchsäurebakterien?
Das erste messbare Anzeichen ist der pH-Wert. Im Normalfall liegt dieser zwischen 3,5 und 4,5. Ein Wert über 4,5 kann ein Hinweis auf eine gestörte Scheidenflora sein.[1] Teststreifen für die Anwendung zu Hause sind in der Apotheke erhältlich.
Ein Ungleichgewicht wird häufig durch veränderten Ausfluss, einen unangenehmen, teilweise fischigen Geruch sowie Brennen oder Juckreiz spürbar. Die bakterielle Vaginose zählt weltweit zu den häufigsten Erkrankungen der Vagina. Die Prävalenz liegt bei sexuell aktiven Frauen zwischen 23 und 29 Prozent.[1]
Nicht jede Veränderung ist eine Infektion. Da sich die Symptome mit denen eines Scheidenpilzes überschneiden können, ist eine eindeutige Zuordnung oft schwierig. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden sollte eine gynäkologische Abklärung erfolgen.

Grafik: Döderlein
„Ein vaginaler pH-Wert über 4,5 gilt als Hinweis auf eine gestörte Scheidenflora.“
Was bringt die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht?
Verschiedene Faktoren können den pH-Wert verändern oder die Zahl der Laktobazillen verringern und so das natürliche Gleichgewicht stören.
Diese fünf Einflussfaktoren sind die häufigsten:
- Antibiotika: Wirken nicht nur gegen den Erreger, sondern auch gegen schützende Laktobazillen.
- Menstruation und Geschlechtsverkehr: Blut und Sperma sind weniger sauer als das Scheidenmilieu und können den pH-Wert kurzfristig anheben.
- Seifen, Duschgels und Intimsprays: Können das empfindliche Scheidenmilieu reizen oder verändern. Zum Waschen des Intimbereichs reicht Wasser aus.
- Hormonelle Veränderung: Schwangerschaft, Stillzeit, Wechseljahre oder hormonelle Verhütung können den Östrogenspiegel beeinflussen und damit die Bedingungen der Laktobazillen verändern.
Warum sich die Flora in den Wechseljahren verändert
Mit sinkendem Östrogenspiegel verändert sich auch die Scheidenschleimhaut. Sie lagert weniger Glykogen ein, welches den Laktobazillen als Nahrungsgrundlage dient. Dadurch kann ihre Zahl abnehmen, während der pH-Wert steigt. Nach der Menopause liegt dieser häufig über 5.[5]
Je nach Untersuchung sind 27 bis 84 Prozent der Frauen nach den Wechseljahren von Intimbeschwerden betroffen.[5]
Milchsäure oder Milchsäurebakterien – was ist der Unterschied?
Milchsäure kann den vaginalen pH-Wert direkt senken. Milchsäurebakterien bilden selbst Milchsäure und können dadurch ebenfalls den pH-Wert beeinflussen.[2]
Eine randomisierte Doppelblindstudie mit 159 Frauen verglich eine vaginale Lactobacillus-Tablette mit einer pH-senkenden Vaginaltablette. Der Unterschied zeigte sich beim Zustand der Flora: Nach der Behandlung wurde bei 32 Prozent der Frauen in der Lactobacillus-Gruppe und bei 26 Prozent in der Vergleichsgruppe eine normale Vaginalflora festgestellt.[2]
Wie baut man die Scheidenflora auf?
Zur Unterstützung der Vaginalflora kommen je nach Situation lokale und orale Präparate infrage. Die Leitlinie formuliert zurückhaltend, aber klar: Milchsäure und Laktobazillen können nach Therapieabschluss zur Regeneration der Scheidenflora komplementär angewendet werden.[1]
In einer placebokontrollierten Studie mit 160 Frauen waren die eingesetzten Lactobacillus-Stämme bei 82 Prozent nach der Anwendung vaginal nachweisbar, pH-Wert und Nugent-Score sanken signifikant.[3]
Sinnvolle Zeitpunkte können die Tage nach einer Antibiotikatherapie, nach der Menstruation und nach einer behandelten Infektion sein, idealerweise über mehrere aufeinanderfolgenden Tage statt als einzelne Gabe.
Döderlein® Vaginalzäpfchen PLUS: die lokale Anwendung
Döderlein® Vaginalzäpfchen PLUS ist ein hormonfreies Medizinprodukt zur Unterstützung des natürlichen vaginalen pH-Werts und der Vaginalflora. Das PLUS steht für die Kombination aus drei Bestandteilen in einem Zäpfchen: Milchsäurebakterien, Milchsäure und Calendula.
Milchsäure unterstützt einen ausgeglichenen vaginalen pH-Wert. Die Formulierung enthält außerdem vier ausgewählte Milchsäurebakterien-Stämme:L. acidophilusHA-122, L. plantarum HA-119, L. casei HA-108 und S. thermophilus HA-110. Ergänzt wird die Formulierung durch pflegende Inhaltsstoffe wie Calendula.
Angewendet wird ein Zäpfchen pro Tag über mindestens fünf aufeinanderfolgende Tage, vorzugsweise abends vor dem Schlafengehen. Geeignet ist es für Frauen, die ihr vaginales pH-Gleichgewicht unterstützen möchten oder zum Beispiel nach der Menstruation oder nach dem Geschlechtsverkehr Veränderungen im Intimbereich wahrnehmen.
Döderlein® Female Biotic: Milchsäurebakterien zum Einnehmen
Döderlein® Female Biotic ist ein Nahrungsergänzungsmittel mit acht Milchsäurebakterien-Stämmen und sechs Milliarden koloniebildenden Einheiten pro Kapsel. Enthalten sind Lactobacillus crispatus LCR04 und L. gasseri LGS06 sowie L. rhamnosus LR06 und LR04, L. acidophilus LA02, L. fermentum LF5 und L. plantarum LP01 und LP14.
Enthalten sind außerdem Vitamin B2, Vitamin B6 und Biotin. Riboflavin und Biotin tragen zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei. Vitamin B6 trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit und zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Eingenommen wird täglich eine Kapsel mit einem Glas Wasser.

Foto: Döderlein/KI-generiert
„Döderlein® Female Biotic enthält acht ausgewählte Milchsäurebakterien-Stämme, darunter Lactobacillus crispatus und L. gasseri, zwei häufig in der Vaginalflora beschriebene Arten.“
Häufige Fragen
Milchsäurebakterien für die Scheide oral einnehmen oder vaginal anwenden?
Beides ist gebräuchlich. Vaginalzäpfchen bringen die Milchsäurebakterien direkt in die Scheide. Oral eingenommene Präparate werden dagegen geschluckt. Die Leitlinie beschreibt beide Wege als mögliche ergänzende Maßnahme nach einer Therapie.[1]
Wie lange dauert der Aufbau der Scheidenflora?
Wie schnell sich die Scheidenflora stabilisiert, hängt von der Ursache der Störung und der gewählten Anwendung ab. Vaginalzäpfchen werden häufig über mehrere aufeinanderfolgenden Tage angewendet. In einer Studie mit 160 Frauen waren die zugeführten Bakterienstämme nach einer fünftägigen Anwendung bei 82 Prozent der Teilnehmerinnen nachweisbar.[3]
Darf man Milchsäurebakterien in der Schwangerschaft anwenden?
Für Döderlein® Vaginalzäpfchen PLUS liegen keine ausreichenden Untersuchungen zur Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit vor. Deshalb sollte die Anwendung in dieser Zeit vorab mit der gynäkologischen Praxis abgestimmt werden.
Kann man Vaginalzäpfchen auch während der Menstruation anwenden?
Während der Menstruation werden Vaginalzäpfchen nicht angewendet. Häufig empfiehlt es sich, mit der Anwendung nach Ende der Blutung zu beginnen, wenn der pH-Wert sich wieder normalisiert.
Quellen:
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), OEGGG, SGGG (2023). S2k-Leitlinie Bakterielle Vaginose, AWMF-Registernummer 015-028, Stand Juli 2023.
- Hemalatha R. et al. (2012). Effectiveness of vaginal tablets containing lactobacilli versus pH tablets on vaginal health and inflammatory cytokines: a randomized, double-blind study. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. Randomisierte Doppelblindstudie, n=159.
- Tomusiak A. et al. (2015). Efficacy and safety of a vaginal medicinal product containing three strains of probiotic bacteria: a multicenter, randomized, double-blind, and placebo-controlled trial. Drug Des Devel Ther. Randomisiert, placebokontrolliert, n=160.
- Döderlein A. (1892). Das Scheidensekret und seine Bedeutung für das Puerperalfieber. Zentralblatt für Bakteriologie, Band 11, S. 699.
- Carlson K., Nguyen H. (2024). Genitourinary Syndrome of Menopause. StatPearls Publishing, NCBI Bookshelf. Übersichtsarbeit.
- Rapisarda A.M.C. et al. (2023). Lacticaseibacillus rhamnosus CA15 (DSM 33960) strain as a new driver in restoring the normal vaginal microbiota: A randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Front Surg. Randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert.
- Vicariotto F. et al. (2014). Effectiveness of the two microorganisms Lactobacillus fermentum LF15 and Lactobacillus plantarum LP01, formulated in slow-release vaginal tablets, in women affected by bacterial vaginosis: a pilot study. J Clin Gastroenterol. Placebokontrollierte Pilotstudie.
- Mändar R. et al. (2023). A Healthy Vaginal Microbiota Remains Stable during Oral Probiotic Supplementation: A Randomised Controlled Trial. Randomisiert, placebokontrolliert, dreifach verblindet, n=50. Untersucht wurden Lactobacillus acidophilus La-14 und Lacticaseibacillus rhamnosus HN001 im Zusammenhang mit der vaginalen Mikrobiota.
Hinweis: Döderlein® Vaginalzäpfchen PLUS ist ein Medizinprodukt. Gebrauchsanweisung beachten. Döderlein® Female Biotic ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden im Intimbereich, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei bestehenden Erkrankungen ist eine ärztliche Abklärung angeraten.
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