Heute scheint beinahe jedes Körperteil sein eigenes Reinigungsprodukt zu besitzen: Duschgel, Badeöl, Shampoo, Gesichtsmilch. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass es einzig und allein Seife gab. Noch die Großeltern wuschen damit Haut wie Haare. Seit Jahrtausenden spielt Seife eine zentrale Rolle in der Körperpflege. Inzwischen erlebt sie eine bemerkenswerte Renaissance. Nicht nur, weil sie nachhaltig ist und ganz ohne Plastikverpackung auskommt. Seifen, die wie früher in traditioneller Handarbeit hergestellt werden, bringen ein Stück Luxus in den Alltag. Ihre Zutaten sind sorgfältig ausgewählt, die Stücke werden mit alten Stempeln verziert, an der Luft getrocknet und zum Schluss von Hand verpackt. Der feine Schaum, die edlen Düfte ausgewählter Pflanzen – all das macht die Benutzung zu einem sinnlichen Erlebnis. Warum also nicht eine Auszeit im Wellnesshotel mit einer neuen Schönheitsroutine rund um die Seife anfangen?
Seife hat eine lange Geschichte. Ihre Ursprünge reichen rund 4500 Jahre zurück. Die Sumerer stellten aus Pflanzenasche und Ölen eine Vorform her, die sie als Heilsalbe für Wunden verwendeten. Es waren aber erst die Römer, die im zweiten Jahrhundert nach Christus die reinigende Wirkung dieser Mischung entdeckten. Im siebten Jahrhundert perfektionierten arabische Seifenhersteller das Handwerk, indem sie die Zutaten in Lauge so lange kochten, bis eine feste Masse entstand, die sich in Stücke schneiden ließ. Später gelangten die Rezepte nach Europa. Vor allem in den Mittelmeerländern entstanden Zentren der Seifensiederzunft. Kräuter und ätherische Öle verfeinerten die Mischungen, nun duftete die Seife auch gut.
Reinheitsgebot für die Seife
Erst waren die kostspieligen Seifen nur dem reichen Adel vorbehalten, mit dem Aufkommen der Badekultur und der öffentlichen Badehäuser kamen auch einfachere Leute in den Genuss. Als im 14. Jahrhundert Seuchen wüteten, geriet die Seife wieder in Vergessenheit. Die Menschen scheuten das Wasser, weil sie vermuteten, dass es zusammen mit Krankheitserregern ins Körperinnere eindringen könne. Lieber rieben sie sich mit Tüchern trocken ab und bestäubten sich gegen die üblen Gerüche mit Puder.
In Frankreich entwickelte sich Marseille zur Seifenmetropole Frankreichs. 1688 erließ König Ludwig XIV. das noch heute bekannte Reinheitsgebot. Hochwertige Marseille-Seife musste mindestens 72 Prozent reines Olivenöl enthalten. Sie wurde in großen Kupferkesseln gesiedet, anschließend in Formen gegossen und an der Luft getrocknet. Ein erschwingliches Alltagsprodukt wurde Seife aber erst im 19. Jahrhundert, als die wichtige Zutat Soda industriell hergestellt werden konnte.
Während man um 1900 mit blumigen Düften wie Rose, Veilchen oder Lilie parfümierte Seifen besonders schätzte, waren später bis in die 1970er-Jahre in praktisch jedem Haushalt eine Fenjala, eine Lux oder eine nach Lavendel duftende Mouson-Feinseife mit dem typischen Postkutschen-Aufdruck zu finden. Klassische Seifenstücke waren bis in die 1970er-Jahre ein Verkaufsschlager, bevor Flüssigseifen immer mehr in Mode kamen.
Berühmte Seifen, die man kennen sollte Quadratisch, praktisch und gut
Die älteste und heute noch produzierende Seifenfabrik ist Klar aus Heidelberg, die 1840 gegründet wurde. Auch die Parfümeriekette Douglas hat ihre Wurzeln in der Seifenherstellung. Im Jahr 1821 wanderte der Schotte John Sharp Douglas nach Hamburg aus, gründete dort eine Manufaktur und wurde mit seiner „Himmelsseife“ berühmt.
Heute gibt es wieder einen wachsenden Markt für edle Luxusseifen und hochwertige Naturprodukte. Herrlich duftende Seifen mit zartem, cremigem Schaum, gefertigt aus natürlichen Ingredienzen, machen die tägliche Körperpflege zu einem Genussritual. Sehr beliebte Seifenmarken in Deutschland sind Lux, Dove, Pears, Dettol und Lifebuoy. Nach wie vor greifen viele Seifenfans aber zu den guten alten Klassikern, die bereits bei den Großeltern in der Seifenschale lagen: Savon de Marseille.
Die Savon de Marseille besteht zu 72 Prozent aus Olivenöl.
Foto: Pixabay
Die Savon de Marseille verdankt ihr großes Renommee dem Reinheitsgebot des Sonnenkönigs Ludwig XIV. aus dem 17. Jahrhundert. Echte Marseille-Seife besteht hauptsächlich aus Olivenöl und gilt als hautschonend. Sie darf nur natürliche Farb- und Zusatzstoffe enthalten und ist dadurch hundertprozentig vegan. Diese Seife wird nicht nur zur Körperpflege, sondern auch zum Waschen von Wäsche verwendet.

Die Aleppo-Seife wird seit über tausend Jahren in Syrien hergestellt. Foto: Pixabay
Aleppo-Seife
Noch viel älter ist die Aleppo-Seife mit ihrer typischen bräunlich-gelben Farbgebung. Seit über tausend Jahren wird sie in Syrien hergestellt. Die Hauptzutaten sind Olivenöl und Lorbeeröl. Die Mischung wird in großen Kesseln gekocht, dann auf eine große Fläche gegossen, mit Holzspateln geglättet und monatelang luftgetrocknet. Dem Lorbeeröl wird eine hautberuhigende, antibakterielle und antiseptische Wirkung zugeschrieben, während das Olivenöl für eine geschmeidige Haut sorgt.
Kernseife
Kernseife ist eine geruchsneutrale Seife, die frei von überschüssigem Fett ist. Sie wurde früher auch „Natron-Seife“ genannt. Wegen ihrer Reinigungswirkung eignet sie sich besonders für den Haushalt und die Wäschepflege. Als Pflegeseife für den Körper ist sie wegen der fehlenden Pflegestoffe eher ungünstig.
Speick-Seife
Eine der ältesten Seifen hierzulande ist die „Original Speick-Seife“, die ihren Namen von der Alpenpflanze Speick (Valeriana celtica) hat. Dem Heilkraut wird eine entspannende und pflegende Wirkung nachgesagt. 1928 entwickelte Unternehmensgründer Walter Rau den Duftklassiker für eine natürliche und milde Reinigung. Die Seife ist angereichert mit Lavendelöl und einer pflegenden Wachscreme mit Honig, Bienenwachs und Glycerin.

Für häufiges Händewaschen ist die stark rückfettende Seife geeignet. Foto: Pixabay
Arztseife
Diese milde und stark rückfettende Seife wurde für häufiges Händewaschen entwickelt. Sie schützt die Haut vor dem Austrocknen und hat häufig Inhaltsstoffe wie Pflanzenöle, Buttermilch oder Bienenwachs. Der Name „Arztseife“ leitet sich davon ab, dass sie ursprünglich für Berufsgruppen wie Ärzte oder Pflegekräfte entwickelt wurde, deren Hände durch häufiges Waschen besonders beansprucht wurden.
Susanne Hauck
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