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Interview

Vom Getränk bis zum Menu

Foto: Kai Stiepel

Food-Stylist Guido Gravelius setzt Lebensmittel und Kulinarik in Szene

Den neuen Burger, das tolle Eis oder das erfrischende Getränk besonders ansprechend aussehen zu lassen, das ist der Job von Guido Gravelius. Als Food-Stylist ist er seit zwei Jahrzehnten für große Marken, junge Start-ups und bekannte Verlage im Einsatz. Mit Verve und Liebe zum Produkt. Im Interview erzählt er, wie er zu seiner ungewöhnlichen Tätigkeit gekommen ist, was ihm bei der Arbeit besonders viel Freude macht und welches Gericht ihn beim Shooting vor ziemliche Herausforderungen stellt.

Guido Gravelius

Foto: Privat

Herr Gravelius, wie würden Sie Ihren Job jemandem beschreiben, der noch nie etwas von Food-Styling gehört hat?
Guido Gravelius: Ich sage immer: Ich mache Essen schön für Film und Fernsehen. Letztendlich ist es aber dennoch eine ziemlich breite Range, die man so hat. Kochbücher zum Beispiel sind für viele Food-Stylisten der Einstieg, aber da ist der große Hype inzwischen vorbei. Hauptsächlich arbeite ich im Moment für die Werbung, aber wenn ein Buchprojekt passt und eine gute Sache ist, dann mache ich das natürlich auch.

Wie sind Sie eigentlich zum Food-Styling gekommen – wie war Ihr Weg dahin?
Ich mache das ja schon recht lange und ich wusste über eine Bekannte, die in dem Bereich tätig war, dass es das gibt. Die meinte auch immer, dass das etwas für mich wäre. Aber ich bin dann doch erst mal Gastronom geworden, weil Food-Styling damals noch so einen mystischen Ruf gehabt hat und für mich irgendwie nicht so richtig greifbar gewesen ist. Bis mir dann die Top-Gastronomie, in der ich lange gearbeitet habe, zu stressig geworden ist und ich das Gefühl hatte, dass ich etwas anderes machen muss. Und da kam mir auch wieder die Bekannte in den Sinn und ich habe dann doch mit dem Food-Styling angefangen, mit kleinen Werbejobs und den ersten Kochbüchern.

Heute hat man ja das Gefühl, bei Social Media ist jeder sein eigener Food-Stylist. Hat das irgendeine eine Auswirkung auf Sie als Profi?

Nein, denn da gibt es schon Unterschiede. Wenn man einen Dreh hat für einen bekannten Eishersteller, das muss man können. Da muss man am Set liefern. Da sitzt jeder Handgriff, denn jedes Grad Temperaturunterschied ist zum Beispiel tödlich. Da steht auch eine Filmcrew mit Highspeed-Kamera am Set, das sind Zehntausende Euro, die täglich auf dem Spiel stehen. Wenn da der Food-Stylist versagt, hat er ein großes Problem.

Von der Ausbildung her haben Sie ja einen sehr fundierten Background im Gastro-Bereich. Hilft Ihnen das bei Ihrer Arbeit heute?
Das kann man schon sagen. Ich habe eine Kochlehre in der Sternegastronomie gemacht, bei der man darauf getrimmt wird, besonders akkurat zu arbeiten, und das hilft extrem. Ich arbeite sehr strukturiert und bin immer sehr gut vorbereitet und das ist sehr wichtig, um nicht unterzugehen, wenn es stressig wird.

Wie ist das, wenn Sie einen Auftrag von einem Unternehmen bekommen: Legen die dann ganz genau fest, wie etwas auszusehen hat oder können Sie auch kreativ sein?
Das ist unterschiedlich. Es gibt natürlich große Firmen, bei denen klar ist, wo die Reise hingeht. Da ist bei dem Produkt alles ganz genau vorgegeben: So und so muss der Käse aussehen, so der Salat, da liegt meine Kreativität etwa in 15 Prozent Abweichung. Es gibt aber auch Jobs, bei denen man eine große Freiheit hat, gerade bei Start-ups und jungen Unternehmen. Da kann man auch einiges ausprobieren.

Die von Guido Gravelius gestylten Lebensmittel sind hingebungsvoll inszeniert.

Foto: Kai Stiepel

Was lieben Sie an Ihrem Job besonders, ist es das Akkurate, das Sie schon erwähnt haben?
Ja, das Akkurate mag ich sehr gerne, zum anderen gibt es da aber auch dieses Perfekt-Unperfekte. Die Produkte so darzustellen, als wären sie eben nicht millimeterweise hin gerückt, sondern sie zufällig aussehen zu lassen. Das Schöne ist, dass jede Aufgabe immer irgendwie anders ist, es wird nie langweilig. Man hat immer neue Aufgaben, für die man eine Lösung finden muss. Man hat auch sehr oft mit verschiedenen Menschen und Teams zu tun, die alle einen unterschiedlichen Stil verfolgen. Es ist die ganze Vielfalt, die an dem Job so wahnsinnig Spaß macht.

Wie sieht denn so ein typischer Auftrag oder einfach der Tag eines Food-Stylisten aus?
Es geht meistens mit der Besprechung mit den Kunden, mit der Agentur und den Kollegen los, und dann kommt meine Vorbereitungszeit, in der ich überlege, was ich brauche, einkaufen oder mitbringen muss. In der Früh am Set wird dann erst mal vom Team ausgeleuchtet, ich mache ein grobes Modell zum Einstellen, dann kommt noch mal ein Lichttest und dann stelle ich das Original-Motiv ein. Man ist dann immer der sofortigen Bewertung ausgesetzt, das heißt, mehrere Leute sagen ihre Meinung dazu, und dann führt es Schritt für Schritt zu dem Ergebnis, das man gerne hätte.

Gibt es eigentlich Produkte, die besonders schwierig zu präsentieren sind?

Also, Lasagne ist nicht gerade mein Favorit (lacht). Entweder macht man es so, dass es so richtig werblich aussieht, dann ist es irgendwie unnatürlich – oder es sieht einfach schrecklich aus, so ein zusammengewürfelter Batz. Es ist wirklich sehr schwer, Lasagne lecker aussehen zu lassen, und ich habe es auch nur sehr selten wirklich gut von Kollegen gesehen.

Wie alle von Guido Gravelius gestylten Lebensmittel sind
auch Austern hingebungsvoll inszeniert.

Foto: Kai Stiepel

Wird nach der Produktion eigentlich alles aufgegessen, was Sie stylen?

Ich bin sehr bedacht auf Nachhaltigkeit und das zieht sich auch durch die meisten Produktionen. Das heißt, die Einkäufe im Rahmen zu halten – und wenn Essbares übrig bleibt, dann wird das den Leuten mit nach Hause gegeben, es wird am Set gegessen oder bei großen Mengen wird das auch mal an die Tafel oder an bedürftige Leute weitergegeben.

Wenn Sie sich privat etwas zu essen machen: Legen Sie da auch noch Wert auf die Optik oder sagen Sie nur: Hauptsache, es schmeckt?
Ich koche sehr viel, auch zum Runterkommen, wenn ich abends zu Hause bin, und ja – auch da achte ich darauf, dass ich frische Produkte habe und es gut aussieht auf dem Teller. Das unterscheidet mich nicht von den Leuten, für die wir die Arbeit machen: Es soll einfach lecker aussehen.

Das Gespräch führte Kai-Uwe Digel.

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