Auf den ersten Blick ist Ostbayern keine Region für touristische Genussrad- oder harmonische Rennradrunden. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt eine Region, die vor allem Gravelbikern alles bietet, was das Herz begehrt: stille Wirtschaftswege, ausgedehnte Schotterpisten, geheimnisvolle Forstwege, sanft geschwungene Hügel und unerwartete Ausblicke über urwüchsige Flusstäler.

Eindrücke aus dem Naabtal, eine Flußoase in der Nähe von Regensburg. Foto: Andreas Friedrich
Zwischen der Donau im Süden und dem Bayerischen Wald im Norden verbinden sich Naturraum, Kulturgeschichte und ländliche Lebensart zu Landschaften, die man am besten mit dem Gravelbike erschließt. In den Alpen geben die Berge den Takt vor, in Ostbayern ist es die kleingegliederte Landschaft: viele kleine Steigungen statt ein einziger Pass, hoher Waldanteil und viele Fluss- und Bachtäler oft mit begleitenden Radrouten. Daher ist Gravelbiken in Ostbayern auch in immer heißeren Sommern für das eigene Körperklima verträglich. Nähe zur Natur, Entschleunigung, Entdeckung – und am Ende ein Gefühl von echter, eigener Route ohne großen Auftrieb abseits von „Overtourism“.
Tagestouren in Niederbayern
Donau-Schotterklassiker: Deggendorf – Straubing – Vilshofen (ca. 130 km)
Diese lange, genussvolle Runde entlang der Donau beginnt in Deggendorf und folgt zunächst dem mäandernden Flusslauf Richtung Straubing. Felder wechseln sich mit Flussauen ab, Altwasser und Vogelparadiese säumen den Weg. In Straubing lohnt sich ein kurzer Bummel durch die historische Altstadt. Über Vilshofen schließt sich der Kreis zurück nach Deggendorf. Die Tour kombiniert befestigte Radwege mit feinem Schotter und kurzen Abschnitten auf ruhigen Landstraßen. Charakter: lang, flach, ideal für frühe Saison. Highlights: Donauauen und Stadtbummel in Straubing.

In der Dreiflüssestadt Passau beginnt die Vorlandrunde, wohin sie auch wieder zurückführt. Foto: Tourismusverband Ostbayern/Gerhard Illig
Vorlandrunde: Passau – Schloss Ortenburg – Fürstenstein (ca. 100 km)
Start und Ziel sind in Passau, der Dreiflüssestadt mit barockem Charme. Über ruhige Wirtschaftswege geht es Richtung Schloss Ortenburg, ein stilles Juwel. Die Strecke windet sich durch Waldstücke und Feldfluren im Vorland des Bayerischen Walds, bevor sie über Schotterpassagen bei Fürstenstein zurückführt. Charakter: technisch moderat, viele Höhenmeter im Vorland. Highlights: Passauer Altstadt und Schloss Ortenburg.
Gäuboden-Cross: Straubing – Bogen – Wiesenfelden (ca. 110 km)
Diese Runde erschließt den legendären Gäuboden, ein fruchtbares Ackerland mit traditioneller Landwirtschaft. Über breite Schotterwege und Feldränder führt die Strecke nach Bogen, dort entlang der Isarauen nach Wiesenfelden und zurück nach Straubing. Ideal in der späten Saison, wenn die Feldfrüchte den Horizont bereichern. Charakter: flach bis hügelig, Klassiker für lange Tage. Highlights: Isarauen und offene Landschaften.
Wald- und Moorrunde: Grafenau – Spiegelau – Mauth (ca. 95 km)
Am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald bewegt sich diese Runde zwischen Waldwegen, Moorlandschaften und einsamen Abschnitten. Grobe Schotterpassagen wechseln mit Waldpfaden, immer wieder öffnen sich Ausblicke über unberührte Natur. In Spiegelau lohnt sich ein Einkehrstopp. Charakter: naturbelassen, technisch anspruchsvoll. Highlight: Waldidylle und Moorlandschaften.
In Kallmünz mit seiner malerischen Lage – hier lernten sich Wassily Kandinskiy und Gabriele Münter kennen – hat man die Qual der Wahl zwischen Vils- und Naabtal.
Foto: Andreas Friedrich
Tagestouren in der Oberpfalz
Naabtal Gravel: Schwandorf – Burglengenfeld – Nabburg (ca. 90 km)
Dem Flusslauf der Naab folgend, bietet diese Tour ein fließendes Wechselspiel aus Flusslandschaften, sanften Hügelsprüngen und ruhigen Schotterwegen. Burglengenfeld und Nabburg mit ihrer historischen Bausubstanz laden zum Verweilen ein. Technisch ist die Route angenehm, rhythmisch, mit vielen langen, rollenden Abschnitten. Charakter: flach bis wellig, sehr flüssig zu fahren. Highlights: Naabufer und mittelalterliche Ortskerne.
Oberpfälzer Holz- und Steinrunde: Weiden – Neustadt – Vohenstrauß (ca. 105 km)
Ein Mix aus Waldpassagen rund um Weiden in der Oberpfalz, gefolgt von leichten Steigungen Richtung Vohenstrauß. Schotterwege durch dichte Buchenwälder wechseln mit Panoramablicken über Steinriegel und offene Felder im Oberpfälzer Land. Charakter: technisch moderat, landschaftlich vielfältig. Highlights: Waldpassagen und Panoramaausblicke.

Das stille Tal der Lauterach ist ein grüner Radeltraum. Foto: Andreas Friedrich
Rund um den Hirschwald (ca. 80 km)
Entlang von Lauterach und Vils umrundet man den Naturpark Hirschwald mit den Stationen Schmidmühlen, Kastl und Amberg. Wer zusätzliche Höhenmeter nicht scheut, nutzt die Waldwege nördlich des Lauterachtals und entdeckt die „Oberpfälzer Toskana“ auf der Etappe nach Kastl. Charakter: technisch moderat mit sportlicherer Variante. Highlight: Das stille Lauterachtal.

Das Laabertal westlich von Regensburg ist ein Kleinod für Rad- und Wandertouren. Foto: Andreas Friedrich
Naab- und Laabertalrunde von Regensburg (ca. 60 km)
Von Regensburg aus geht es erst die Ostseite des Naabtals entlang bis Pielenhofen, dann über Eglsee steil hinunter ins Laabertal – eine echte Flusslandschaftsperle. Mal rechts, mal links der Laaber folgend kommt man über Sinzing wieder retour nach Regensburg. Charakter: meist gemütlich mit sportlichem Abschnitt. Highlights: lauschige Flusstäler in Großstadtnähe.

Die Ostbayern-Querung führt unter anderem durch Weiden. Foto: Adobe Stock

Deggendorf ist der Startpunkt der mehrtägigen, mitunter recht herausfordernden Route „Donau-Bayerwald-Traum“. Foto: Adobe Stock
Die Ostbayern-Querung (4 bis 5 Tage, ca. 380 km)
Route: Passau – Straubing – Regensburg – Amberg – Weiden – Tirschenreuth – Waldsassen – Passau
Diese große Schleife verbindet die wichtigsten Städte und Landschaftstypen Ostbayerns zu einer Rundfahrt durch historische Orte, Flusstäler, Waldregionen und Grenzgebiete. Kultur begegnet Natur. Charakter: abwechslungsreich, für konditionsstarke Biker.
Donau-Bayerwald-Traum (3 bis 4 Tage, ca. 320 km)
Route: Deggendorf – Passau – Bayerisch Eisenstein – Zwiesel – Viechtach – Straubing – Deggendorf
Die Tour folgt der Donau bis Passau, steigt in den Bayerischen Wald auf und durchquert diesen, bevor sie über das Regental zurück ins Donautal führt. Schottrige Forstwege wechseln mit idyllischen Flussabschnitten. Charakter: naturnah, teilweise technisch anspruchsvoll.
Oberpfalz-Grenzlandloop (4 bis 5 Tage, ca. 360 km)
Route: Amberg – Sulzbach-Rosenberg – Neukirchen b. Hl. Blut – Furth im Wald – Cham – Schwandorf – Amberg
Ein Rundkurs durch das Oberpfälzer Hügelland, an der Grenze zu Tschechien entlang und zurück durch Moorlandschaften und Waldgebiete. Stetige Höhenwechsel und abwechslungsreiche Untergründe zeichnen die Route aus. Charakter: technisch variabel, kulturelle Highlights.
Andreas Friedrich
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