Bayern geHÖRT erlebt: Wenn Tradition neu klingt
Foto: erlebe.bayern/Peter von Felbert
Bayerns Musikszene ist so vielfältig wie das Reiseland selbst – und weit entfernt von verstaubten Klischees. Hier entstehen Sounds, die Tradition nicht konservieren, sondern neu interpretieren. Musiker verbinden fränkische Kerwa-Lieder mit Balkanrhythmen, lassen Posaunen zu Indie-Pop erklingen und bringen Alphörner in Techno-Clubs. Vier Beispiele zeigen: Bayerische Musik klingt heute so anders – und genau das macht sie so spannend.
Gankino Circus: Fränkische Provinz trifft bulgarischen 11/16-Takt
Seit 2007 macht diese Band aus Dietenhofen ein ziemlich abgefahrenes Ding: fränkische Mundart, traditionelle Kerwa-Lieder, dazu Balkanrhythmen, die selbst Profis zum Kopfschütteln bringen. Irgendwo zwischen Kabarett und Tanzfläche ist das angesiedelt – rasant, schräg, voller Dorfgeschichten.
Der Name? Kommt von einem bulgarischen Tanz im 11/16-Takt. Kompliziert genug. „Wir haben unterwegs gemerkt, dass unsere Dorfmusik plötzlich mit Klezmer oder Balkanbeats funktioniert“, sagen die Musiker. Was im fränkischen Biergarten begann, läuft heute auf internationalen Weltmusik-Festivals – ohne dass die Band ihre Wurzeln verleugnet.

Foto: erlebe.bayern/Tom Jutzler

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Was im fränkischen Biergarten begann, läuft heute auf internationalen Weltmusik-Festivals – ohne dass die Band ihre Wurzeln verleugnet. Gankino Circus beweisen, dass bayerische Volksmusik und Weltmusik keine Gegensätze sind, sondern natürliche Verwandte. Ihre Musik zeigt: Wer tief in der eigenen Tradition gräbt, findet universelle Klänge.
Mundart meets Urban Brass: Loamsiada aus Augsburg
Die „Leimsieder" aus Augsburg haben eine Formel gefunden, die eigentlich nicht aufgehen dürfte – und genau deshalb funktioniert: „Mundart-Pop mit Urban Brass“. Indie-Sound trifft auf Bläserarrangements aus der bayerischen Blasmusik, gesungen wird im bayerischen Dialekt. Das Ergebnis? Tanzbar, frisch und überraschend zeitgemäß.

Foto: erlebe.bayern/Peter von Felbert

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„Ich hab' damals gesagt, dass ich Mundart-Bands ganz geil finde“, erinnert sich Valentin Metzger, der Posaunist der Band. „Und ich hab' ihm direkt gesagt, dass ich da so fünfzehn Lieder bei mir rumflacken hab', die alle gespielt werden wollen“, ergänzt Moritz Ludl. Was als spontane Idee begann, ist heute das Markenzeichen von Loamsiada: Texte, die auf Bayerisch von urbanen Themen, vom Alltag und vom Leben erzählen – unterlegt mit Bläsersätzen, die ihre Herkunft aus Blaskapellen nicht verleugnen, aber völlig neu arrangiert sind.
Das Besondere: Loamsiada übersetzen bayerische Musiktradition in eine moderne Sprache, ohne sie zu verfälschen. Ihre Bläserarrangements sind keine Folklore-Folklore-Einlage, sondern integraler Bestandteil eines zeitgenössischen Pop-Sounds.
Klein, aber oho: Die Fexer – die kleinste Blaskapelle der Welt
Fexer ist bayerisch und bedeutet so viel wie Ableger – und genau das ist diese Formation: ein Ableger der klassischen Blasmusik, reduziert auf das Wesentliche. Mit nur drei Instrumenten – Trompete, Tuba und Kuhlohorn (einem Flügelhorn) – bilden Alexander Schuhmann und die Geschwister Sophie und Daniel Barth die wahrscheinlich kleinste Blaskapelle der Welt.
Foto: erlebe.bayern/Peter von Felbert

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Was nach Minimalismus klingt, ist in Wahrheit maximale Energie: Die Fexer heizen ihrem Publikum mit einer musikalischen Bandbreite ein, die von Polka über Märsche und Walzer bis zu alten Rock-Hits reicht. Led Zeppelin auf drei Blasinstrumenten? Die Fexer machen es möglich und hauchen Klassikern der Rockgeschichte mit ihrer jugendlich-frischen Art neues, bayerisches Leben ein.
Ohne Schlagzeug, ohne Gitarren, ohne elektronische Verstärkung – nur drei Blechblasinstrumente und drei junge Musiker, die beweisen, dass Blasmusik alles kann. Von traditionell bis modern, von leise bis ohrenbetäubend, von konzertant bis Party.
Wenn das Alphorn auf Techno trifft: Loisach Marci
Loisach Marci aus Garmisch-Partenkirchen hat seine ganz eigene Musikrichtung erfunden: „Alphorntechno“. Was nach Marketing-Gag klingt, ist die Verschmelzung zweier Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und genau deshalb perfekt zusammenpassen. Die Entdeckung war Zufall: Beim Soundcheck auf einem Festival spielte Marcel Alphorn, während im Hintergrund ein DJ Techno auflegte. Die Kombination bescherte ihm Gänsehaut – also spielte er einfach weiter.

Foto: erlebe.bayern/Gert Krautbauer

Foto: erlebe.bayern/Gert Krautbauer

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Immer mehr Leute blieben stehen und hörten zu, um dieser ungewöhnlichen Mischung aus bayerischer Volksmusik und elektronischen Beats zu lauschen. Loisach Marci holt das Alphorn aus seiner alpinen Nische. Das über 500 Jahre alte Hirteninstrument, traditionell zum Viehhüten genutzt, wird bei ihm zum Lead-Instrument. Sein naturbelassener Klang verschmilzt mit modernen Beats und beweist: Bayerische Musiktraditionen können die innovativsten Sounds unserer Zeit prägen.
Bayern geHÖRT erlebt – Tradition als Basis für Experimente
Von Gankino Circus' Balkan-Fränkisch über die Loamsiada-Bläser-Indie-Fusion und die Mini-Blaskapelle „Die Fexer“ bis zu Loisach Marcis Alphorntechno: Bayerns Musikszene ist bunter als viele denken. Was diese vier so unterschiedlichen Beispiele verbindet? Sie alle schöpfen aus bayerischen Musiktraditionen – und erschaffen daraus etwas völlig Neues.
Diese Musiker beweisen: Tradition und Innovation sind keine Gegensätze. Im Gegenteil: Gerade wer tief in den musikalischen Wurzeln Bayerns gräbt, findet Material für die spannendsten Experimente. Bayern geHÖRT erlebt – denn nirgendwo klingt Tradition so nach Zukunft wie hier.
Mehr über Bayerns innovative Musikszene und weitere spannende Künstler und Veranstaltungen: hier.
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