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Wie KI Organisationen bewegt

Wie KI Organisationen bewegt

Foto: Adobe

KI ist kein Muskel. Sie ist das zentrale Nervensystem.

Wer derzeit mit Vorständen großer Unternehmen spricht, begegnet selten noch grundsätzlicher Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz. Die Frage lautet nicht mehr, ob man reagieren muss. Die Frage lautet, wie schnell, wie wirksam und verantwortungsvoll Unternehmen ihre Organisation darauf ausrichten.

Viele Unternehmen haben in den vergangenen Monaten beachtliche Fortschritte gemacht. Sie haben interne Anwendungen entwickelt, Chatbots eingeführt, erste Prozesse automatisiert oder produktive KI-Lösungen in einzelnen Bereichen etabliert. Es gibt überzeugende Demos, gute Pilotprojekte und einzelne Teams, die bereits deutlich schneller arbeiten als zuvor.

Und doch bleibt der große Sprung häufig aus. Nicht, weil es an Ambition fehlt. Sondern weil KI vielerorts dort eingesetzt wird, wo Unternehmen in Silos organisiert sind: hier ein Assistent für den Service, dort ein Tool für die Content-Erstellung, an anderer Stelle eine Automatisierung im Marketing oder der IT. Das verbessert einzelne Punkte. Aber es verändert noch nicht das Zusammenspiel.

Das Potenzial von KI entfaltet sich erst, wenn sie nicht als Sammlung einzelner Werkzeuge verstanden wird. KI wird zur verbindenden Schicht im Unternehmen. Ein intelligentes Nervensystem, das Daten, Prozesse, Inhalte, Kanäle, Abteilungen und Entscheidungen miteinander verbindet. Ein solches System optimiert nicht nur einzelne Muskeln im Unternehmensorganismus. Es verbessert deren Zusammenspiel. Dadurch werden Use Cases möglich, die ohne KI kaum wirtschaftlich realisierbar gewesen wären.

Das ist der Übergang von der Pilotphase zur Orchestrierung. Ein Pilot zeigt, was möglich ist. Transformation beginnt dort, wo KI in die operative Logik eines Unternehmens eingebettet wird.

Die nächste Stufe der Transformation durch Agentic AI.

Die nächste Ausbaustufe wird dabei von Agentic AI geprägt sein, also von semiautonomen KI-Agenten, die Aufgaben übernehmen, Arbeitsschritte über Systeme hinweg koordinieren und Ergebnisse weitergeben. Der Mensch verschwindet nicht aus dem Prozess, seine Rolle verändert sich: Er definiert Ziele, setzt Leitplanken, bewertet Ergebnisse und trägt Verantwortung. Aber er muss nicht mehr jeden operativen Schritt selbst ausführen.

Für große Unternehmen ist das eine enorme Chance – allerdings eine anspruchsvolle. Sie verfügen über starke Marken, tiefe Kundenbeziehungen, umfangreiche Daten und eingespielte Prozesse. Zugleich tragen sie die Last gewachsener Komplexität: Legacy-Systeme, unterschiedliche Märkte, hohe Erwartungen an Sicherheit und Verlässlichkeit. Anders als junge Unternehmen müssen etablierte Organisationen KI in gewachsene Strukturen einbetten und dabei Wandel beschleunigen, ohne Stabilität preiszugeben.

Bei Adobe blicken wir auf diesen Wandel naturgemäß stark aus der Perspektive der Customer Experience. Das ist ein lohnendes Beispiel, weil hier viele der zentralen Herausforderungen großer Unternehmen sichtbar zusammenlaufen: Daten, Inhalte, Kanäle, Markenführung und Prozesse. Kunden erwarten heute, dass Unternehmen sie über viele Kontaktpunkte hinweg konsistent, relevant und persönlich ansprechen: auf der Website, in der Filiale, im Newsletter oder immer häufiger auch im Dialog mit smarten Assistenten. Gleichzeitig muss die Marke erkennbar bleiben, Datenschutz eingehalten werden und müssen Inhalte stets aktuell sein. Genau an dieser Schnittstelle zeigt sich, warum KI mehr sein muss als ein weiteres Tool. Sie muss als operative Intelligenzschicht wirken.

Das ist der Unterschied zur bisherigen Automatisierung. Klassische Automatisierung folgt vordefinierten Regeln. KI-gestützte Orchestrierung kann Kontexte verstehen, Muster erkennen, nächste Schritte vorschlagen und Arbeit über mehrere Funktionen hinweg verbinden. Aus einzelnen Maßnahmen entsteht ein lernendes System.

Neue Strukturen für die operative Intelligenzschicht.

Damit dieses Potential real wird, reicht es allerdings nicht, irgendwo im Organigramm einen neuen KI-Titel zu schaffen. Unternehmen brauchen Verantwortliche mit Mandat, Budget und Entscheidungskompetenz. Dabei geht es nicht um die Einführung von KI an sich, sondern um das Erreichen konkreter Ziele – KI ist Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selbst. Wer KI nur koordinieren soll, aber nichts entscheiden darf, wird keine Wirkung erzeugen. Ebenso wichtig ist ein anderes Zusammenspiel der Funktionen. IT, Legal oder Marketing dürfen nicht nacheinander prüfen, bis ein Vorhaben in Iterationen stecken bleibt. Sie müssen früh gemeinsam an Entscheidungen beteiligt sein.

Das Ende der unverbindlichen Experimente.

Die Phase der KI-Experimente weicht zunehmend der Fokussierung auf tatsächliche Wirkung, auf echten geschäftlichen Mehrwert. Dieser Übergang beginnt damit, dass Initiativen nicht mehr nur an technische Meilensteine, sondern an konkrete Geschäftsergebnisse geknüpft werden. Unternehmen, die von vornherein definieren, was sie erreichen wollen, kommen nachweislich schneller ans Ziel: schnellere Content-Produktion, kürzere Reaktionszeiten im Kundenservice, Mitarbeiter, die von Routineaufgaben entlastet werden und sich auf Tätigkeiten mit höherer Wertschöpfung konzentrieren können. Ohne diese Klarheit bleibt KI ein Experiment. Mit ihr treibt KI das Unternehmenswachstum voran.

Niemand wird über Nacht irrelevant, nur weil ein Pilot noch nicht skaliert. Aber die Zeit der unverbindlichen Experimente geht zu Ende. Jetzt geht es darum, KI als das zu behandeln, was sie zunehmend wird: eine neue Arbeits- und Koordinationsschicht im Unternehmen.

Hartmut König, Chief Technology Officer Central Europe bei Adobe

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