"Wissen ist die beste Medizin", heißt es. Doch es ist schwierig, an verlässliche Gesundheitsinformationen zu kommen, die Suche nach Wissen in der Medizin führt unentrinnbar zu Wissen, das diese Bezeichnung nicht verdient. Und das gilt besonders in Deutschland.
Glaubt man Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik, dann leben wir in der Wissensgesellschaft. Tausende Treffer bei Google zeigen, dass die Bedeutung vom "Rohstoff Wissen" zumindest in Diskussionen zunimmt. Dabei wird immer wieder die enorme Bedeutung dieses Rohstoffs für die Zukunft unserer rohstoffarmen Gesellschaft betont. Wissen wird dabei vor allem mit dem Arbeitsmarkt, Standorten und anderen ökonomischen Faktoren verbunden, besonders mit dem Schlagwort Innovation.
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Was hilft gegen welches Leiden - und wie gut sind die Informationen, auf die man bei der Suche nach Wissen in der Medizin stößt? Häufig ist das, was als Wissen dargestellt wird, nur falsch deklarierter Glaube. (© ddp)
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Ganz anders der Google-Blick auf die Medizin. Nicht neues, sondern altes Wissen wird neu entdeckt - etwa die Verheißungen der Kräutermedizin, die zumeist nicht wissenschaftlich belegt sind. "Gesund durch Wissen" oder "Wissen ist die beste Medizin", wird zwar überall verkündet.
Ein Blick auf die Quellen zeigt jedoch, dass der Ratsuchende oft gezwungen ist, sich zwischen Glauben und Wissen zu entscheiden. Als besonders ergiebige Wissensquellen gelten Tradition und Erfahrung, obwohl die Vergangenheit zeigt, wie trügerisch dies sein kann. Ein drastisches Beispiel ist der Aderlass, der - mit Einwilligung der Patienten - Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende das Leben gekostet hat.
Die Suche nach Wissen in der Medizin führt unentrinnbar zu Wissen, das diese Bezeichnung nicht verdient, weil es falsch deklarierter Glaube ist. Denn wer Rationalität für sich in Anspruch nimmt, sollte auf relevante Daten, Fakten und das daraus erzeugte Wissen zurückgreifen können. Davon ist jedoch die Medizin, die sich auf ein wissenschaftliches Selbstverständnis beruft, weit entfernt. Die Annahme, dass es das Wissen in der Medizin gibt, ist einer der Hauptgründe für die stete Verwirrung.
Die Entwicklung von Arzneimitteln und nicht-medikamentösen Therapien dauert Jahre. Der Weg von der Idee zur Grundlagenforschung über klinische Studien am Menschen bis zum Routineeinsatz in der Gesundheitsversorgung ist lang. Während das Zeitalter der innovativen Therapieentwicklung Mitte des letzten Jahrhunderts einsetzte, hat die systematische Erforschung des Nutzens für den Menschen erst seit 15 Jahren mehr Aufmerksamkeit erfahren. Weltweit ist erkannt worden, wie groß die Verschwendung durch nicht genutztes Wissen, aber auch das Potential durch systematische Anwendung von Wissen ist.
Dank neuer Kommunikationstechnologien scheint der gezielten Nutzung von Wissen nichts im Wege zu stehen. Die Kehrseite dieser Entwicklung ist jedoch, dass relevantes neues medizinisches Wissen zu hundert Prozent in Englisch publiziert wird. Da der globale Wissensaustausch längst Normalität ist, hat diese Entwicklung für hochwertige Wissenschaft zwar kaum negative Folgen. Der globale Wissenspool in englischer Sprache ist jedoch eine ernsthafte Bedrohung für die Versorgung im medizinischen Alltag in nicht englischsprachigen Ländern.
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Linke-Parteitag in Göttingen
Gerd Antes‘ herausragendes Engagement als Direktor des Deutschen Cochrane-Zentrums und sein unermüdlicher Einsatz für eine an internationale Standards angepasste qualitativ hochwertige evidenzbasierte Medizin in Deutschland sind nicht hoch genug einzuschätzen. Viel zu selten hört und liest man in den öffentlichen Medien, was er klar und nüchtern auf den Punkt bringt. Was vielen Menschen jenseits von Wissenschaftskreisen aus meiner Sicht nicht klar ist, und nicht klar sein kann, weil es tatsächlich schwer nachzuvollziehen ist, sind die Probleme, die aus einer zumeist ungefilterten Wissensflut vor allem über die modernen digitalen Medien resultieren.
Seit Forderungen nach wissenschaftlichen Nachweisen für die Wirksamkeit medizinischer Produkte und Verfahren lauter geworden sind, findet man überall, nicht zuletzt in einer Unzahl von Fernsehspots, Werbesprüche wie „in zahlreichen klinischen Studien nachgewiesen“. Hinter diesen steckt lange nicht immer das, was diese zu suggerieren scheinen, nämlich eine fundierte Aufbereitung der Ergebnisse methodisch angemessener wissenschaftlicher Wirksamkeitsstudien. Die Etikette „wissenschaftlich nachgewiesen“ ist zu einem plakativen Marketinginstrument geworden, das oft genug in Wahrheit einer Mogelpackung entspricht. Erklärtes Ziel ist es, den ahnungslosen Konsumenten (Patienten) in der scheinbaren Sicherheit zu wiegen, dem so beworbenen Produkt oder z.B. Therapieverfahren blind vertrauen zu können.
Ähnlich oft kann man davon lesen und hören, „eine wissenschaftliche Studie hat nachgewiesen, dass…“. Auch dies suggeriert eine trügerische Sicherheit – sagt es doch weder etwas über die Angemessenheit und methodische Qualität dieser einzelnen Studie und damit der Glaubwürdigkeit ihrer Ergebnisse aus, noch darüber, ob nicht möglicherweise vorhandene andere Studien zur selben Fragestellung ggf. gegenteilige Ergebnisse zeigen. Entsprechend sei hier noch einmal auf die Bedeutung systematischer Übersichtsarbeiten als Aufbereitung der Ergebnisse möglichst vieler, im Idealfall sämtlicher, hochwertiger Studien zu einer Fragestellung hingewiesen. Wer sich heutzutage mit der Aufbereitung und kritischen Bewertung von wissenschaftlichen Studien und ihren Ergebnissen seriös befasst, fühlt sich schnell in die Rolle eines Detektiven versetzt – denn das grundlegende Problem ist häufig nicht ein Mangel, sondern eine Masse an Informationen, bei der es erst einmal gilt, die Spreu vom Weizen zu
Die Menschen leben mehr ungesund als gesund im Glauben, der Arzt wird sie wieder auskurieren, wenn sie krank werden. Es gibt viele einfache, natürliche Mittel, mit denen man Krankwerden verhindern kann - man muss auch nicht krank werden, wenn man gesund lebt. Viele Menschen, meistens ältere, werden krank, weil sie zu viele verschiedene Pillen einnehmen.
Der Autor geht hier von einer Sprachbarriere aus, die möglicherweise keine ist oder keine sein sollte. Der normative Druck der Arbeitsteilung führt unweigerlich zu einer Vereinheitlichung in der Sprache. Was ist der Menschheit gedient, wenn medizinische Forschung in den Regionalsprachen aller Herren Länder veröffentlicht wird - babylonisches Chaos. Die Beteiligten am Wissenspool der Welt, also die Beitragenden, verfügen schon längst über die Möglichkeit sich in English excellent auszudrücken. Seien wir froh, dass die aktuelle Wissenssprache unserer so ähnlich ist und wir nicht alle Chinesisch schreiben müssen.
Es führt auch kein Weg daran vorbei, dass zukünftig die Schulen eben zwei Sprachen lernen müssen, eine lokale und eine globale zur internationalen Kommunikation.
Der Autor bedauert ferner das fehlen von Protalen für den Zugang zu medizinischen Wissen durch die breite Bevölkerung. Nun hier wäre die Energie wohl besser übergangsweise in stabile Übersetzungsprogramme investiert, bis das sprachliche Wissen der Allgemeinbevölkerung angehoben ist.
Natürlich ist die aktuelle Art der Wissensgenerierung in der medizinischen Forschung bedauerlich. Paper werden auf Verdacht veröffentlicht, mit Meinungen und Vermutungen statt Fakten; Studien sind ohnehin regelmäßig irreführend. Schätzungsweise 90% sind nicht abgesicherte Theorien, die keiner Veröffentlichung würdig wären oder schlichtweg falsch sind!
Natürlich braucht es hier ein Kompendium, um harte Lehrmeinungen von bloßen Theorien abzugrenzen. Leider ist die Forschung nun mal ein zähes und hartes Brot, denn wer will schon viele Lebensjahre auf einem Projekt arbeiten, um erst nach vielen Vergleichstests abgesicherte Daten zu präsentieren - nein heute heisst es "publish or perisch". Umso mehr gebührt den echten Forschern unsere Ehrung.
Mein Vorschlag wäre es, Daten nur dann zu veröffentlicht, die von unabhängiger Stelle wiederholt und bestätigt worden sind. Das verringert die Anzahl der Paper enorm, sorgt aber für einen deutlich höheren Standard - was letzlich der Menschheit zu Gute käme.
Fachwissen zu medizinischen Inhalten kann sicher nicht über Google oder die von Ihnen benannten Quellen erwartet werden.
Internationale Publikationen in Fachzeitschriften findet man am Besten über www.medline.de. , dieses Portal ist auch Laien zugänglich. Man kann sich damit relativ gut informieren.
Aber nicht alles was publiziert worden ist - ist wirklich valide!
Grundsätzlich sind nur die Studien valide, die prospektiv, randomisiert als
Doppelblindstudie, Multicenterstudie angelegt wurden und biomathematisch
entsprechende p Werte und q Werte vorgelegt werden, womit die Validität
nachweisbar wird. In der Fragestellung sollte eine sogenannte "Nullhypothese" aufgestellt werden, die allerdings widerlegt wird! - Also das Arzneimittel XY oder das Operationsverfahren XX hat
KEINE Wirkung! - In vielen Studien wird aber genau das Gegenteil gemacht!!! - Aber ......es wird eben auch viel "Unsinn" publiziert.
Auch "Experten" streiten sich - und sogenannte "Statistiken"
sollte man erst glauben, wenn man die Studie von den Vorgaben auch als
VALIDE bezeichnen kann.
Ja, heißt es das? Ich kenne dieses Sprichwort nicht. Schlafen ist die beste Medizin, das kenne ich...
Paging