Zoologie 100 Jahre Einsamkeit

(Foto: John James Audubon/dpa)

Karolinasittiche waren die einzige Papageienart, die einst in Nordamerika lebte. Vor 100 Jahren starb das letzte Exemplar im Zoo von Cincinnati. Dass die Papageien ausgerottet wurden, lag auch an einer Eigenart der Tiere: Sie flogen Jägern immer wieder vor die Flinte.

Es sah aus wie ein gigantischer glänzender Teppich, wenn ein Schwarm Karolinasittiche in einem Feld landete. So beschrieb es der US-Vogelforscher John James Audubon (1785 bis 1851) einmal, der die Papageien studierte. Die Tiere trugen grünes Gefieder, hatten meist gelbe Köpfchen, einen roten Fleck um den Schnabel und waren die einzige Papageienart, die in Nordamerika lebte. Vor 100 Jahren, am 21. Februar 1918, starb das letzte Exemplar von Conuropsis carolinensis in einem Zoo in Cincinnati. Incas hieß das Männchen, das letzte seiner Art. Seine Partnerin Lady Jane war nur wenige Monate vorher gestorben - im selben Käfig, in dem nur knapp vier Jahre zuvor die letzte Wandertaube, Martha, gestorben war. Auch diese Art gilt seitdem als ausgestorben. Karolinasittiche lebten vor allem in Wäldern in der Nähe von Flüssen. Sie wurden etwa 30 Zentimeter groß, und ihre grünen Federn galten als beliebter Schmuck. Vor allem die Abholzung von Wäldern und die Jagd wurden den Papageien zum Verhängnis. Hinzu kam eine besondere Eigenschaft: Karolinasittiche waren gerne eng beieinander. "Ich habe Äste gesehen, die so dicht von ihnen bedeckt waren, wie es nur möglich war", so Audubon. Beim Abschuss eines Schwarmmitglieds flogen die Vögel auf, kehrten aber sofort an die Stelle zurück - sodass Jäger nur warten und abermals abdrücken mussten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der letzte in freier Wildbahn lebende Karolinasittich in Florida erschossen.