Gerade weil autistischen Menschen der Kontakt zu anderen Personen schwerfällt, erhoffen sich Mediziner Hilfe von dem Hormon. Zudem deuten manche Studien darauf hin, dass die Entwicklungsstörung mit einem veränderten Oxytocin-Stoffwechsel einhergeht.

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So fanden Forscher im Blutplasma autistischer Kinder geringere Konzentrationen des Hormons als bei gesunden Gleichaltrigen. Dass der Botenstoff Symptome bessern kann, zeigen Pilotstudien der von Eric Hollander und Jennifer Bartz von der Mount Sinai School of Medicine in New York. Sie beobachteten, dass Autismuspatienten unter Oxytocin weniger als unter Placebo zu Wiederholungsverhalten neigten, einem Hauptmerkmal der Störung.

Vor allem verbesserte das Hormon die soziale Wahrnehmung. Hörten die Teilnehmer bedeutungsneutrale Sätze wie etwa "Der Junge geht zum Laden", konnten sie unter Oxytocin eher erkennen, ob der Tonfall des Redners wütend, traurig, glücklich oder gleichgültig war. Diese erhöhte Sensibilität war noch zwei Wochen später erkennbar (Biological Psychiatry, Bd.61, S.498, 2007).

Vorläufige Daten einer noch laufenden Pilotstudie an autistischen Erwachsenen stützen die Befunde, wie Jennifer Bartz am Wochenende auf der Dresdener Konferenz berichtete. Die Psychologin dämpft jedoch die Hoffnung auf ein Wundermittel, die etwa bei Eltern autistischer Kinder schnell aufkeimen dürfte: "Die Ergebnisse müssen in größeren Studien bestätigt werden, bevor man das therapeutische Potential von Oxytocin bei Autismus beurteilen kann." Von einem klinischen Einsatz des Hormons sei man noch weit entfernt.

Dubiose Mittel aus dem Internet

Im Vergleich dazu einen großen Schritt weiter ist Heinrichs bei der Behandlung der sozialen Phobie, der hierzulande nach Depression und Alkoholismus dritthäufigsten psychischen Erkrankung. Seit drei Jahren prüft der Psychologe, ob Oxytocin den Erfolg einer Verhaltenstherapie gegen die Angststörung steigert.

Die bisherigen Resultate stimmen ihn optimistisch. In den Gruppensitzungen ließen Schwitzen, Pulsrasen und schnelles Atmen unter Oxytocin schneller nach als unter Placebo. "Wir sehen sehr schöne Effekte", sagt Heinrichs. Bei vielen Patienten milderten sich die Symptome. Ob dieser Erfolg von Dauer ist, soll die Langzeitanalyse im kommenden Jahr klären.

Schon jetzt treibt der Wirbel um das Hormon skurrile Blüten. Im Internet preisen dubiose Firmen teure Oxytocin-Produkte an - etwa das Spray "Liquid Trust". Auf den Arm gesprüht soll das Mittel den Erfolg bei Geschäftsterminen oder Flirts steigern.

Leichtgläubige sollen hoffen, dass sich ein Hormonmolekül in die Nase des Gegenübers verirren und dort wundersam wirken könnte. Solche absurden Versprechungen zeigen vor allem eins: Vertrauen ist zwar essentiell für das menschliche Miteinander, aber auch gesundes Misstrauen schadet manchmal nicht.

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(SZ vom 24.07.2008/gal)