Wissenschaftliche Journals Forscher, die sich selbst begutachten

Unter Wissenschaftlern ist eine neue Form des Betruges aufgeflogen: Bevor eine seriöse Zeitung eine Studie veröffentlicht, wird sie von nicht daran beteiligten Forschern geprüft. Doch manche Experten erstellen mit Tricks Peer-Review-Gutachten für sich selbst.

Von Christian Weber

Wer es in der Wissenschaft zu etwa bringen will, der muss viel publizieren. Wirklich ernst genommen werden dabei nur Aufsätze und Studien, die in Fachzeitschriften mit einer sogenannten Peer-Review veröffentlicht werden.

Das bedeutet, dass die Herausgeber oder Redakteure der Zeitschrift ein eingereichtes Manuskript an einen oder mehrere unabhängige, häufig sogar anonym bleibende Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet zur Prüfung weiterreichen. Diese können dann die Publikation befürworten, Verbesserungen vom Autor verlangen oder den Abdruck ablehnen.

Doch jetzt scheinen findige Wissenschaftler Wege gefunden zu haben, die Hürde der Peer-Review elegant zu umschiffen, berichten die Verantwortlichen des verdienstvollen Blogs Retraction Watch: "Autoren übermitteln gefälschte E-Mail-Adressen für potenzielle Peer-Reviever, um eine positive Begutachtung sicherzustellen."

Bereits im August dieses Jahres hatte Blog-Betreiber Ivan Oransky von Reuters Health über einen besonders dreisten Fall aus Südkorea berichtet: Der Pflanzenforscher Hyung In Moon hatte 24 Artikel zurückgezogen, nachdem er zugeben musste, dass er die Begutachtungen selbst geschrieben hatte.

Das war deshalb möglich gewesen, weil er in Zeitschriften publiziert hatte, wo die Autoren selbst Gutachter vorschlagen dürfen. Moon nannte der Redaktion von ihm erstellte E-Mail-Adressen von realen und erfundenen Wissenschaftlern. Der Fall flog auf, weil die Kommentare der vermeintlichen Fachkollegen fast immer binnen 24 Stunden nach der Anfrage bereits in der Redaktion waren, ungewöhnlich schnell für viel beschäftigte Forscher.

Noch bizarrer erscheint ein Fall, den Retraction Watch am Dienstag dieser Woche bekannt machte: Auch der Wissenschafts-Großverlag Elsevier hat wegen gefälschter Peer-Reviews elf Aufsätze von chinesischen, indischen, iranischen und türkischen Forscher zurückgezogen, unter anderem aus der renommierten Zeitschrift Optics & Laser Technology.

Doch diesmal werden nicht die Autoren verantwortlich gemacht. Vielmehr hätten sich Dritte von außen in das Redaktionssystem von Elsevier gehackt und dann positive Gutachten unter dem Namen eines etablierten Wissenschaftlers übermittelt, der von der Angelegenheit gar nichts wusste, berichtet Chefredakteur Andrea Cusano. Deshalb dürfen die betroffenen Forscher ihre Aufsätze nun ein weiteres Mal der Peer-Review vorlegen.