Wirkung von halluzinogenen Pflanzen Wege zur Erleuchtung

LSD, aber auch Magic Mushrooms können zur Erleuchtung führen - was immer man dafür hält. Oder zu einem Horrortrip. Eine Studie will jetzt nachgewiesen haben, dass halluzinogene Pflanzen langfristig die Persönlichkeit verändern. Und das nicht zum Nachteil der Probanden.

Von Christian Weber

Es sei das stärkste Erlebnis, das einem im Leben widerfahren könne, sagen Menschen, die diesen Zustand erfahren haben - ein überwältigendes Einheitserlebnis, in dem die Grenzen zwischen Ich und Umwelt und das Zeitgefühl verschwinden; ein Gefühl der Heiligkeit, durchdrungen von Ehrfurcht und Erstaunen, das zweifellos als wahr empfunden werde. Es wäre kein Wunder, wenn eine solche innere Erschütterung, von der die Mystiker berichten, sich auf die Persönlichkeit auswirken sollte.

Das Problem ist, dass man eine mystische Erfahrung nicht so leicht generieren kann. Selbst tibetische Mönche benötigen viele Jahre Meditationspraxis, bevor sie entsprechende Gehirnzustände für die Messgeräte der Neurowissenschaftler zuverlässig erzeugen können.

Als verpönt gilt in meditierenden Kreisen der chemische Weg zur Erleuchtung. Zwar weiß man, dass Halluzinogene wie LSD oder Psilocybin aus Zauberpilzen häufig ähnliche Erfahrungen auslösen, doch seien diese flüchtig und ohne bleibenden Wert. "Drogen können dich wie ein Helikopter hoch hinauf nehmen und zeigen, was es dort zu sehen gibt, du kannst dort aber nicht bleiben", schrieb einst die britische Psychologin Susan Blackmore.

Genau das bestreitet nun aber ein Psychiater-Team um Roland Griffiths von der Johns Hopkins University in Baltimore in einer Studie im Journal of Psychopharmacology. Es versichert, dass eine einmalige, starke Dosis Psilocybin die Persönlichkeit eines Erwachsenen dauerhaft verändern kann, hin zu mehr Offenheit. So lautet - neben Neurotizismus, Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit - eine der fünf zentralen Persönlichkeitseigenschaften mit denen Wissenschaftler Menschen einordnen.

Das Ergebnis ist umso erstaunlicher, weil Psychologen annehmen, dass man nach dem 30. Lebensjahr seine Charakterzüge nur mit Mühe ändern kann. "Wenn überhaupt, nimmt die Offenheit eines Menschen mit dem Alter üblicherweise eher ab", sagt Griffiths.

Doch der Psychiater verweist auf seine methodisch solide Studie. Versehen mit einer der weltweit wenigen Lizenzen zur Halluzinogen-Forschung untersuchten die Forscher in einer Doppelblind-Studie die Wirkung von Psilocybin bei 51 erwachsenen Probanden. Die Teilnehmer nahmen an mehreren jeweils achtstündigen Sitzungen teil. Dabei wussten weder sie noch die betreuenden Ärzte, wer die Droge und wer ein Placebo bekam. Vor Studienbeginn, gut einen Monat nach der Sitzung und 14 Monate später ermittelten die Forscher mit standardisierten Fragebögen die Persönlichkeitseigenschaften.

Das Ergebnis: Alle 30 Probanden, die unter der Wirkung der Substanz über mystische Erfahrungen berichteten, hatten sich dauerhaft zu offeneren Menschen entwickelt. Sie hatten, so schreiben die Autoren der Studie, eine bessere "ästhetische Wahrnehmung und Empfindsamkeit, mehr Einbildungskraft und Phantasie und eine großzügige Toleranz gegenüber anderen Ansichten und Werten".

Doch Griffiths warnt vor einer vorschnellen Übertragung der Ergebnisse. So seien die Studienteilnehmer überdurchschnittlich religiös und spirituell gewesen. Auch sollten Menschen die Finger von Selbstversuchen lassen, nicht zuletzt weil Halluzinogene oft einen Horrortrip verursachen, der ohne professionelle Betreuung extrem unangenehm sein kann. Dennoch sei die neue Studie ein Beleg, dass man das Potential von psychogenen Substanzen wieder systematischer untersuchen sollte.