Wie die Ehe hält Früh geschlossene Ehen sind glücklicher

Wissenschaftlich ist auch ein anderer Zusammenhang recht gut belegt: Sofern nicht jedes Interesse füreinander erloschen ist, können seltenere Intimkontakte in einer Langzeit-Ehe darauf hindeuten, dass sich beide Partner sicher geborgen fühlen und keiner ständigen Liebesbeweise bedürfen. Sie müssen nicht befürchten, dass einer die Beziehung verlassen wird.

Wer hingegen ständig miteinander ins Bett will, setzt die Partnerschaft eher aufs Spiel. Denn das ständig fordernde Verhalten spricht dafür, in emotionale Konflikte verstrickt zu sein oder chronisch unsicher, ob die Beziehung noch hält. Der permanente Wunsch nach Bestätigung kann jede Ehe zermürben. "Dauerhafte Sicherheit in der Partnerschaft und häufiger, guter Sex schließen sich aus", stellt die Psychotherapeutin Kirsten von Sydow von der Universität Hamburg lakonisch fest. Reden Paare von einer "neuen Phase der Partnerschaft" oder erklären, dass Sex "sowieso überschätzt" sei, ist klar, was gemeint ist: Sie sind in einem besonders tragfähigen Stadium ihrer Beziehung angekommen - oder stehen kurz vor der Trennung.

Den Mechanismus dahinter kennt die Wissenschaft als Coolidge-Effekt: Bei chronischen Paaren ist das körperliche Interesse aneinander nach vier Jahren weitgehend erloschen. Von wegen verflixtes siebentes Jahr - das vierte gilt es zu überstehen! Die sexuelle Gewöhnung führt dazu, dass die körpereigene Euphoriedroge Dopamin nur noch spärlich aus den Nervenzellen im Gehirn abgegeben wird. Die hormonelle Talfahrt ist der Grund dafür, dass sexuell immer weniger los ist: Die Lust aufeinander schläft ein. Oder sie richtet sich auf andere Objekte der Begierde.

Übrigens ist es keineswegs erwiesen, dass eine späte Hochzeit dazu führt, dass die Ehe glücklicher und stabiler ist. Im Gegenteil. Früh geschlossene Ehen verheißen offenbar große Zufriedenheit, zeigen wissenschaftliche Analysen. Demnach halten jene Ehen, die erst im höheren Alter eingegangen wurden, zwar im Mittel etwas länger - wahrscheinlich weil beide Beteiligten genau wissen, dass ihre Chancen auf dem Hochzeitsmarkt nicht mehr die besten sind, wenn sie sich trennen würden. Zufriedener sind die Menschen in spät geschlossenen Ehen allerdings nicht. "Schlechte Qualität", lautet das Urteil der Forscher von der University of Texas in Austin, die eine entsprechende Untersuchung geleitet haben. Wer jünger geheiratet hat - im Alter zwischen 22 und 25 Jahren -, erwies sich als glücklicher und ausgeglichener in der Ehe.

Konflikte sind keineswegs Gift für eine Ehe, denn dabei werden Gefühle füreinander ausgedrückt - auch wenn es sich dabei zumeist um negative Gefühle handelt. Immerhin signalisiert der Streit, dass man sich noch nicht gleichgültig ist und nicht mal mehr die Kraft aufbringt, sich über den Anderen zu ärgern. Wenn eine zuvor intensiv-laute Beziehung plötzlich leise wird und niemand mehr mit der Faust auf den Tisch haut und den Partner anbrüllt, dann ist die Beziehung ernsthaft in Gefahr, weil dann nicht mal mehr die gegenseitige Aggression verbindend wirken kann.

Trennung droht - doch bald danach stürzen sich die Menschen in die Suche nach dem nächsten Partner, über dessen Macken sie sich dann wieder ärgern können. Der alte Paartherapeut Clint Eastwood hat diesen Wiederholungszwang treffend beschrieben: "Es gibt nur einen Weg, eine glückliche Ehe zu führen, und sobald ich erfahre, welcher das ist, werde ich erneut heiraten."