Wider die These vom Aussterben der Männer Y-Chromosom ist stabiler als gedacht

Entwarnung für die Männerwelt. Auch in ferner Zukunft werden Männer weder aussterben noch das Chromosom verlieren, das sie genetisch charakterisiert: das Y-Chromosom.

US-amerikanische Wissenschaftler haben die gängige Theorie entkräftet, nach der das männliche Geschlechtschromosom in den nächsten Jahrmillionen weiter verkümmern und schließlich verloren gehen wird. Denn in den vergangenen 25 Millionen Jahren sei es zu keinem wesentlichen Schwund mehr gekommen, berichten die Forscher im Fachblatt Nature.

Zuvor war das nur bei Männern vorhandene Y-Chromosom im Gegensatz zum X-Chromosom stark verkümmert. Einen Großteil seiner Erbinformationen verlor es im Laufe der Evolution. Statt mehr als 1100 Gene wie sein weiblicher Gegenpart enthält es heute nur rund 200 davon. Darunter befinden sich Gene, die für die Spermienproduktion wichtig sind. Aus dieser Beobachtung heraus entstand die Theorie, dass das Y-Chromosom innerhalb der nächsten zehn Millionen Jahre auch noch seine restlichen funktionellen Gene einbüßen werde und letztlich ganz verschwindet. Entgegen landläufiger Vermutungen gingen die Spezialisten nicht davon aus, dass es künftig nur noch ein Geschlecht geben wird. Vielmehr glaubten sie, dass es statt des jetzigen Merkmals Y-Chromosom andere prägende genetische Unterschiede geben werde.

Doch die Theorie vom schwindenden Y-Chromosom haben Jennifer Hughes vom Massachusetts Institute of Technology und ihre Kollegen jetzt widerlegt: Ihren Untersuchungen nach ist in der jüngeren Vergangenheit nur bei den evolutionär jüngsten Genen des Y-Chromosoms Erbinformation verloren gegangen. Beim Großteil seines Erbguts hingegen "hat der Genverlust offensichtlich vor mehr als 25 Millionen Jahren aufgehört", schreiben die Forscher.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler das Y-Chromosom des Menschen mit dem des Schimpansen und des Rhesusaffen verglichen. Sie wollten herausfinden, ob im Laufe der Evolution dieser drei verwandten Arten ein stetiger Genverlust zu beobachten ist, der die Theorie des aussterbenden Y-Chromosoms stützt. Das sei jedoch eindeutig nicht der Fall gewesen.

"Der Verlust der Urgene schritt anfangs schnell voran, aber verlangsamte sich dann merklich", schreiben Hughes und ihre Kollegen. Der Hauptteil des Erbguts aus dem Y-Chromosom habe bereits einen stabilen Punkt erreicht, bevor in der Evolution die menschliche Entwicklungslinie vom Rhesus-Affen abzweigte. Nur drei Prozent des Erbguts auf dem Y-Chromosom gehören zu dem Genbereich, in dem während der Entwicklung vom Rhesusaffen zum Menschen Gene verloren gegangen sind, schreiben die Forscher. Im menschlichen Erbgut seien danach sogar noch Gene hinzugekommen.