Wetterkapriolen Orkan schaufelt Subtropenluft zum Nordpol

Die Karte zeigt, wie stark die Temperaturen in den kommenden Tagen von der Durchschnittstemperatur voraussichtlich abweichen werden.

(Foto: Climate Reanalyzer, Climate Change Institute, University of Maine, USA)

In Deutschland geht der wärmste Dezember seit Beginn der Aufzeichnungen zu Ende. Das Finale wird extrem: Über dem Atlantik braut sich ein Sturm zusammen.

Von Andreas Frey

Schon wieder ein Rekord. Der Dezember 2015 wird der wärmste seit Messbeginn, so viel ist bereits sicher. Um aktuell 6,2 Grad weicht der erste Wintermonat in Deutschland bisher vom Durchschnitt ab, teilt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst mit. Ist das viel? "Das ist der Hammer", sagt er. Überhaupt: Kann man noch von einem Wintermonat sprechen? In Hamburg und Hannover wird der Dezember sogar wärmer als der April abschneiden. Und überall diese Pollen, Krokusse und - kein Witz - Sonnenbrände von ausgiebigen Weihnachtsspaziergängen.

Beim Wetterdienst in Offenbach schreiben sie gerade den Jahresrückblick zusammen. Hier der wärmste Dezember, dort der trockenste November. Dazu dieser Hitzesommer. "Mir fallen schon gar keine Superlative mehr ein", sagt Uwe Kirsche. Man jage von Rekord zu Rekord. Lediglich das Gesamtjahr wird mit einer Abweichung von plus 1,8 Grad am Ende nur auf Platz zwei landen. Hinter 2014 mit 2,1 Grad. Weltweit gesehen wird es für einen klaren ersten Platz reichen. Die Temperatur liegt jetzt schon um ein Grad höher als zu Beginn der Industrialisierung.

Sein Schweizer Kollege Stephan Bader berichtet Ähnliches. Dort hat man das Wetterjahr bereits zusammengefasst. Es war das wärmste seit Messbeginn 1864. "Ich weiß schon gar nicht mehr, wie ich das alles überschreiben soll", sagt er. Es sei, als laufe man in die Wärme hinein, sagt Bader.

"Etwas für die Geschichtsbücher"

Der Hamburger Meteorologe Frank Böttcher vom privaten Institut für Wetter und Klimakommunikation hat sich die Dezemberwerte genauer angeschaut - und sogar eine historische Dimension festgestellt. Noch nie seit Beginn der Messungen in Deutschland fiel ein Monat so viel wärmer aus als normal. Böttcher rechnet mit einer Anomalie von plus 5,7 Grad bis Neujahr. "Das ist etwas für die Geschichtsbücher", sagt er. Bisherige Rekordhalter waren Februar 1990 und Januar 2007 mit einem Ausschlag von 5,3 Grad.

Rekordverdächtig sind auch die Sonnenstunden dieses Dezembers. Bundesweit schien sie im Schnitt 65 Stunden und damit um 75 Prozent länger als sonst. Richtig freundlich ist es im Süden. In Neubulach im Nordschwarzwald haben die Meteorologen bisher sogar 125 Sonnenstunden gemessen - ein absoluter Spitzenwert. Und Schwäbisch Gmünd, wo in einem durchschnittlichem Dezember 17 Stunden die Sonne zu sehen ist, bringt es bereits auf mehr als 100 Stunden. Das ist sechsmal so viel wie üblich.