Im Schnitt alles normal, sagen Meteorologen über die vielerorts düsteren Tage der vergangenen Wochen. Warum das Wetter in der Statistik oft besser ist als in der Realität.
Der Durchschnitt ist der größte Betrüger. Wie jeder Meister seines Fachs täuscht er die Wahrnehmung seiner Opfer. Die Wetterstatistik mit ihren Mittelwerten spiegelt eine Normalität vor, der der Blick aus dem Fenster zu widersprechen scheint.
"Der mitteleuropäische Sommer stammt eben nicht aus Italien". (© Foto: dpa)
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Mindestens die Oberbayern, die Anspruch auf das beste Wetter Deutschlands erheben, müssen in den Wochen seit Sommeranfang gedacht haben, die Wetterkarte stehe kopf: Im Norden war's schön, bei ihnen gab's Regengüsse. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) aber spricht von einem normalen Juni, dem nun gewöhnliches Sommerwetter folge - sprich: Es regnet fast überall.
Eine Westströmung bestimme das Geschehen, sagen die Meteorologen, die Luft komme vom Atlantik herangeweht, es bleibe voraussichtlich zehn bis fünfzehn Tage unbeständig. Dieses "Aprilwetter im Sommer" sei typisch für den Juli; beständiger Sonnenschein kommt vor, ist aber die Ausnahme. "Der mitteleuropäische Sommer stammt eben nicht aus Italien", sagt der Wetterstatistiker Gerhard Müller-Westermeier vom DWD.
Hier offenbart sich, was den Durchschnitt so trügerisch macht: Was er als Trend darstellt, passt selten zur eigenen Wahrnehmung, der vor allem die Extreme auffallen. Die wundervollen Juli-Tage, die sich in der Erinnerung abzeichnen - das sollen Ausnahmen gewesen sein? Aber genau das ist das Wesen der Statistik: Im Schnitt verschwinden die Besonderheiten. Nur so ist zu erklären, dass der Juni in der Analyse als eher durchschnittlicher Monat daherkommen kann.
Tatsächlich aber war nach einem heißen April und einem noch überdurchschnittlich warmen Mai der Anfang des Juni viel zu kalt. Die zweite Hälfte wiederum war zu warm, und jetzt zeigten sich besonders die regionalen Unterschiede. Im Norden, speziell an der Küste, war es warm und trocken; es gab teilweise nur die Hälfte des üblichen Regens und fast 30 Prozent mehr Sonne als gewöhnlich. Die Bayern mussten es ausbaden, sie hatten die niederschlagreichsten Orte und schwül-warmes Wetter. Das macht im Mittel Normalität.
Berechtigter Grund zum Klagen
Wer sich nun im Südosten über die vergangenen Wochen grämt, hat auch viel Grund zum Klagen. Er blickt auf einige Tage gewöhnliches Juli-Mistwetter mit seiner Westströmung zurück und auf eine gute Woche eher ungewöhnliches Juni-Mistwetter. Da wurde die Region nämlich von einem Tief über Südosteuropa beherrscht, erläutert Andreas Friedrich vom Vorhersagezentrum des DWD. Es schaufelte heiße und feuchte, also schwüle Luft vom östlichen Mittelmeer vor die Alpen. Die Sonne knallte von oben auf die Luftmassen und ließ sie aufsteigen. So bildeten sich hochgetürmte Gewitterwolken, denen der laue Wind nichts anhaben konnte. Ihr Inhalt und ihre Energie entluden sich in heftigen Gewittern, die kaum Abkühlung brachten.
Für Menschen, deren Gemüt Sonnenschein braucht, ist das doppelt tragisch. Erstens verweigert sich ihnen der Sommer nun schon zwei Wochen lang. Und zweitens bietet das Wetter gerade um diese Zeit oft eine Vorschau auf die Verhältnisse bis Mitte August.
Wenn es in dem Zeitraum entscheidende Tage gibt, dann sind es der 7.und 8. Juli, wie langjährige Beobachtungen zeigen. "In etwa zwei Drittel der Jahre stellt sich dann eine Großwetterlage für den Sommer ein", sagt Müller-Westermeier. Das hieße dieses Jahr: warm, feucht, unbeständig. "Es gibt viele Ausnahmen", fügt der DWD-Statistiker schnell hinzu. Da müsste sich der Betrüger Durchschnitt aber erst als Freund erweisen.
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(SZ vom 08.07.2009)
- Sachbearbeiter/Sachbearbeiterin nationale und internationale Auftragsabwicklung– Thermo Fisher Scientific, Passau
- Professor Mathematik, Statistik und Informatik (m/w)– Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf, Freising
- CHEFSEKRETÄR/IN VORSTANDSASSISTENZ– COPLAN AG, Eggenfelden
Sorgerechtsverfahren in der Kritik
"Wir tun so als seien wir das Wichtigste auf diesem Planeten - weit gefehlt. Wir glauben, dass wir die Erde zerstören - weit daneben. Das System Erde ist unkaputtbar, denn es hat einen entscheidenden Vorteil: weitere Milliarden Jahre. "
Mit Verlaub: Das ist eine kleingeistige Ansicht, die sie da zum Besten geben. Es geht nämlich nicht darum, ob "Das System Erde" zerstört wird. Es wird immer ein "System Erde" geben. Das ist aber reichlich kleingeistig, denn nicht die Existenz des Systems verändert sich, sondern seine Beschaffenheit. Auch wenn es im Durschnitt -80° Grad hätte wie auf dem Mars oder +300° oder mehr wie auf der Venus haben wir ein "System Erde". Ob wir uns in einem solchen System dann aber wohl fühlen würden, halte ich mal für sehr fraglich. Und dafür helfen uns auch keine vielzitierten "weiteren Milliarden Jahre", weil sie und ich und mein Nachbar und die Frau am Ende der Straße hier und heute leben und möglicherweise hier und heute ins Gras beißen und nicht erst in "weiteren Milliarden Jahren".
"Mindestens die Oberbayern, die Anspruch auf das beste Wetter Deutschlands erheben......."
Geht's noch ? Anscheinend hatten die bisher doch genug Sonne die das Gehirn ordentlich durchgebrezelt hat...
Ganz einfache Lösung: Umsiedlung in die Westsahara. Wenn nur alle Probleme SO einfach zu lösen wären.
@michaweiss:
Sehr vernünftige Einstellung!
da quält man sich als Sonnenhungriger, durch Herbst, Winter und Frühling und wartet sehnlichst auf den Sommer... und?... er kommt nicht.
Seit Jahren schon versprechen meines Erachtens die Monate Juni bis August nicht das was ein schöner Sommer verspricht.
Na gut, da gibt es den ein oder anderen, welcher sich über gemütliche 20° freut, aber für mich beginnt die Freude erst bei 25°+. Da gibt es vereinzelt ein paar wenige Tage, inmitten von eher durchwachsenen drei Monaten und ich darf mich wieder durch drei Jahreszeiten quälend auf den nächsten Sommer freuen und hoffen, dass dieser dann vielleicht schön werden könnte.
Was ich dabei gar nicht gebrauchen kann sind irgendwelche Statistiken, die mir weis machen wollen, dass der Sommer recht durchschnittlich war.
Es gibt kein schlechtes Wetter - man ist nur meist am falschen Ort.
Also in der Rheinebene, da hat die Sonne zwischendurch in den letzten Wochen ganz schön gebretzelt.
Paging