Werkzeuggebrauch bei Meeressäugern Delfine mit Subkultur

In der australischen Shark Bay lernen einige Delfine von Generation zu Generation, Schwämme zum Aufspüren von Beute einzusetzen. Und wer es einmal kann, bevorzugt Artgenossen, die die Technik ebenfalls beherrschen. Auf ähnliche Weise entstehen auch bei Menschen Subkulturen.

Delfine, die gelernt haben Werkzeuge zu benutzen, neigen offenbar dazu, Cliquen mit Artgenossen zu bilden, die die gleiche Technik beherrschen. Das haben US-amerikanische Biologen in der Shark Bay vor der Westküste Australiens beobachtet.

Delfine, die in der Shark Bay vor Australiens Westküste Schwämme zur Jagd einsetzen, haben vor allem Kontakte mit Artgenossen, die die Technik ebenfalls beherrschen.

(Foto: Eric Patterson)

In der "Haifischbucht"wurde bereits vor mehr als 20 Jahren entdeckt, dass einige der Großen Tümmler eine besondere Art der Jagd entwickelt haben: Sie stülpen sich einen Seeschwamm (Sponge) über das Maul und wühlen damit den Meeresboden auf. Dadurch scheuchen sie kleinere Meerestiere auf.

Mit den Schwämmen schützen die "Spongers", wie die Forscher um Janet Mann von der Georgetown University in Washington D.C. diese Tiere nennen, ihre Nase vor den scharfen Muschelkanten und vor Bruchstücken von Korallen im Sand.

Möglicherweise, so hatten die Forscher bereits im vergangenen Jahr berichtet, haben sie damit eine neue Nahrungsquelle aufgetan, mit der sie die Konkurrenz mit anderen Delfinen vermeiden. Jungtiere - vor allem Töchter - lernen die Technik von ihrer Mutter. Gleichalte Artgenossen dienen nicht als Vorbild.

In der Shark Bay bilden normalerweise vor allem verwandte Delfin-Weibchen lockere Verbände, während die Männchen langfristige Allianzen eingehen. Innerhalb dieser Populationsstrukturen fallen die "Spongers" allerdings aus dem Rahmen: Wie die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Nature Communications schreiben, hatten die 36 "Spongers", die sie über einen Zeitraum von 22 Jahren beobachteten, deutlich mehr Kontakte mit anderen "Spongers" und gingen mit ihnen stärkere Bindungen ein als mit benachbarten "Non-Spongers".

"Diese Muster", so die Forscher, "sind besonders bemerkenswert, weil Spongers insgesamt eher für sich bleiben und überhaupt schwächere Bindungen mit anderen Delfinen eingehen als Non-Spongers es tun." Der nur von ihnen angewendete Werkzeuggebrauch scheine die Natur der sozialen Beziehungen unter den "Spongers" zu beeinflussen.

Ihre Studie zeige zum ersten Mal, dass ein Verhalten, das der Nachwuchs ausschließlich von einem Elternteil übernimmt, auch dazu führt, dass diese Tiere sich als Gruppe miteinander verbunden fühlen. "Wie Menschen, die die Beziehung zu anderen Mitgliedern einer Subkultur bevorzugen, zeigen Delfine eine Vorliebe für andere, die wie sie sind - deshalb sollte man den Einsatz der Schwämme als Werkzeuge als kulturelles Verhalten betrachten", schließen die Wissenschaftler. Ihrer Einschätzung nach ist es das erste Mal, dass bei Tieren ein solches Phänomen beobachtet wurde.