Von Stefan Braun

Den Hunger auf der Welt wollten die UN bis 2015 halbieren. Inzwischen sinkt die Zahl der Hungernden nicht mehr, sondern steigt wieder.

Das zentrale Ziel der Vereinten Nationen, den Hunger auf der Welt bis 2015 zu halbieren, wird kaum noch erreicht werden. Zu diesem Schluss jedenfalls kommt die Deutsche Welthungerhilfe. Sie rechnet nicht mehr damit, dass die Weltgemeinschaft ihre mit großem Tamtam im Jahr 2000 selbstgesteckte Aufgabe erfüllen wird.

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Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuß, sagte am Montag in Berlin, mittlerweile sinke die Zahl nicht mehr, sondern steige wieder.

Als die UN das Ziel ausgab, hatten 800 Millionen Menschen zu wenig zu essen. Mittlerweile ist die Zahl höher als damals. "Wir steuern auf eine Milliarde zu", sagte Preuß bei der Vorstellung der Bilanz für das Jahr 2007.

Preuß zeichnete ein pessimistisches Bild. Die aktuelle Hungerkrise sei eine Folge jahrzehntelanger Vernachlässigung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes in Entwicklungsländern. Deren Regierungen genauso wie die Industriestaaten hätten die Förderung dieses Wirtschaftszweigs im vergangenen Vierteljahrhundert massiv runtergefahren. Vor 25 Jahren hätten die Staaten der OECD noch 17 Prozent ihrer Entwicklungshilfe dafür ausgegeben, mittlerweile liege der Anteil bei 3,7 Prozent.

Der aktuelle Anstieg der Nahrungsmittelpreise hängt nach Ansicht der Welthungerhilfe eng mit dem ungebremsten Preisanstieg für Rohöl zusammen. Dies verteuere direkt die Kosten für die Produktion und mache alternative Energiequellen wie Biosprit immer attraktiver. Die Folge: Die landwirtschaftliche Nutzfläche für Lebensmittel bekomme immer schärfere Konkurrenz, und das treibe erneut den Preis in die Höhe.

Scharfe Kritik übte Preuß an den noch immer wirksamen Agrarexportsubventionen. Sie erst langsam abzuschaffen sei Mitschuld am wieder wachsenden Hunger auf der Welt. Hinzu kämen neue Essgewohnheiten in Schwellenländern wie China und Brasilien. Während dort der Konsum von Fleisch und Milchprodukten steige, explodierten anderswo die Preise für Grundnahrungsmittel, die man für dieses Mehr an Fleisch und Milch brauche.

Die Vorsitzende der Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, berichtete, dass ihre Organisation Ende 2007 unter den Turbulenzen bei Unicef Deutschland gelitten habe. Im Dezember sei das Spendenaufkommen um zwei Millionen Euro zurückgegangen, mittlerweile aber sei "die Delle" aufgefangen. Sie betonte, dass sich das Jahresbudget bei 135 Millionen Euro eingependelt habe. Neben der wachsenden Zahl an Naturkatastrophen sieht sie vor allem die Entwicklungen in Afghanistan düster. "Wir bekommen immer mehr Anschläge gemeldet, das macht uns große Sorgen", sagte Schäuble.

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(SZ vom 03.06.2008/mcs)