Weltraumteleskop "Kepler" geht der Sprit aus

Kepler hat bisher 2649 Planeten in fernen Sonnensystemen entdeckt.

(Foto: dpa)
  • Kepler, eine Raumsonde von der Größe eines Mittelklassewagens, geht der Sprit aus.
  • Lediglich "ein paar Monate" geben die Ingenieure der US-Raumfahrtbehörde Nasa ihrer Sonde noch.
  • Die Daten, die die Raumsonde bisher gesammelt hat, werden Wissenschaftler noch viele Jahrzehnte beschäftigen.
Von Alexander Stirn

Die Homepage der US-Raumsonde Kepler ist nicht unbedingt ein Hort der Bescheidenheit: Exakt 2649 Planeten in fernen Sonnensystemen habe Kepler bislang entdeckt, verkündet die Seite stolz. Weitere gut 2700 Kandidaten stünden unter Beobachtung. Sie könnten ebenfalls fremde Sonnen umrunden, ihre Existenz konnte in dem Wust von Daten, die Kepler in neun Jahren gesammelt hat, nur noch nicht zweifelsfrei bestätigt werden. Eine fantastische Bilanz. Doch viele neue Funde werden nicht mehr hinzukommen: Kepler, eine Raumsonde von der Größe eines Mittelklassewagens, geht der Sprit aus. "Wir steuern unweigerlich auf das Ende des Flugbetriebs zu", sagt Charlie Sobeck, langjähriger Projektmanager der Mission. Lediglich "ein paar Monate" geben die Ingenieure der US-Raumfahrtbehörde Nasa ihrer Sonde noch. Dann ist Schluss - nach einer äußerst erfolgreichen Mission.

Kepler war 2009 angetreten, die Astronomie zu revolutionieren, und das mit einer vergleichsweise simplen Technik. Dreieinhalb Jahre lang sollte die Sonde knapp 200 000 Sterne in einer kleinen Region des Himmels zwischen den Sternbildern Leier und Schwan beobachten. Falls Planeten um ferne Sonnen kreisen und sich dabei zwischen die Erde und ihren Heimatstern schiebt, müsste dessen Licht in regelmäßigen Abständen etwas dunkler werden. Kepler sollte diese Änderungen registrieren.

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Mit Erfolg: Als die Sonde im März 2009 startete, war unklar, ob es überhaupt Planeten in fernen Sonnensystemen gibt. Heute gehen Astronomen davon aus, dass fast jeder Stern von einem oder mehreren sogenannten Exoplaneten umrundet wird.

Wie lange Kepler noch nachschauen kann, ist unklar. Tankanzeigen von Raumsonden sind notorisch unzuverlässig. Da es in den Tiefen des Alls keine Schwerkraft gibt, die den Treibstoff in die Leitungen der Triebwerke drückt, muss in Keplers Tank eine Blase diese Aufgabe übernehmen. Sie ist fast komplett entfaltet, aber noch nicht ganz. "Wenn im Auto die Reserve blinkt, kann man bei nächster Gelegenheit volltanken. Kennt man das Volumen seines Tanks, dann wird anhand der gekauften Benzinmenge schnell klar, wie viel Treibstoff noch übrig war", sagt Sobeck. "Im All, ohne Tankstellen, ist diese Art der Kalibrierung nicht möglich." Schlimmstenfalls quittieren die Düsen beim nächsten Zündversuch den Dienst. Die Sonde lässt sich nicht mehr auf die Erde ausrichten, es können keine Daten übertragen werden.

Die Daten des Spähers werden Astronomen noch jahrzehntelang mit Arbeit versorgen

Aber Kepler ist hartnäckig: Schon einmal war die Sonde fast tot. Im Mai 2013 fiel das zweite von vier Trägheitsrädern aus. Das Raumfahrzeug ließ sich nicht mehr auf sein Zielgebiet fixieren. Wenig später gelang die Wiedergeburt: Stabilisiert von den Lichtteilchen der Sonne, konnte sich die Sonde jeweils zwei bis drei Monate lang auf ein Gebiet des Himmels konzentrieren und dort nicht nur Exoplaneten suchen, sondern auch andere Objekte wie Sternenexplosionen oder Schwarze Löcher. Zehn derartige Beobachtungskampagnen waren geplant. Gerade hat die 17. begonnen.

Selbst wenn Kepler irgendwann nicht mehr sende, sei die Mission noch lange nicht zu Ende, betont Sobeck: "Wir sprechen absichtlich vom ,Ende des Flugs'", sagt der Ingenieur, "das ist keinesfalls das Ende der Wissenschaft." Astronomen würden die Daten, die Kepler in den vergangenen neun Jahren gesammelt habe, mit Sicherheit "noch viele Jahrzehnte" nutzen und auswerten.

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