Von Alexander Stirn

Endlich soll das europäische Weltraumlabor "Columbus" an die Internationale Raumstation angekoppelt werden. Die Entwicklung des Forschungsmoduls hat mehr gekostet als jedes andere Projekt der Esa.

Heute Abend soll die wahrscheinlich teuerste Blechbüchse der Welt endlich von diesem Planeten verschwinden. Lange, viel zu lange, lag sie hier herum - weshalb selbst die Besitzer froh sind, wenn sie das 880 Millionen Euro teure Ding nicht mehr sehen müssen.

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So soll "Columbus" an der ISS angekoppelt werden. (© Foto: Esa/D.Ducros)

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Aus den Augen, aber keinesfalls aus dem Sinn. Denn wenn alles gut geht, wird die glänzende Aludose schon bald um die Erde kreisen.

Wenn es noch besser läuft, wird sie eines Tages bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse zurück funken. Das jedenfalls ist die Hoffnung hunderter Ingenieure und Forscher, die viel Geld, Energie und Zeit in Columbus gesteckt haben - in Europas Forschungsmodul für die internationale Raumstation ISS. Am heutigen Donnerstag, um 22.31 Uhr deutscher Zeit, soll das Weltraumlabor mit der US-Raumfähre Atlantis ins All abheben.

"Mit dem Start von Columbus beginnt für deutsche Wissenschaftler eine neue Ära", jubelt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Und die Europäische Raumfahrtagentur Esa freut sich auf einen "enormen Schub für die europäischen Forschungsmöglichkeiten in der Schwerelosigkeit". Columbus soll für den Aufbruch zu neuen Ufern stehen, für ein neues Zeitalter der Entdeckungen, aber auch für die Emanzipation vom allmächtigen Partner USA.

Die Realität sieht nicht ganz so rosig aus. Auch wenn die Esa fast eine Milliarde Euro für Columbus ausgegeben hat - der bis dato größte Einzelbetrag in Europas Raumfahrtgeschichte -, bleiben die Forschungsmöglichkeiten im All begrenzt.

Zehn standardisierte Experimentierschränke finden im Weltraumlabor Platz. Ein jeder ist fast so groß wie eine Telefonzelle, hat eine eigene Stromversorgung, Kühlung, Video- und Datenverbindung zur Erde.

Zum Start sind allerdings nur vier europäische Forschungs-Schränke an Bord; ein Platz wird als Stauraum benötigt, der Rest steht den Amerikanern zu - Ergebnis eines schmerzhaften Kompromisses: Als Columbus Mitte der 80er-Jahre ersonnen wurde, sollte das Labor noch an der Spitze einer Ariane-Rakete und damit komplett in europäischer Eigenregie ins All geschossen werden.

Doch die Entwicklung eines passenden Moduls einschließlich einer eigenen Andockvorrichtung erwies sich als extrem teuer und kompliziert. Zwangläufig mussten die Europäer ihre Pläne abspecken und auf bereits bestehende Module aufbauen, die sich in der Ladebucht des Shuttles transportieren lassen. Umsonst ist in der Raumfahrt allerdings nichts, erst recht kein Flug mit einer amerikanischen Raumfähre: Als Gegenleistung für Transport und Betrieb von Columbus verlangten die Amerikaner die Hälfte der Forschungsmöglichkeiten im Labor und bekamen sie auch.

Steuerung von Uni-Rechner

Grund zur Klage sieht Volker Sobick, beim DLR zuständig für die ISS und die bemannte Raumfahrt, dennoch nicht. Zum einen könnten die Europäer auch auf andere Forschungseinrichtungen an Bord der Raumstation zurückgreifen, zum anderen hätten die Amerikaner ihre Forschung im All zuletzt so stark heruntergefahren, dass sie womöglich gar nicht alle Plätze in Columbus besetzen könnten. "Über die künftige Nutzung müssen wir uns mit den Partnern nochmal abstimmen", sagt Sobick. "Da könnte es durchaus Verschiebungen geben."

Beschränkt auf vier Forschungsschränke, konzentrieren sich die Europäer auf die in ihren Augen vielversprechendsten Gebiete: Im Biologie-Labor werden Mikroorganismen, Zellen und Gewebekulturen, aber auch kleine Pflanzen und Insekten der Schwerelosigkeit ausgesetzt und untersucht. Die Erkenntnisse, so die Hoffnung, sollen helfen, die Auswirkungen der fehlenden Anziehungskraft auf Organismen besser zu verstehen.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Physiologie-Labor, wobei hier allerdings der Mensch im Mittelpunkt steht: Mit Astronauten als Versuchskaninchen sollen die Effekte dauerhafter Schwerelosigkeit auf die Menschen studiert und dabei ganz irdische Erkenntnisse über das Altern, über Osteoporose, Gleichgewichtsstörungen und Veränderungen des Immunsystems gewonnen werden.

Der dritte Laborschrank widmet sich dem seltsamen Verhalten fließender Stoffe in der Schwerelosigkeit. Flüssigkeiten mischen sich dort weitaus besser als auf der Erde, Legierungen verbinden sich zu unbekannter Stärke, optische Linsen können extrem genau hergestellt werden.

Das "Drawer Rack" schließlich versucht, den ganzen Rest der wissenschaftlichen Disziplinen abzudecken: In sieben Fächern und Schubladen können vorher zusammengestellte Experimente weitgehend automatisch ablaufen.

Viel mehr ist auch nicht drin: "Derzeit ist es etwas problematisch, Zeit für Astronauten zu bekommen", sagt Helmut Luttmann, Programmleiter für Betrieb und Nutzung der Raumstation beim Bremer Raumfahrtkonzern EADS Astrium, der Columbus federführend gebaut hat.

Auch sieben Jahre nach dem Erstbezug leben und arbeiten an Bord der Raumstation ISS lediglich drei Astronauten. Die sind mit Betrieb und weiterem Ausbau des fliegenden Außenpostens gut ausgelastet. Für Experimente bleibt nicht viel Zeit. Erst 2009 soll die Crew auf sechs Mitglieder anwachsen.

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