Heute muss man in Hat Creek schlappe 150.000 Dollar für eine Radioschüssel samt Messingschild mit eingraviertem Namen spenden. Der eigentliche Clou des Unternehmens war aber die Kooperation mit einer weltweit angesehenen Universität, die geschickt erlaubte, klassische Astronomie mit der Suche nach kosmischen Nachbarn zu verbinden.

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Leo Blitz, in München geborener Direktor des Labors für Radioastronomie an der Universität Berkeley, sitzt in einem Seminarraum im sechsten Stock der Campbell Hall akademisch würdig vor einer weißen mit Gleichungen und farbigen Graphen bedeckten Tafel. "Dank neuer Verstärkertechnologie wussten wir um 1999, dass wir Radiosignale erstmals aufteilen könnten, ohne Information zu verlieren. Einer Zusammenarbeit stand also technisch nichts im Wege."

Jeder profitierte von der Zusammenarbeit: Die Berkeley-Universität erhält Zugang zu Setis wohlhabenden Mäzenen. Die Gönner freuen sich, dass ihr Geld ebenso in seriöse Wissenschaft fließt - so fiel es Paul Allen leichter, 25 Millionen Dollar für die erste Bauphase zu stiften.

Auch ein negatives Ergebnis wäre ein Gewinn

Und schließlich bekommt das Seti-Institut durch die Hintertür Zugang zu staatlichen Fördergeldern: Die von der amerikanischen National Science Foundation vergebenen Gelder für Berkeleys Projekte decken weitgehend die Betriebskosten des Teleskops ab.

Dass Berkeley in Hat Creek offiziell das Sagen hat, bekümmert die Jäger extraterrestrischer Intelligenz wenig. Denn die Hochschule betreibt hier bereits seit 50 Jahren Radioastronomie. Und wenn sich die Parabolantennen in Berkeleys Auftrag drehen, um die Verteilung von Wasserstoffs im Universum zu messen oder das Magnetfeld der Galaxis zu inspizieren, klinkt Seti sich ein und durchforstet das Rauschen im All nach Botschaften aus der Ferne.

Blitz hält das Seti-Projekt für eine gute Sache, doch ist er skeptisch, ob sich mit dem Allen-Teleskop die Nadel im Sternenhaufen finden lässt. "Vielleicht klappt es mit dem geplanten Superteleskop 'Square Kilometer Array', das im nächsten Jahrzehnt aus Tausenden Einzelantennen gebaut werden soll."

Doch ein negatives Ergebnis wäre ebenfalls ein Gewinn, so Blitz, denn es würde zu einem vertieften Verständnis der Erde und unseres Lebens beitragen. Und Shostak gesteht zu: "Wenn wir in den nächsten zwei Jahrzehnten nichts finden, müssen wir uns natürlich die Frage stellen, welchen Sinn die Suche noch hat."

Die kosmische Einsamkeit der Sternenlauscher, die seit Jahrzehnten auf Post aus den Tiefen des Alls warten, endet also womöglich nie. In Hat Creek wirkt diese Isolation greifbar, in der kargen Hochebene, in der außer Kiefern, Büschen, Teleskopen und verschneiten Bergkuppen wenig zu sehen ist. Doch das stört nicht jeden Erdling. Rick Forster erforscht die Geburt kurzlebiger Riesensonnen in der Milchstraße: "Ich lebe seit 18 Jahren hier. Mir liegt die Abgeschiedenheit."

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(SZ vom 22.01.2008/mcs)