Lichtblitze und Blutmangel: Astronauten sind im Weltall einigen Gefahren ausgesetzt. Für längere Ausflüge ins All sind das keine guten Aussichten.
Die Astronautin hatte Ende vergangener Woche gerade ein paar Sätze über ihre zwölf Tage im Weltraum gesprochen, da fiel Heidemarie Stefanyshyn-Piper am Rednerpult in Ohnmacht. Ihre Kollegen von der Raumfähre Atlantis fingen sie gerade noch rechtzeitig auf. "Mann, wenn das nicht peinlich ist", witzelte sie wenige Minuten später, wieder am Podium stehend. Das Publikum jubelte ihr zu. Doch die Schwerkraft holte Stefanyshyn-Piper abermals ein; ihre Sprache stockte, die Knie gaben nach. Genug - man trug sie in einen klimatisierten Raum, damit sie sich ausruhe. Der zuständige Flugarzt erklärte später, es sei nicht ungewöhnlich für Astronauten, nach längerer Zeit im All unter Kreislaufbeschwerden zu leiden, da sich im All die Blutmenge verringere.
Selbstportrait im All: die Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper (© Foto: AP)
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Die Crew war erst am Tag zuvor in Cape Canaveral gelandet. Kurz nach dem Aussteigen mussten die Astronauten einen zehnminütigen Stehtest absolvieren, fleißig trinken und umhergehen. Der Blutverlust war spätestens nach zwölf Stunden ausgeglichen, den Schwächeanfall erklärt er also nicht. "Es mag an der Temperatur gelegen haben", mutmaßt der deutsche Medizinphysiker Thomas Heldt vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. "Aber manche Astronauten kippen auch noch drei Tage nach der Rückkehr zur Erde um. Wie Schwerelosigkeit unser Herzkreislaufsystem beeinflusst, verstehen wir eben nur unvollständig." Keine guten Aussichten für längere Ausflüge ins All, die die Nasa neuerdings wieder plant: Bis 2020 sollen Astronauten erneut auf dem Mond Staub aufwirbeln und im Jahrzehnt danach gar den Mars betreten. Die Reise zum Mars und zurück dauert mindestens anderthalb Jahre.
"Strahlung könnte alle Vorhaben zunichte machen"
Wie der Körper auf einen Daueraufenthalt im All reagiert, haben Wissenschaftler erst begonnen zu verstehen. Abertausende Stunden im Orbit und die wenigen Tage auf dem Mond ermöglichen keine sicheren Prognosen. Was indes bekannt ist, wirkt wenig ermutigend: Neben Kreislaufproblemen erleiden Astronauten im All Muskel- und Knochenschwund. Der Sonnenwind sucht Sternenreisende mit Protonen heim. Die kosmische Strahlung attackiert sie gnadenlos - vor ihr sind Erdenbürger und Astronauten in der Internationalen Raumstation ISS durch das Erdmagnetfeld weitgehend geschützt. "Diese Strahlung könnte alle Vorhaben zunichte machen", sagt die 63-jährige Astronautin Shannon Lucid, die 223 Tage im All verbracht hat. "Man will schließlich keine toten Astronauten zum Mars schicken."
Als der Astronaut Buzz Aldrin 1969 während der Rückkehr vom Mond seine Augen schloss, leuchteten plötzlich Lichtblitze an der Innenseite seiner Lider auf. Zurück auf der Erde erklärten ihm Ärzte, er hätte gesehen, wie kosmische Strahlen durch seinen Kopf jagten und etwas in Augäpfeln oder Lidern trafen. Sie entstammen Sternenexplosionen, deren elementare Bruchstücke nahezu mit Lichtgeschwindigkeit durchs Weltall rasen.
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Gysi gegen Lafontaine