Weltraumflug zur ISS "Es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen"

Nachdem sich die Luke zwischen der Kapsel "Sojus MS-09" und der Raumstation ISS geöffnet hat, schwebt der deutsche Astronaut Alexander Gerst in die Internationale Raumstation (ISS).

(Foto: dpa)

Alexander Gerst ist am Freitagabend auf der Raumstation ISS angekommen. Zuvor musste die Crew allerdings 34-mal um die Erde kreisen - zwei Tage lang, in einem Modul ohne Toilette. Ein Vorteil für die Astronauten.

Von Alexander Stirn

Sechs Minuten früher als geplant, um 15.01 Uhr deutscher Zeit, ist Astronaut Alexander Gerst am Freitag auf der Internationalen Raumstation ISS angekommen. Zwei Tage nachdem seine Sojus-Kapsel in den Himmel über Kasachstan gestartet war, dockte sie nun hoch über China problemlos an der Station an. Zwei Stunden später, nach dem Öffnen der Luke, schwebte ein breit grinsender Gerst in sein Heim für das nächste halbe Jahr. "Es fühlt sich an wie nach Hause zu kommen", war seine erste Botschaft aus dem All.

Verglichen mit seinem ersten Flug zur Raumstation vor vier Jahren zog sich Gersts Reise diesmal hin: Zwar können Astronauten die Station im Idealfall bereits sechs Stunden nach dem Abheben erreichen. Da Gersts Mission um einige Wochen verschoben werden musste und die Sonne nun so unglücklich stand, dass sie die Raumkapsel beim direkten Anflug extrem aufgeheizt hätte, musste die Crew allerdings 34-mal um die Erde kreisen. Zwei Tage lang galt es daher, bei Dosenfutter und Fruchtsäften in einem etwa sechs Kubikmeter großen Wohnmodul auszuharren - pro Person bleibt da weniger als eine Telefonzelle übrig.

Astronauten, ohnehin an beengte Verhältnisse gewöhnt, können dem dennoch Positives abgewinnen: "Man kommt deutlich entspannter und ausgeschlafener auf der ISS an", sagt Frank De Winne, Chef des Europäischen Astronautenzentrums in Köln. Beim Direktflug steckt den Raumfahrern hingegen ein gut 15 Stunden langer Arbeitstag und ein nervenaufreibender Start in den Knochen. Dann lieber eingepfercht, aber erholt ankommen.

"Astro-Alex" und sein Weg ins All

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Zu Gersts ersten Aufgaben gehört ein kanadisches Experiment, bei dem Forscher verstehen wollen, wie sich das Knochenmark verändert, sobald die Knochen in der Schwerelosigkeit weniger genutzt werden. Das ist vor allem interessant für die Gesundheit der Astronauten, also für Gerst selbst. Womöglich könnten aber auch ältere, bettlägerige Menschen auf der Erde davon profitieren.

Insgesamt wird Gerst während seiner sechs Monate auf der Raumstation mit etwa 300 Experimenten befasst sein, 41 davon stammen aus Deutschland. Wirklich intensiv damit beschäftigen kann sich der promovierte Geophysiker aber nicht. Er muss die 100 Milliarden Euro teure Raumstation instand halten und noch den täglich Betriebssport (2,5 Stunden) ableisten.

Für die mehr als 60 europäischen Experimente stehen also nur 80 Stunden zur Verfügung. Viel mehr als einen Knopf drücken, eine Probe einlegen oder ab und an nach dem Rechten schauen, ist nicht drin - zumal von September an, in der zweiten Missionshälfte, eine weitere Aufgabe für Gerst hinzukommt: Als zweiter Astronaut der Europäischen Raumfahrtagentur Esa nach Frank De Winne - und als erster Deutscher - wird Gerst das Kommando auf der Raumstation übernehmen.

Noch scheint das lange hin zu sein. Doch die Zeit vergeht auch im Weltall, 400 Kilometer über dem Globus, rasend schnell. Am 13. Dezember, nach etwa 180 Tagen im All, soll es zurückgehen zur Erde. Dann müssen die Astronauten auch nicht so lange in ihrer Sojus ausharren. Zwischen Abdocken und Landung vergehen normalerweise nicht mal dreieinhalb Stunden.

Überirdisches Unterfangen

Die Begeisterung um den deutschen "Astro-Alex" Alexander Gerst ist verständlich. Aber die Wahrheit ist: Die Kosten für bemannte Missionen sind irrwitzig. Astronauten fliegen ins All, weil es begeistert, weil es stolz macht. Das Geld wäre besser anzulegen. Kommentar von Patrick Illinger mehr...